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Meidlinger tritt zurück

Schwimmverbands-Präsident wirft das Handtuch. Auch seine Frau steigt aus.

OSV-Präsident Christian Meidlinger © Bild: APA/Meidlinger

Der österreichische Schwimmsport kommt weiter nicht zur Ruhe. Während Jakub Maly am Sonntag in Barcelona als 16. über 400 m Lagen für seine dritte persönliche Bestzeit im Rahmen der Barcelona-WM und damit für einen schönen sportlichen OSV-Abschluss der Titelkämpfe gesorgt hat, wurde in der Heimat Christian Meidlingers Entschluss zum Rücktritt als OSV-Präsident bekannt. Der 49-Jährige war zuletzt oft speziell vom Olympia-Vierten Dinko Jukic hart kritisiert worden.

Der SP-Politiker meldete sich von einem Aufenthalt in Brasilien und gab als Grund für seinen Entschluss familiäre Gründe an. Das OSV-Präsidium tagt am Montag ab 17.00 Uhr in Wien, um u.a. eventuell schon einen interimistischen Nachfolger zu bestimmen.

Meidlinger war am späten Abend des 14. September 2012 am Tag nach dem ebenso von Jukic "mitverschuldeten" Rücktritt von Paul Schauer als Kandidat des OSV präsentiert worden, als Gegenkandidat des Wirtschaftsmannes David Ungar-Klein. Am 15. September wurde Meidlinger beim Verbandstag in Linz bei drei Enthaltungen mit 104 zu 32 Stimmen klar gewählt. Elf Tage später legte Meidlinger wie geplant seine Funktion als Präsident des Wiener Landesverbandes (WLSV) zurück.

Den seit Mai 2012 schwelenden OSV-Disput mit Jukic bekam Meidlinger fortan nicht in den Griff, er uferte vielmehr noch aus. Jukic ist aus Protest gegen den Verband seit dem Olympia-Semifinale am 2. August 2012 über 100 m Delfin außer an einem März-Wochenende bei einem Meeting in Trnava/SVK nicht mehr wettkampfmäßig geschwommen, auch aus Protest gegen den Verband.

Und das, obwohl seine vom Linzer Verbandstag bestätigte Sperre Ende November per Einstweiliger Verfügung und im März in erster Instanz aufgehoben wurde. Die Berufung des OSV in dieser Causa läuft zwar, der nationale Verband hat vor Gericht in den vergangenen Monaten aber einige weitere Niederlagen hinnehmen müssen. Die Kritik am OSV kam daher immer mehr auch von anderer Seite auf.

Jukic ohne Unterstützung
Jukic hatte den Verzicht auf ein WM-Antreten damit begründet, dass ihm der Verband jegliche staatliche Unterstützung gestrichen habe, er wolle dem OSV mit seinen Ergebnissen daher keine Fördermittel zukommen lassen. Dafür hat der 24-Jährige von seinem derzeitigen Aufenthaltsort in Übersee medial schwer geschossen, zu Wochenbeginn auch auf der Online-Plattform laola1.at.

In diesem Interview griff Jukic u.a. Meidlingers Ehefrau Karin Meidlinger an. Diese hatte in Barcelona eine WM-Akkreditierung als "Support Staff", wogegen Trainer von Athleten nicht akkreditiert worden waren. Christian Meidlinger legte daraufhin Jukic u.a. den Verbandsaustritt nahe. "All jenen, denen lediglich an der Befriedigung ihrer persönlicher Eitelkeiten gelegen ist, sollten dem OSV so rasch wie möglich den Rücken kehren", hieß es da am Mittwoch auszugsweise.

Meidlinger attackiert Jukic
Meidlinger deutete auch an, dass Jukic Probleme mit der NADA (Anm.: Nationale Anti-Doping-Agentur) haben solle. Es handelt sich dabei aber "nur" um einen - oft vorkommenden - erstmaligen Meldepflichtverstoß. Jukic dazu zur APA: "Sie haben bei mir am 25. April um 6 Uhr in der Früh an der Gegensprechanlage geläutet. Ich habe es nicht gehört. Ich war gerade erst aus den USA zurückgekommen und hatte Jetlag. Am 28. April habe ich dann eine weitere Kontrolle ganz normal gemacht."

Schon vergangenen Dienstag hatte sich Karin Meidlinger in ihrer Funktion als Leiterin der Sektion Schwimmen des Clubs ASV Wien auf der Homepage des Vereins auf zwei A4-Seiten gegen ihrer Meinung nach Rufschädigung, Lüge und Verleumdung gewehrt, Jukic scharf angegriffen und ihre WM-Akkreditierung als Notwendigkeit dargestellt. Sonst hätte sie sinngemäß nicht mit ihrem Mann essen, mit ihm im Bus fahren und nicht neben ihm auf der Zuschauertribüne sitzen können.

Frau Meidlinger fällt
Hinter vorgehaltener Hand sorgte das bei vielen namhaften Personen für Unverständnis und Kritik an der Funktionärin. Die zog am Sonntag wieder über die ASV-Wien-Homepage ihre Konsequenz und gab nach rund vierjähriger Tätigkeit den Rückzug von allen ihren Funktionen im Schwimmsport bekannt. "Täuschung, Verrat, Hintergehung, Verleumdung und Hass. Treffen einem diese Begriffe persönlich und in geballter Form - fehlt oftmals die Luft - um nochmals aufzustehen", führte Karin Meidlinger u.a. aus.

Christian Meidlinger war da schon nach Brasilien abgereist, von wo der SP-Politiker erst am 12. August zurückkehren wird. Wie APA-Informationen ergaben, hat er aber intern noch vor dem Abflug seinen Entschluss bekannt gegeben, sich von seinem Posten zurückzuziehen. Meidlinger war für die APA vorerst nicht zu erreichen. Ein Nachfolger könnte am 6. September beim außerordentlichen OSV-Verbandstag in Wien gewählt werden.

Erste Weichen dafür könnten am frühen Montagabend gestellt werden. "Wir treffen uns in Wien zu einer außerordentlichen Präsidiumssitzung", erfuhr die APA von Peter Putzgruber, steirischer Verbandpräsident und einer von drei OSV-Vizepräsidenten. OSV-Generalseketär Thomas Gangel bestätigte, dass die Sitzung stattfinden werde. Meidlingers Rücktritt bestätigten beide Funktionäre aber nicht.

Kommentare

Na ja, jetzt Jukic den schwarzen Peter zuzuschieben, ist sehr schwach. Beim Schwimmverband ist es seit Jahrzehnten üblich, dass viele Leute reisen, die eigentlich besser daheim geblieben wären. Vielleicht kann man im Zuge dieses Rücktritts einmal klare Linien schaffen, in jeder Beziehun. Teamwork ist schon gut, aber die Ehefrau mitnehmen???

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