Scientology von

Etappensieg gegen Sekte

Ex-Scientologe Handl veröffentlichte geleakte E-Mails. Prozess endet mit Vergleich.

Ex-Scientology-Chef von Österreich, Wilfried Handl © Bild: NEWS.AT

Der Zivilprozess von Scientolgy gegen den Aussteiger und nunmehrigen Kritiker Wilfried Handl hat mit einem Vergleich geendet: Handl hatte in seinem Blog interne E-Mails veröffentlicht, die zuvor von der Hacker-Organisation "Anonymous" veröffentlicht worden waren. Handl dürfe weiterhin kritisch berichten und die E-Mails verwenden, berichtete dessen Anwalt. Die Prozesskosten müsse indes Scientology übernehmen.

Scientology hatte bereits zuvor versucht, die Veröffentlichungen der E-Mails zu verhindern, indem sie auf Unterlassung klagten. Eine gleichzeitig eingereichte sofortige Verfügung wurde jedoch in zwei Instanzen abgelehnt. Auch Erhebungen der Staatsanwaltschaft Wien nach einer Anzeige gegen den Kritiker wurden bereits im vergangenen Jahr eingestellt.

"Ein Kritiker konnte nicht mundtot gemacht werden", fasste Rechtsanwalt Johannes Öhlböck, der den Mann vertreten hatte, das Ergebnis des Prozesses vom Donnerstag zusammen. Auch die Prozesskosten müsse die Kirche zur Gänze übernehmen. Die Akte sei somit vollständig geschlossen.

Der Kritiker selbst dürfe, so der Anwalt, weiter kritisch Bloggen und auch die von "Anonymous" geleakten E-Mails veröffentlichen. Sein Mandant habe sich aber freiwillig dazu bereit erklärt, die darin vorkommenden Namen vollständig zu schwärzen.

Scientology zufrieden

Auch Scientology Österreich kann dem zivilrechtlichen Vergleich mit einem Aussteiger und nunmehrigen Kritiker Positives abgewinnen. "Für die Zukunft ist dadurch die Wahrung der religiösen Privatsphäre unserer Mitglieder wieder hergestellt", meinte die Pressesprecherin der Kirche am Donnerstag in einer Aussendung.

Die Richterin habe im Zuge der Verhandlung zudem bekannt gegeben, dass laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft die strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Kritiker fortgesetzt und entsprechende kriminaltechnische Untersuchungen angeordnet worden seien. Laut dem Anwalt des Aussteigers sei dies aber nur geschehen, um technisch zu prüfen, wer für den Leak der Scientology-E-Mails verantwortlich ist. Sein Mandat "befürchtet keine weiteren Ergebnisse des Strafverfahrens, zumal er mit dem Leaken der Mails nichts zu tun hat".

Von der Staatsanwaltschaft selbst gab es vorerst keine Bestätigung.

Handls Etappensieg

Im Juni 2012 hat die Hackergruppe AnonAustria einen großen Teil des Mailverkehrs von Scientology Österreich veröffentlicht. Auszüge dieser Mails hat Handl auf seinem Blog kommentiert. Scientology hat daraufhin Klage eingereicht und forderte eine Strafe von 10.000 Euro pro Mail (insgesamt 31.000 Euro Streitwert).

Im Juli 2012 hat Handl bereits einen ersten Sieg gegen Scientology errungen: Der Antrag auf Erlassung einer Einstweiligen Verfügung in Bezug auf die weitere Veröffentlichung von E-Mails wurde vom Oberlandesgericht Wien in zweiter Instanz abgewiesen.

Vom Leiter zum Kritiker

Wilfried Handl wurde 1974 Mitglied von Scientology und leitete die Scientology Kirche Österreich rund ein Jahr lang. 2002 ist er aus der umstrittenen Organisation ausgestiegen und seitdem einer der schärfsten Kritiker der Sekte. Im NEWS.AT-Interview aus dem Jahr 2012 sagte Handl über die Sekte: "Laut dem Weltbild von Scientology sind 80 Prozent der Menschen gut, sie können noch zu Scientologen gemacht werden. Die restlichen 20 Prozent, dazu zählen auch Journalisten, sind böse und davon sind 2,5 Prozent ganz böse."

Weiterführender Link:

Blog von Wilfried Handl

Kommentare

RBoeck

De facto geht es darum, dass persönliche Mail auf illegale Art und Weise erst geklaut und dann verbreitet wurden! Das ist nicht tolerierbar - ganz egal, ob es um Scientology geht oder Heiners Würstchenbude!
Dass jedoch einige hier eine Ausnahme machen, weil es ja "um Scientology" geht, zeigt mir ganz klar, dass hier die Objektivität flöten gegangen ist!Es wird mit zweierlei Maß gemessen!

derpradler

Sekten sind nur die Weiterentwicklung der Religionen. Lügen, Drohungen, Gewalt, das kennt man ja schon von den Christen und Moslems zur Genüge!

Urlauber2620

Für mich ist Scientology keine Kirche sondern eine maffiaähnliche Vereinigung die durch Verbreitung von Angst und Furcht die Mitglieder bei der Stange hält.

Destruktive Gruppen Erkennen

Gruppen die Gehorsam und Konformität verlangen erzeugen Angst, niemals Liebe und Wachstum.

Wir brauchen eine größere Aufmerksamkeit für das Thema Sekten.

www.destruktive-gruppen-erkennen.com

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