Segolene Royal: Nur noch ein Mann als Gegner auf dem Weg in den Elysee-Palast

Greift als erste Französin nach höchstem Staatsamt

Das fröhliche "Bella Ciao" zum Abschluss ihrer Wahlkampfveranstaltungen hat der getragenen Nationalhymne Marseillaise Platz gemacht. Auf der Schlussgeraden gab Segolene Royal sich staatstragend. Die 53-Jährige kann als erste Frau Frankreichs Präsidentschaft erringen. Mit ihrem zweiten Platz in der ersten Wahlrunde am Sonntag steht sie in zwei Wochen gegen den Konservativen Nicolas Sarkozy in der Stichwahl um das höchste Staatsamt.

Royal setzt auf Bürgernähe und ein Image als Macherin mit Grundsätzen, aber ohne Scheuklappen. "Die Politik bleibt eine Welt, die Männer für Männer errichtet haben", stellt sie nüchtern fest. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist für sie ein Beleg, dass Frauen Macht anders ausüben. Sich selbst sieht die frühere Umwelt- und Familienministerin in historischer Rolle: Gewinnt sie nun die Stichwahl, ist sie die erste direkt gewählte Politikerin an der Spitze eines großen europäischen Staates.

Diesen Traum verfolgt Royal mit eiserner Energie. Hart arbeitet sie daran, ihren Mangel an Erfahrung in Außen- und Finanzpolitik auszubügeln. Im November schlug sie Ex-Premier Laurent Fabius und Ex-Finanzminister Dominique Strauss-Kahn im Kampf um die sozialistische Präsidentschaftskandidatur. Schon davor warf ihr langjähriger Lebenspartner und Vater ihrer vier Kinder, Sozialistenchef Francois Hollande, das Handtuch.

Überhaupt liest sich Royals Biografie wie ein stetes Messen mit der Männerwelt. Dass die junge Marie-Segolene als Mädchen in einer katholisch geprägten Familie mit acht Kindern Matura machen und studieren konnte, musste sie sich gegen ihren autoritären Soldatenvater hart erkämpfen. Die 1953 in Dakar geborene Royal studierte dann Wirtschaft und absolvierte über Stipendien auch die Pariser Politik-Hochschule IEP und die Kaderschmiede ENA.

Die Luft des Elysee-Palastes schnupperte Royal erstmals in den 80er Jahren als Beraterin des damaligen Staatschefs Francois Mitterrand, in den 90er Jahren war sie dreimal Ministerin. In dieser Zeit setzte sie sich in den Medien als "Super-Frau" in Szene, die Kinder und Beruf unter einen Hut bekommt. Gleichberechtigung und Familienwerte sind ihr heute noch wichtig. Von Parteibuch-Politik hält sich Royal dagegen fern. So predigt die Sozialistin einen harten Umgang mit jugendlichen Straftätern. Auf der Suche nach "gerechter Ordnung" ist für sie nicht einmal die 35-Stunden-Woche, die letzte große Reform der französischen Linken, tabu.

Ihre Bewunderer finden, Royal habe die Politikverdrossenheit der Franzosen verstanden und binde sie per "partizipativer Demokratie" ein. Für ihre Kritiker sind die Grenzen zu Populismus und Demagogie fließend. Diesen Vorwurf muss sich auch Sarkozy anhören. Er ist nun der letzte Mann, der ihr den Weg zum Elysee-Palast noch versperrt.

(apa/red)