Sechster Jugendlicher verhaftet: Nach Brandanschlag auf Bus mit Schwerverletzter

Alle Täter von Marseille von Polizei festgenommen

Nach dem Brandanschlag auf einen Linienbus in Marseille mit einer Schwerverletzten ist am Freitag ein sechster Jugendlicher festgenommen worden. Möglicherweise handele es sich bei dem 17-Jährigen um den Haupttäter, sagte einer der Ermittler in der südfranzösischen Metropole der Nachrichtenagentur AFP.

Am Vorabend hatte ein Richter Untersuchungshaft für vier der fünf zuvor in Gewahrsam genommenen Minderjährigen verfügt. Nach Angaben der Familie geht es der 26-Jährigen, die beim Anschlag am vergangenen Samstagabend lebensgefährliche Verbrennungen erlitten hatte, allmählich besser.

Die jüngste Festnahme erfolgte den Angaben zufolge im Morgengrauen in der Renaude-Siedlung im 13. Stadtbezirk von Marseille unweit der Stelle, an der der Bus der Linie 32 angegriffen worden war. Der 17-Jährige sollte frühestens am Samstagabend einem Haftrichter vorgeführt werden.

Am späten Donnerstagabend leitete die Justiz förmliche Ermittlungsverfahren gegen vier Jugendliche ein. Den 15 bis 17 Jahren jungen Beschuldigten wird vorsätzliche Brandstiftung vorgeworfen, die eine dauerhafte Behinderung oder Verstümmelung der Opfer nach sich zieht. Darauf stehen nach französischem Strafrecht bis zu 30 Jahre Haft.

Nach Angaben von Staatsanwalt Jacques Beaume räumten die bisher vier offiziell Beschuldigten "persönliche Taten im Zusammenhang mit dem Brand" ein: keiner von ihnen gab aber an, das Benzin im Bus verteilt und das Feuer gelegt zu haben. Beaume zufolge hatten mehrere Jugendliche am vergangenen Samstagnachmittag überlegt, die jüngsten Angriffe auf Busse in Pariser Vorstädten nachahmen. Einige von ihnen hätten sich dann entschlossen, am selben Abend zur Tat zu schreiten. Der fünfte Festgenommene wurde wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die bei dem Anschlag verletzte junge Frau, eine aus Senegal stammende Studentin, hatte 62-prozentige Verbrennungen erlitten. Nach Angaben der Behörden hatte sie am Donnerstag noch in Lebensgefahr. "Ihr Zustand entwickelt sich positiv", sagte ihr Cousin Ousmane Diagana am Freitag Journalisten in Marseille. Dabei berief sich Diagana auf Informationen der Krankenhausabteilung für schwer verletzte Brandopfer, welche die Frau betreut.

(apa/red)