SDP-Chef Milanovic bei Sieg kein Premier: Wäre laut interner Abmachung Ljubo Jurcic

Gilt wegen Reformdenken als 'Kroatiens Tony Blair' Wurde anfangs vom Konkurrenten Sanader angestellt

SDP-Chef Milanovic bei Sieg kein Premier: Wäre laut interner Abmachung Ljubo Jurcic

Zoran Milanovic ist seit Juni Kroatiens Oppositionschef. Selbst bei einem Sieg seiner Sozialdemokraten (SDP) bei den Parlamentswahlen der 41-Jährige Jurist und Diplomat aber aller Voraussicht nach nicht Premier werden. Laut einer parteiinternen Abmachung ist dieser Posten - im Falle des Falles - für den früheren Wirtschaftsminister Ljubo Jurcic vorgesehen.

Dabei gilt Milanovic als international erfahrener Mann, der auch in der Bevölkerung bereits Pluspunkte gesammelt hat. Als Diplomat im kroatischen Außenministerium weilte er drei Jahre in Brüssel und gilt als Spezialist in EU- und NATO-Fragen. Journalisten gaben ihm den Spitznamen "Kroatiens Tony Blair", weil er sie an die reformorientierten Anfänge des britischen Premierministers erinnert.

Als wichtigste Ziele der SDP nannte Milanovic gegenüber der APA "die moralische Renovierung" der kroatischen Politik. "Wir sind befleckt durch Skandale und schlechtes Image. Da müssen die Politiker zur Verantwortung gezogen werden. Wir müssen glaubhaft gegen Korruption kämpfen und unsere Wirtschaftsprobleme lösen. Wir wollen Dienstleistungen fördern und auf regionaler Ebene die Industrie revitalisieren. Darum hat sich die aktuelle Regierung nicht gekümmert. Dabei war Kroatien immer ein Land mit einem recht hohen Industrie- und Technologie-Niveau. Österreich ist da ein Vorbild. So wie dieses Land dasteht, das kommt nicht von ungefähr. Um das zu erreichen, muss man aber einen Plan haben."

Neun Jahre im Außenministerium
Den großen Konkurrenten der SDP im Wahlkampf, den aktuellen Regierungschef Ivo Sanader (Kroatische Demokratische Gemeinschaft/HDZ) kennt Milanovic aber sehr genau: Pikanterweise war es im Jahr 1993 ausgerechnet Sanader gewesen, der den damals 26-Jährigen Milanovic in den auswärtigen Dienst Kroatiens aufnahm. Sanader war damals stellvertretender Außenminister.

Seine bisherige internationale Karriere und seine Fremdsprachenkenntnisse (Englisch, Französisch, Russisch) unterscheiden ihn von seinem "politischen Ziehvater", dem im April verstorbenen Ex-Premier Ivica Racan, der das Amt des SDP-Vorsitzenden knapp vor seinem Tod nach 17 Jahren zurückgelegt hatte. Racan - Regierungschef von 2000 bis 2003 - hatte trotz seiner Verdienste um die Europa-Orientierung Kroatiens das Image eines in den Strukturen seiner Heimat verhafteten Postkommunisten nie wirklich ablegen können. Milanovic war 2004 nach neun Jahren im Außenministerium aus dem diplomatischen Dienst ausgeschieden. Racan bot ihm damals einen Posten im Exekutivausschuss der SDP an.

Keine Angst vor unpopulären Äußerungen
Milanovic schreckt auch nicht davor zurück, Ansichten zu äußern, die in manchen Kreisen Kroatiens wenig populär sind: Er ziehe den früheren jugoslawischen Staatschef Josip Broz Tito dem ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman vor, erklärte er. Gewiss habe Tito diktatorisch und autokratisch regiert, doch habe er auch die Völker mehrerer Nationalitäten im Kampf gegen den Faschismus vereint.

Andererseits besuchte er das Grab von Tudjman. Das brachte ihm wiederum Kritik von anderer Seite ein. Tudjman sei der erste Präsident Kroatiens gewesen, rechtfertigte Milanovic den Gang zum Friedhof: "Nicht nach meinem Geschmack, aber er war kein Kriegsverbrecher. Einmal im Jahr sein Grab zu besuchen, ist für einen zivilisierten Menschen einfach ein Stück Anstand."

"Wir wollen Mauern niederreißen"
Dennoch stellte Milanovic klar: "Wo ist die Linie zwischen links und rechts? Ich weiß, was links ist, was Antifaschismus ist. Das sind meine Wurzeln und die Linie der Partei. Ich werde daran nicht rütteln. Was ich aber will, ist ein Dialog. Wir wollen gewisse Mauern in der kroatischen Gesellschaft nicht niederreißen, weil wir keine Partei der Zerstörung sind. Wir wollen sie aber korrekt beseitigen."

Mit seiner Ankündigung, das Wahlrecht für Auslandskroaten ändern zu wollen, gab er der HDZ gehörig Wahlkampfmunition. Das UNO-Tribunal in Den Haag hält Milanovic grundsätzlich für eine gute Einrichtung, weil ohne sie zahlreiche Kriegsverbrecher noch in Freiheit wären. Nachsatz: Leider sei das Tribunal durch politische Einflüsse mitunter diskreditiert worden.

Zoran Milanovic ist mit der auf Dermatologie spezialisierten Ärztin Sanja Music-Milanovic verheiratet. Das Paar hat zwei kleine Kinder: Ante Jakov und Marko.

(apa/red)