Sechs Kandidaten für ORF-Generaldirektor-Posten: Wrabetz tritt gegen Lindner an

Auch Brandstätter und Klausnitzer unter Kandidaten Wahl des neuen ORF-Chefs erfolgt am 17. August

Sechs Kandidaten für ORF-Generaldirektor-Posten: Wrabetz tritt gegen Lindner an

Sechs Kandidaten treten zur Wahl um den Posten des ORF-Generaldirektors an. Der Kaufmännische Direktor Alexander Wrabetz, der frühere n-tv-Chef Helmut Brandstätter und der ehemalige News-Geschäftsführer Rudolf Klausnitzer stießen nachträglich zum Kandidatenkreis.

Brandstätter und Klausnitzer wurden jeweils vom VP-nahen Tiroler Stiftungsrat Andreas Braun und dem unabhängigen Caritas-Präsidenten Franz Küberl nominiert. Für Wrabetz sprachen sich ebenfalls dieses Duo, der Grüne Pius Strobl, SPÖ-Mann Karl Krammer, FPÖ-Vertreter Peter Fichtenbauer und auch die BZÖ-nahe Anwältin Huberta Gheneff-Fürst aus.

Für das Hearing vor der Generaldirektoren-Wahl am 17. August wurden damit von den Stiftungsräten insgesamt sechs Personen vorgeschlagen: die drei neuen Anwärter sowie Generaldirektorin Monika Lindner, der bürgerliche Kandidat Wolfgang Lorenz sowie die ehemalige ÖIAG-Managerin Viktoria Kickinger.

Wrabetz hatte kurz zuvor sein Antreten angekündigt und wird von einer "Regenbogenkoalition" gegen die dominierende ÖVP unterstützt. Damit deutet alles auf einen Zweikampf zwischen der bürgerlichen ORF-Chefin Monika Lindner, die sich der Wiederwahl stellt, und dem SP-nahen Wrabetz hin. Die weiteren Kandidaten haben wohl nur Außenseiterchancen.

Die ÖVP kann in dem nach parteipolitischen Machtverhältnissen besetzten Aufsichtsgremium auf 15 ihr nahe stehende Vertreter zählen, das BZÖ auf fünf, die SPÖ auf 11, Grüne und FPÖ haben je einen Vertreter, komplettiert wird die Runde durch zwei unabhängige Stiftungsräte. Für die Wahl zum ORF-Chef braucht es zumindest 18 Stimmen.

"Erneuerung" des ORF
Eine "tief greifende Erneuerung in allen Bereichen" fordert der Kaufmännische ORF-Direktor Alexander Wrabetz im Fall seiner Wahl zum ORF-Generaldirektor. "Wir müssen fast alles neu machen, jedenfalls fast alles neu im Programm", so Wrabetz bei einem Pressegespräch in Wien. Für Anfang 2007 plant der Kandidat in seinem Strategiekonzept denn auch eine umfassende Programmreform im ORF-Fernsehen. "Fast alle Sendungen" wären davon betroffen.

Wrabetz will auch das "Vertrauen in die Unabhängigkeit und Objektivität des ORF" wiederherstellen. Die Fernseh-Information, die zuletzt um ORF-Chefredakteur Werner Mück wiederholt in der Kritik stand, würde unter seiner Führung eine "neue Struktur" erhalten. Dies sei eine "Bedingung" an einen neuen Informationsdirektor. Zuletzt sei hier eine "Schieflage" entstanden, die das gesamte Unternehmen ins Gerede gebracht habe. Es sei eine der Hauptaufgaben diese wichtige Säule des ORF wieder ins Lot zu bringen. Für den umstrittenen Chefredakteur Mück sei in seinem Direktoren-Team kein Platz vorgesehen, ließ Wrabetz durchklingen. "Aus meinen Ausführungen geht hervor, dass auf Basis der Vorkommnisse eine Beförderung von Mück nicht vorgesehen ist."

Von der zentralistischen Struktur mit einem zentralen Chefredakteur, der alle Redaktionen straff führt, will Wrabetz demnach abgehen. "Das halte ich nicht für sinnvoll." Die Redaktionen von "Zeit im Bild 1" und "Zeit im Bild 2" sollten wieder selbstständiger agieren, und auch für ein neues Info-Format auf ORF 1 sehe er eine "eigene Struktur und Verantwortung" vor. Auf ORF 1 müsste eine "eigene Informationswelt" für die jungen Seher entwickelt werden - "eine große eigenständige Informationssendung", der Newsflash allein sei zu wenig. Ob damit die Durchschaltung der "Zeit im Bild 1" auf beiden ORF-Kanälen fallen würde, will der Kandidat mit den Programmmachern diskutieren. Aber: "Die Zeitzone 19:30 bis 20:15 muss auf beiden Kanälen komplett neu gestaltet werden."

(apa/red)