Sechs Monate Frist für "Mitten im Achten":
Wolfgang Lorenz im großen NEWS-Interview

ORF-Programmchef: "MiA wird jetzt überarbeitet" Nach Folge 80 entscheidet sich Zukunft des Formats

Sechs Monate Frist für "Mitten im Achten":
Wolfgang Lorenz im großen NEWS-Interview

Mit dem schönen Wetter zu hadern ist eine Sache. Die Quoten der ORF-Reform sind eine andere. Das Herzstück der Reform, "Mitten im Achten", ist zwar Marktführer bei den Daily Soaps, die Seherzahlen sind dennoch klapperdürr. ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz verlangt für das Produkt im NEWS-Interview sechs Monate Galgenfrist. Und will die Reform nicht nur an einer Vorabendserie gemessen wissen.

NEWS: Wie geht's - bei der Reformdebatte?

Lorenz: Ich bin nicht nervös. Mir geht nur das Tamtam auf die Nerven. Ich hätte nicht gedacht, dass eine Unterhaltungsserie zur Staatsaffäre wird. Man hat den Eindruck, es gibt keine Regierung mehr und das Schicksal des Landes entscheidet sich "mitten im Achten". Finde ich eher hochgezüchtet.

NEWS: Sind Kritiker notorische Nörgler?

Lorenz: "MiA" mit der Reform gleichzusetzen ist unseriös. Wenn "MiA" vom Start weg Marktführer vergleichbarer Produkte ist und von der Werbung zugebucht wird, kann man nicht sagen, das wäre nichts.

NEWS: Aber die Resonanz ist miserabel.

Lorenz: Die des Publikums ist zur Kenntnis zu nehmen. Das ist unser Partner, nicht die Zeitungen. Sich zurückzulehnen und mit Durchhalteparolen zu belügen wäre unprofessionell, und daher wird "MiA" verbessert. Ab Folge 30 wird man das sehen.

NEWS: Was wird sich ändern?

Lorenz: Es ist in der Sprache verwildert, zu aggressiv. Es werden Grenzen zur Fäkalsprachlichkeit überschritten. "MiA" ist ein "work in progress". Kein Grund zur Depression, aber gerechtfertigte Kritik. Ich kann nicht sagen: "MiA" ist so, friss oder stirb!

NEWS: Hat man das nicht vorher getestet?

Lorenz: Es wurde getestet. 70 Prozent des Publikums haben gesagt: Gefällt uns, wollen wir täglich. So viel zu Tests ...

NEWS: Abgesehen von der Sprache ist es hölzern gespielt.

Lorenz: Ich würde Ihnen empfehlen, "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" anzuschauen. Wenn jemand meint, "MiA" würde schlechter gespielt, würde ich das glatt leugnen.

NEWS: Man muss die Latte nicht so tieflegen.

Lorenz: Das war bisher Markführer, also misst man sich daran. Ich will bei den 12-bis 49-Jährigen die 200.000-Zuseher-Marke überschreiten. Wenn das gelungen ist, sagt man: Das greift. Die ersten sechs Monate geht es allen frischen Serien nicht gut. Daher: Nicht nervös, aber selbstkritisch sein, ist der einzige Weg, der zu beschreiten ist.

NEWS: Heißt: Sechs Monate Gnadenfrist?

Lorenz: Vieles der Programmreform wurde vom Zuschauer noch gar nicht gesehen. Erfolg oder Misserfolg entscheidet sich erst im vierten Quartal, wenn nach dem Sommer gesellschaftlicher Regelbetrieb ist. Das umfangreiche neue Angebot muss ja familiär geordnet werden: etwa "MiA" oder die "ZiB"-Tradition aus dem elektronischen Hausaltar.

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