Sebastian Vettel ist der neue Weltmeister:
Deutscher weist Alonso in die Schranken

14. November: Sieg in Abu Dhabi. Alonso Siebenter 23-Jähriger ist jüngster Champion der Geschichte

Sebastian Vettel ist der neue Weltmeister:
Deutscher weist Alonso in die Schranken © Bild: APA/EPA/Haider

Sebastian Vettel ist der jüngste Formel-1-Weltmeister der Geschichte. In einem Herzschlagfinale in Abu Dhabi schnappte sich der 23-jährige Deutsche mit seinem fünften Saisonsieg seinen ersten WM-Titel - dabei hatte Vettel nie zuvor in seiner Karriere die WM angeführt. Das österreichisch-englische Team Red Bull sicherte sich damit nach der Konstrukteurs-WM erstmals auch die Fahrerkrone.

Vettel war der schnellste Mann dieser Saison. Das beweisen alleine die zehn Pole Positions, die er in 19 Rennen eingefahren hat. Nicht einmal technische Gebrechen - darunter zuletzt ein Motorschaden in Südkorea - vermochten Vettel aufzuhalten, weil der bisherige WM-Leader Fernando Alonso in Abu Dhabi wegen missglückter Boxenstrategie nicht über Platz sieben hinauskam. Der Spanier hätte bei einem Vettel-Sieg zumindest Platz vier für seinen dritten Titel benötigt. Am Ende fehlten ihm vier Punkte.

Mit 23 Jahren und 134 Tagen löste Vettel den Briten Lewis Hamilton als jüngsten Titelträger ab. Der Jungstar ist erst der zweite deutsche Weltmeister nach Rekordchampion Michael Schumacher, den er neben Ayrton Senna einst als sein großes Vorbild bezeichnet hatte. "Seit ich ein kleines Kind war, schaue ich Formel 1. Jetzt mit diesen beiden in einer Liste zu stehen ..." Dafür fehlten selbst dem sonst so redegewandten Vettel die Worte.

Heulend über die Ziellinie
Auf dem Boxenfunk weinte der neue Weltmeister vor Glück. "Es war eine schwierige Saison, wir haben einige Probleme gehabt", gestand Vettel. "Trotzdem noch einmal zurückzukommen, ist eine unglaubliche Sache. Denn mein klares Ziel war es vor dieser Saison, Weltmeister zu werden. Es war sicher nicht immer einfach." Das Podest komplettierten die McLaren-Piloten Hamilton und der entthronte Titelverteidiger Jenson Button, der Alonso am Start überholt hatte.

Die entscheidenden Plätze hatte der Ferrari-Star aber durch Boxenstopps von Nico Rosberg und Witali Petrow in einer frühen Safety-Car-Phase verloren, nachdem Schumacher und Vitantonio Liuzzi kurz nach dem Start spektakulär kollidiert waren. An Petrow kam Alonso nicht und nicht vorbei, an der Box musste er auch noch Robert Kubica im zweiten Renault - die Franzosen fungieren ironischerweise auch als Motorenlieferant von Red Bull - passieren lassen.

"Kein leichter Tag" für Webber
Der Weltmeister von 2005 und 2006 musste sich damit zum zweiten Mal nach 2007 in einem Finale geschlagen geben. "Es war alles fair und sauber. So ist der Motorsport", sagte Alonso. Auch Mark Webber war enttäuscht. Der Australier war mit größeren Titelchancen als Vettel ins Wochenende gegangen, kam aber nicht über Platz acht hinaus. "Das ist kein leichter Tag für mich", gestand der 34-Jährige. "Aber ich werde mir nicht den Hals durchschneiden."

Webber wurde knapp vor Hamilton WM-Dritter, Red Bull aber realisierte vor den Augen von Firmenchef Dietrich Mateschitz das große Double. In der Vorwoche hatte das 2005 vom österreichischen Getränkekonzern übernommene Team bereits die Konstrukteurs-WM geholt. "Es ist ganz einfach wirklich gewaltig gewesen", erklärte Mateschitz. "Sebastian ist unglaublich." Vettel bedankte sich artig: "Red Bull verleiht mir Flügel. Sie verleihen mir immer noch Flügel."

Ende einer "unglaublichen Reise"
Der Deutsche kommt aus dem eigenen Nachwuchsprogramm, ist seit elf Jahren mit dem Konzern verbunden. "Das macht uns extrem stolz. Er ist der Jüngste, kommt aus dem eigenen Nachwuchsprogramm. Es ist perfekt", sagte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko, der Vettel dann auch zur Siegerehrung begleiten durfte. Neun von 19 Saisonrennen haben die Bullen gewonnen, Vettel stand alleine zehnmal auf Pole Position. Der zehnte Grand-Prix-Sieg seiner Karriere war aber mit Abstand der wichtigste. "Das ist das Größte", sagte Vettel. "Diese Saison war eine unglaubliche Reise."

(apa/red)