Seit rund einem Monat verschüttet: Jetzt
helfen NASA-Experten den Kumpels in Chile

Schacht: Bohrer schafft sieben bis acht Meter pro Tag Vater eines Eingeschlossenen ahnte Unglück bereits

Neue Hoffnung für die verschütteten Bergarbeiter in Chile: Langsam aber stetig fräst sich der Spezialbohrer in die Tiefe. Bereits seit rund einem Monat müssen die Kumpel unter der Erde ausharren und stellen damit einen traurigen Rekord auf. Doch ihre Leidenszeit ist noch lange nicht zu Ende. Bis sie wieder das Licht der Sonne erblicken, könnten noch bis zu vier Monate vergehen. Zur Betreuung der Eingeschlossenen sind jetzt Experten der US-Weltraumbehörde NASA angereist.

Sie wollen die Behörden bei der Betreuung der seit dem 5. August in 700 Meter Tiefe festsitzenden Bergarbeiter beraten. Die Erfahrungen aus der bemannten Raumfahrt sollen helfen, die Eingeschlossenen während der kommenden Monate körperlich und geistig fit zu halten.

Experte optimistisch
Der Vizeleiter des medizinischen Dienstes des Raumfahrtzentrums, Michael Duncan, hatte sich bereits in einem NASA-Video optimistisch über die Fähigkeit der Kumpel geäußert, die lange Wartezeit zu überstehen. "Die Bergarbeiter haben unter Tage schon viel für sich selbst getan, sich selbst organisiert und der Welt damit gezeigt, dass sie überleben können", sagte Duncan.

Unterdessen fräste sich der Spezialbohrer Strata 950 langsam in die Tiefe. Deutsche Bergbauexperten rechnen damit, dass die Bohrung mit einem Tempo von 7 bis 8 Metern pro Tag vorankommen könnte. Das wäre eine gute Leistung, sagte Klaus Stöckmann vom Fachverband Bergbaumaschinen.

Betreiber bitten um Verzeihung
Der Betreiber der chilenischen Mine San Jose hat die Betroffenen um Verzeihung gebeten. "Der Schmerz, der durch diese von uns nicht gewollte und nicht vorgesehene Situation verursacht wurde, erfordert, dass wir um Verzeihung bitten für die in diesen Tagen gefühlte Angst", sagte einer der Chefs des Unternehmens San Esteban, Alejandro Bohn.

Vater ahnte Unglück voraus
Die Entschuldigung ist wohl nur ein geringer Trost für die Angehörigen, die weiterhin um das Leben ihrer Liebsten bangen müssen. Um das Leben seines eingeschlossenen Sohnes zittert auch der 70-jährige José Vega, selbst ein erfahrener Minenarbeiter. Er hat das Unglück schon kommen sehen und seinen Sohn noch zu warnen versucht, wie er gegenüber CNN berichtete. Kurz vor dem Unglück riet er ihm die Mine nicht mehr zu betreten - vergeblich. "Zwei Monate vor dem Einsturz sagte ich zu meinem Sohn: Mein Sohn, die Mine sendet dir eine Warnung, hör auf dort zu arbeiten. Aber er sagte: Dad, ich renoviere gerade mein Haus, ich muss weitermachen", so Vega im CNN-Video. Sein Sohn, Alex Vega, hat die Hoffnung jedenfalls noch nicht aufgegeben. "Wir werden es hier rausschaffen", zeigte er sich in seiner Videobotschaft zuversichtlich.

(apa/red)