"Secondos" brachten Schweizern Kicken bei: Sieben Spieler aus Einwandererfamilien

Auch "Bulle" Vonlanthen wanderte aus Kolumbien ein Im aktuellen ÖFB-Team spielen nur vier "Secondos"

Die aktuellen Erfolge des Schweizer Fußball-Nationalteams sind zum Teil "importiert". Einige Schlüsselspieler der "Nati" stammen aus Einwanderer-Familien, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Spanien, Italien und Frankreich oder später aus der Türkei ins Land von Österreichs EURO-Partner gezogen waren - dazu zählen aus dem Kader vom Österreich-Match Johan Djourou, Tranquillo Barnetta, Ricardo Cabanas, Mauro Lustrinelli, Hakan Yakin sowie die beiden Ersatzgoalies Diego Benaglio und Fabio Coltorti, außerdem kommen die Vorfahren der momentan verletzten Philippe Senderos und Valon Behrami sowie des nicht einberufenen Salzburg-Legionärs Johan Vonlanthen nicht aus der Schweiz.

Beim westlichen Nachbarn werden diese Spieler in Anlehnung an die zweite Immigranten-Generation "Secondos" genannt, auch wenn die Bezeichnung längst nicht auf alle zutrifft. Djourou oder der gebürtige Kolumbianer Vonlanthen zum Beispiel zogen erst als Kinder in die Schweiz.

So wie in den vergangenen Jahren vor allem die Franzosen und Niederländer profitierte auch die Schweizer Nationalelf von internationalen Einflüssen, selbst wenn Vonlanthen beteuert: "Wir spielen alle Schweizer Fußball, denn wir sind hier ausgebildet worden. Als ich in die Schweiz gekommen bin, habe ich zwar gut Fußball gespielt, aber keine Ahnung von Taktik gehabt. Das habe ich alles hier gelernt."

Gerade diese Schweizer Disziplin sorgte in Symbiose mit südländischem Spielwitz für den Aufstieg der Eidgenossen in die internationale Fußball-Elite. "Die beiden Faktoren ergänzen sich gut. Vielleicht haben Spieler wie Senderos oder ich ein wenig mehr Pfeffer und diese spezielle Mentalität, weil wir ursprünglich aus anderen Ländern stammen", vermutete Vonlanthen und betonte: "Die Secondos sind wichtig für die Nationalmannschaft, aber wir sind trotzdem alle Schweizer."

Im aktuellen ÖFB-Team spielen nur vier "Secondos"
Die Anzahl der österreichischen "Secondos" im ÖFB-Aufgebot ist mit vier Spielern (Sanel Kuljic, Veli Kavlak, Muhammet Akagündüz, György Garics - der ursprünglich einberufene Zlatko Junuzovic musste verletzungsbedingt absagen) deutlich geringer, dies könnte sich laut Kuljic aber schon bald ändern. "In den österreichischen Nachwuchs-Mannschaften spielen schon viele Kinder von Einwanderern, ich glaube, es werden bald auch im A-Team mehr werden", sagte der Sion-Stürmer, der sich nicht dazu äußern wollte, ob Kinder aus weniger betuchten Gastarbeiter-Familien eine bessere Einstellung als etwa Söhne aus gut situiertem Haus an den Tag legen.

Gleiches gilt auch für Kavlak, der als einer der letzten "Käfig-Kicker" gilt. "Dort habe ich als Kind so oft wie möglich gekickt. Im Käfig spielt man nur aus Spaß und ohne taktische Zwänge, man kann viel lernen, was den Umgang mit dem Ball betrifft, und genau das fehlt uns im Moment."

Der Rapidler, der in Innsbruck gegen die Schweiz mit nicht einmal 18 Jahren sein A-Team-Debüt feiern könnte, kam in der Bundeshauptstadt als Sohn eines Türken und einer Wienerin zur Welt, der Vater des ebenfalls in Österreich geborenen Kuljic war in den 70er-Jahren nach Österreich eingewandert, während seine Mutter als Tochter eines Bosniers und einer Slowenin schon in der Alpenrepublik aufgewachsen war.

Akagündüz wiederum fand als Achtjähriger in Österreich eine neue Heimat, Garics übersiedelte überhaupt erst als 14-Jähriger praktisch ohne Deutsch-Kenntnisse aus Ungarn nach Wien, wo er rund vier Jahre später mit ausgezeichnetem Erfolg die Gymnasium-Matura ablegte.

(apa/red)