"Baby auf der Überholspur" von

Sebastian Kurz, der "liebenswürdige Schlingel"

Neue Biografie beleuchtet auch Kindheit des Altkanzlers: Frühentwickelter, aber "nie eine Rampensau"

ÖVP-Obmann Sebastian Kurz © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Heute erscheint eine neue, die offizielle und autorisierte, Biografie über Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz. Vorab sorgte das Buch von Autorin Judith Grohmann für viel Spott und Häme wegen der Schreibweise, die eher an Schundromane erinnert. Betroffen ist davon der Prolog aber auch das Kapitel über Kurz‘ Kindheit. Doch was steht eigentlich drinnen? Was für ein Kind war der ÖVP-Chef? Plus: Das sagt Kurz zur verspotteten Biografie.

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Judith Grohmann beginnt ihre Erzählung über Sebastian Kurz – nach dem für Aufregung sorgenden Prolog („Diese dunkel¬braunen Haare, die streng nach hinten gekämmt waren, und die klei¬ne, spitze Nase, die aus seinem Gesicht hervorlachte. Der Mann, der hier lässig an der Türe lehnte, war fast einen Meter neunzig groß und von merklich dünner Statur.“) – ganz am Anfang. Nämlich mit der Geburt des späteren Kanzlers sowie ÖVP-Chefs. Er sei „irrsinnig süß“ gewesen, erzählt Elisabeth Kurz, die Mutter, der Autorin, die Zugang zur Familie für ihre Recherchen erhielt.

»Er stellte damit viele andere Kinder in den Schatten«

Das Überholspur-Baby

Außerdem sei Sebastian Kurz ein „zartes Baby“ gewesen, dass außerdem „schnell da“ gewesen sei. Und auch sonst soll der künftige Politiker bei allem eher „schnell“ gewesen sein, „ein Baby auf der Überholspur“, wie Grohmann schreibt. Denn „Sebastian Kurz war in seiner Entwicklung anderen Kindern um Längen voraus.“ Warum? Er habe schon mit zehn Monaten Gehen gelernt (im Gegensatz zu den meisten Babys, so die Autorin, die dies erst mit 12 bis 18 Monaten lernen würden). „Aber damit nicht genug“, denn bereits mit einem Jahr soll er die ersten kompletten Sätze gesprochen haben „und stellte damit viele andere Kinder in den Schatten.“ Dies sei „vor allem für einen Buben“ bemerkenswert.

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Geschichten-Liebhaber

Als Kleinstkind sei Kurz zudem ein „guter Zuhörer“ gewesen. Warum? Weil er „regelrecht fasziniert“ gewesen sei, wenn ihm seine Eltern vor dem Schlafengehen Geschichten erzählt haben. Hat Papa Kurz Seiten in einem Buch übersprungen, habe Klein-Sebastian diese sofort reklamiert, wird erzählt.

Kein Techniker

Im Kindergarten besuchte Kurz dann einen Privatkindergarten in seinem Heimatbezirk Meidling, den „Gatterhölzl-Kindergarten“ mit einem schönen Garten. In dieser Zeit habe der Vater immer wieder versucht, seinen Sohn von der Technik zu überzeugen – aber ohne Erfolg. Lego-Bausteine musste Josef Kurz nach Anleitungen seines Sohnes selbst bauen.

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In der Schule lernte Kurz dann Klavier spielen, machte Judo und spielte Tennis. Überhaupt sei der spätere Kanzler Österreichs kein „schwieriges Kind“ gewesen, weswegen die Eltern auch keine Strenge an den Tag legten. Sebastian Kurz, so seine Mutter, sei ein „liebenswürdiger Schlingel“ gewesen.

Kurz, der "Streber"?

Nach der Volksschule besuchte Kurz das Gymnasium Erlgasse, ebenfalls in Wien-Meidling. Einige seiner Lehrer wurden auch für das Buch befragt und so sagt etwa Kurz‘ Geschichte-Lehrer, dass der künftige Politiker schon immer gut reden habe können und ihn nichts erschüttern habe können. Außerdem habe Kurz „fast ständig aufgezeigt“ im Unterricht, denn „er war einfach gescheit.“

Klassensprecher, aber "nie eine Rampensau"

Eine andere Lehrerin, im Fach Biologie und Physik will schon früh einen „besonderen Ehrgeiz“ bemerkt haben. Zeitweise sei er auch Klassensprecher gewesen. Dabei sei er „nie eine Rampensau“ gewesen, sondern ein „ruhiger, zielbewusster, ehrlicher Mensch mit Rückgrat“, streut ihm auch sein Chemie- und Pyhsiklehrer weitere Rosen. „Eine Eigenschaft, die man später bei ihm auch in der Politik finden wird“, scheint die Autorin über ihren Protagonisten ebenfalls sichtlich begeistert zu sein.

Politisches Engagement in der Schule bekannt

Während der Zeit im Gymnasium suchte Kurz bereits Kontakt zur Volkspartei, wie seine Deutschlehrerin auch schon damals gehört haben will, doch sah man das in der Schule als sein „privates Ding“ an. Neben seinem politischen Engagement nahm Kurz in seiner Schulzeit auch an Theater- und Hörspielen teil, allerdings „mehr im Hintergrund.“

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Im Anzug in die Schule

Berichtet wird zudem noch von einem Schulprojekt einer Übungsfirma, wo sich Kurz als Marketingleiter engagiert habe und zur Präsentation im Anzug in der Schule erschien. Mit seinen rhetorischen Fähigkeiten soll der damals schon „alle Mitschüler in seinen Bann gezogen“ haben sowie auch die Lehrer.

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Begeisterte Autorin

Dass die Autorin eine Anhängerin des türkisen Parteichefs zu sein scheint, bleibt dem Leser in diesen ersten Seiten nicht verborgen. So seien durch seine Teilnahme an theaterspielen „in gewisser Weise schon in der Schule seine künstlerischen und kreativen Fähigkeiten gefördert“ worden oder beim Judo-Unterricht sein „respektvoller Umgang mit seinen Kontrahenten und Mitstreitern“ sowie beim Klavier-Unterricht sein „Durchhaltevermögen“. Kritischere Aussagen von LehrerInnen, MitschülerInnen oder sonstigen WegbegleiterInnen kommen in der heute erscheinenden Biografie übrigens nicht vor.

Das sagt Kurz zur Bio

Zur doch eher belächelten Biografie wurde Sebastian Kurz selbst vom Nachrichtenmagazin "Profil" anlässlich eines Wahlgesprächs befragt. Er habe schon schlimmeres über sich gelesen, meinte der ÖVP-Obmann zur Frage, ob ihm dieses Buch peinlich sei. Er habe es aber weder in Auftrag gegeben, noch gelesen. Ein Pressereferent der ÖVP habe die falschen Fakten korrigiert und das sei es gewesen. Selbst habe Kurz mit Autorin Grohmann nur zweimal gesprochen, einmal als Außenminister in einem 30-minütigem Interview und einmal in diesem Sommer, weil es hieß, sie würde ein Buch über ihn schreiben. Ob er tatsächlich mit zehn Monaten gehen konnte, wisse er natürlich nicht mehr - ebenso wenig wie sein Pressereferent. Auf die Frage, warum das Buch mit der Bezeichnung "autorisiert" erschien, ging Kurz nicht ein.

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