Schwimm-WM: Rogan erreicht sein Limit -
US-Fabelzeiten sorgen für Kopfschütteln

Lochte ist auf der Kurzbahn eine Nummer zu groß Nächstes Duell bringt Wiedersehen bei Olympia '08

Am Tag nach dem Abschluss der Schwimm-Kurzbahn-WM in Shanghai hat es im österreichischen Lager Kopfschütteln über die sensationellen Leistungen von Ryan Lochte gegeben. Es war zwar nichts von Resignation zu spüren, doch mit einem Rezept, mit dessen Hilfe Markus Rogan den US-Amerikaner bald wieder in Schach halten wird, konnte Trainer Robert Michlmayr nicht aufwarten.

"Man muss klar sagen, dass Markus Lochtes Zeit nicht schwimmen kann", meinte der Coach. "Ich bin überzeugt, dass Markus in diesem Rennen hätte seine Bestzeit verbessern können, doch zu 1:49 nieder reicht das Potenzial nicht." Die Kurzbahn ist für Rogan ohnehin abgehakt, dieser Weltrekord damit verloren. Auf der nun prioritären Langbahn hat der Wiener gegen Lochte bessere Chancen. Michlmayr: "Markus ist der komplettere Schwimmer."

Das WM-Finale hat Rogan für Michlmayr schon nach der 125-m-Wende verloren gehabt. "Bis dahin ist er noch dran gewesen, aber bei der folgenden Tauchphase hat ihm Lochte einen Meter abgenommen. Von da an war klar, dass es sich nicht mehr ausgehen wird." Lochte holte damit sein drittes Gold, dazu kam ein Staffel-Silber und zwei -Bronze, drei Weltrekorde und das Durchbrechen zweier Schallmauern des Schwimmsports.

Das ist eine unwahrscheinliche Bilanz nach fünf Wettkampftagen, in denen der 21-Jährige acht Bewerbe bestritt. Und die beeindruckendsten Leistungen brachte er just am Schlusstag als Start-Schwimmer der Staffel über 100 m Rücken sowie über 200 m Rücken. Kurios, dass sich Lochte für das WM-Einzel-Rennen über 100 m Rücken in der US-Ausscheidung nicht qualifiziert hatte, ansonsten wäre wahrscheinlich noch eine Goldmedaille dazu gekommen.

Ausnahmeleistung von Lochte
Für seine Ausnahmeleistungen hat der junge Mann aus Florida eine ganz simple Erklärung: "Ich ging einfach raus und wollte nur Spaß haben. Außerdem hatte ich am vorletzten Tag keinen Bewerb, da konnte ich relaxen." Erst vor zwei Wochen hatte der nunmehrige Triple-Weltrekordler bei den NCAA-Championships in Atlanta mit drei Yards-Weltrekorden aufgezeigt und die Form dann gehalten, was nicht selbstverständlich ist.

"Ich bin so ein Programm schon einmal geschwommen und daher gewöhnt gewesen", fand er eine nicht ganz befriedigende Erklärung. Die auf Meter umgerechnete NCAA-Zeit über 200 m Rücken entspricht jedenfalls fast auf die Hundertstel der WM-Siegerzeit. Die Herausforderung Langbahn will der auf der Kurzbahn stärkere Lochte auf sich zukommen lassen: "Ich nehme diese Emotionen mit und schaue, was im Sommer passiert."

Wiedersehen bei Olympia 2008
Und nach der Langbahn-WM im März 2007 in Melbourne kommt Olympia 2008 als großer Showdown. "Dort werde ich so viele Bewerbe wie möglich schwimmen", lässt Lochte bereits wissen. Wenig Hoffnung also für Rogan, dass es in Peking kein Wiedersehen mit seinem Nachfolger als Weltrekordler gibt.

Für den Angriff auf den Langbahn-Weltrekord über 200 m Rücken von Aaron Peirsol wird die Budapest-EM zu früh kommen, fehlen Rogan darauf doch knapp zwei Sekunden. "Ein paar Zehntel werden wir mittlerweile wegtrainiert haben", schätzt Michlmayr. Es wird auch schwierig sein, Europameister zu werden. "Laszlo Cseh wird stark sein", hält Rogan viel vom Ungarn. Und Michlmayr warnt: "Arkadkij Wjatschin wird auch hoch einzuschätzen sein."

(apa/red)