Schwimm-WM in Melbourne: Österreichs Verband zieht durchaus positive Bilanz

Generalprobe für Olympia 2008 vielversprechend

Die Weltmeisterschaften in Melbourne sind für den Österreichischen Schwimm-Verband (OSV) nicht nur mit der fünften Medaille der Geschichte, sondern auch mit einigen weiteren positiven Erkenntnissen zu Ende gegangen. So hat in Dominik Koll erstmals auch ein Krauler zur Weltklasse aufgeschlossen. Die Bronzemedaille, die Markus Rogan über 200 m Rücken gewonnen hatte, sei zudem ein positiver Katalysator für die Bewerbung Wiens um die Kurzbahn-WM 2012, betonte OSV-Präsident Paul Schauer.

Die WM diente als weltweite Generalprobe für Olympia 2008 in Peking. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich neben den inzwischen arrivierten OSV-Athleten Rogan, Mirna Jukic und Fabienne Nadarajah auch einige neue Gesichter für Olympia qualifizieren. Koll erzielte in Melbourne drei österreichische Rekorde, schwamm über 200 m Kraul zudem nur 0,03 Sekunden am Finale vorbei. "Das war eine unglaubliche Leistung", meinte Schauer.

Abgesehen von Rogan (2) bestritt aber nur Nadarajah als Sechste über 50 m Delfin einen Endlauf. 2005 in Montreal hatte neben Rogan auch Jukic eine WM-Medaille geholt. In Australien gab die 20-Jährige mit den Plätzen zehn und zwölf ein gelungenes Comeback, nachdem sie krankheitsbedingt eine ganze Saison versäumt hatte. Ihr 18-Jähriger Bruder Dinko Jukic erzielte in Melbourne drei persönliche Bestzeiten und hat ebenso Olympia im Visier wie Birgit Koschischek.

"Einige unserer jungen Athleten haben sich beachtlich geschlagen, darauf können wir weiter aufbauen", meinte Schauer. Zuversicht gebe ihm vor allem, dass die heimischen Vereine immer mehr jugendlichen Zuwachs bekommen. "Wir können mit dieser WM zufrieden sein. Wir haben die Zielsetzung in Richtung Peking im Griff", versicherte Schauer. Wegen der Qualifikationskriterien werden mit dem Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC) laufend Gespräche geführt.

Der Druck, Edelmetall zu holen, war in Melbourne aber trotz des größten OSV-Aufgebots der Geschichte alleine auf Rogans Schultern gelegen. Der Wiener, der seit Jänner in Italien trainiert und im Moment auch der einzige Österreicher mit echter Medaillenperspektive für Peking ist, hielt dem zwar Stand, äußerte sich aber nicht unkritisch über das dezentrale österreichische Ausbildungssystem mit mehreren verschiedenen Leistungszentren. "Wenigstens werden wir uns nie auf einem falschen Weg verirren", erklärte Rogan. "Weil wir keinen gemeinsamen Weg gehen."

In Österreich koche jedes Zentrum sein eigenes Süppchen - mit unterschiedlichem Erfolg. "Daher wird es immer wieder nur Ausreißer geben, die es ganz an die Spitze schaffen", meinte Rogan, der für vier der insgesamt zehn neuen österreichischen Rekorde bei der WM verantwortlich zeichnete. Als zukunftsweisendes Projekt erwies sich die wieder ins Leben gerufene 4 x 200 m Kraul-Staffel. "Da haben wir echte Chancen", meinte Rogan, der für Olympia auch einen Staffel-Start erwägt. "Die Quali sollte kein Problem werden."

(apa/red)