Sein Tor brachte die DFB-Elf ins Finale: Dennoch zeigt sich Lahm selbstkritisch

24-jähriger Bayernspieler zeigte defensive Schwächen Von der UEFA gab es "Man of the Match"-Titel für ihn

Sein Tor brachte die DFB-Elf ins Finale: Dennoch zeigt sich Lahm selbstkritisch © Bild: Reuters/Grimm

Deutschlands Teamverteidiger Philipp Lahm hat am im EURO-Halbfinale gegen die Türkei zum ersten Mal im Turnierverlauf in der Defensive Schwächen gezeigt. Mit dem Treffer zum 3:2 und dem Assist zum 2:1 avancierte der 24-Jährige aufgrund seiner Offensivqualitäten in der Schlussphase aber trotzdem noch zum DFB-Matchwinner. "Das war mit Sicherheit das wichtigste Tor meiner Karriere", sagte der von der UEFA zum "Man of the match" gekürte Abwehrspieler.

Der Bayern-München-Außenverteidiger gab sich auf der Pressekonferenz nach dem Spiel aber auch selbstkritisch. "Ich hatte andere Spiele, wo ich den Titel 'Man of the match' vielleicht eher verdient gehabt hätte", merkte Lahm an. Der 46-fache Teamspieler hatte in der ersten Hälfte auf der linken Abwehrseite gegen den groß aufspielenden Kazim Kazim seine liebe Mühe, dazu verlor er vor dem türkischen Ausgleich zum 2:2 den entscheidenden Zweikampf. "Aber als Spieler glaubt man immer an seine Fähigkeiten", sagte Lahm, der sich nach der Pause deutlich öfter in die Offensive einschaltete.

Mit dem Assist für Kloses 2:1 und vor allem dem entscheidenden Treffer in der 90. Minute, wo er im Strafraum ideal freigespielt wurde und an Türkei-Goalie Rüstü vorbei einschoss, machte er die schwächere Darbietung doch noch vergessen. "Das macht den Fußball aus, dass man Dinge auch immer wieder geraderücken kann, und das hat er mit dem 3:2 sensationell gemacht. Er hat sich das Tor ja selbst mitvorbereitet, das war fantastisch", kamen von Simon Rolfes lobende Worte.

Tor und Assist von Lahm
Ähnlich sah es Goalie Jens Lehmann, der erklärte: "Im Fußball gleicht sich alles schnell aus, er ist ein Klassespieler, hat die Enttäuschung schnell weggesteckt. Es war wirklich ein großartiges Tor, damit hat der das Highlight des Spiels gesetzt." Und Bastian Schweinsteiger fügte hinzu: "Dass er das Tor so macht, freut mich riesig, es war sehr wichtig." Teammanager Oliver Bierhoff lobte den Treffer als "herbeigezauberte Aktion".

Abgesehen davon blieb der dreifache Europameister aber spielerisch, wie schon in der Gruppenphase, vieles schuldig. "Ein Halbfinale ist immer ein Kampf. Wir haben nicht so gespielt, wie wir uns das vorgenommen haben, aber es überwiegt die Freude, dass wir es nach der WM 2006 wieder ins Finale geschafft haben", resümierte ein glücklicher Lahm. "Der Finaleinzug stellt mit einen der schönsten Momente meines Lebens dar."

Philipp will den Pokal
Man habe mit den deutschen Tugenden die Partie doch noch für sich entschieden. "Jetzt ist unser großes Ziel, den Titel nach Deutschland zu holen. Wir wissen, wofür wir spielen - auch für diese großartigen Fans", betonte Lahm. Der 24-Jährige hofft, dass es bei seinem dritten Anlauf bei einem großen Turnier - nach der EM 2004 (Aus in der Gruppenphase) und der WM 2006 (Platz drei) mit dem ersten Titelgewinn klappt.

Lahm bekam aber nicht nur Lob von seinen Spielern, sondern auch von "Kaiser" Franz Beckenbauer, der sagte: "Wir haben uns sehr schwergetan. Im Endeffekt ging nicht so viel als Mannschaft, da war es eben die Einzelleistung von Philipp Lahm, die das Spiel zu unseren Gunsten entschieden hat."

Begnadeter Ping-Pong Spieler
Der passionierte Tischtennis-Spieler Lahm zählte in den ersten vier Partien jeweils zu den Besten, war auch bei der einzigen Turnierniederlage gegen Kroatien (1:2) als einziger kein Totalausfall und wurde deshalb zuletzt auch von allen Seiten mit sehr viel Lob überschüttet. Der vertraglich bis 2012 an Bayern München gebundene Außenverteidiger ist auch einer von fünf DFB-Akteuren (Lehmann, Mertesacker, Metzelder, Ballack), die in allen fünf Partien über die volle Distanz im Einsatz waren.

Für den Ex-Stuttgarter, der bereits sein achtes EM-Spiel absolvierte, war es der dritte Teamtreffer. Dabei der zweite wirklich wichtige, bereits bei der Heim-WM hatte er die Deutschen im Auftaktspiel gegen Costa Rica (4:2) mit dem 1:0 auf die Siegerstraße gebracht. Die Flexibilität des im Team zuletzt von seiner angestammten rechten auf die linke Abwehrposition beförderten Verteidigers ist auch seine große Stärke. Dessen ist sich DFB-Teamchef Joachim Löw bewusst. "Philipp ist vielseitig einsetzbar, ein flexibler, spielintelligenter, gut ausgebildeter Spieler, der alle Lösungen findet", erklärte der Bundestrainer. (apa/red)

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