Schwierige Suche nach Täter und Motiv: Aufregung um Bombenfunde in Deutschland

Terror? Ermittler legen sich noch nicht auf Motiv fest Sprengsätze in Dortmund und Koblenz gefunden

Zwei Tage nach den Bombenfunden in den deutschen Städten Koblenz und Dortmund haben die Ermittler bei der Suche nach Tätern und Motiven wenig in der Hand. Die Koffer seien ähnlich, der Inhalt der Gepäckstücke sei vergleichbar und beide seien jeweils in Regionalzügen gefunden worden, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Mittwoch mit.

Beide Gepäckstücke hätten eine Propan-Gasflasche, mit Benzin gefüllte Flaschen, Zündvorrichtungen und Batterien enthalten. Zu Täter, Motiv und Ziel der Bomben gibt es nach offiziellen Angaben aber keine Erkenntnisse. Zwar ermittelt die Karlsruher Behörde wegen Terrorverdachts, hat aber dazu bisher keine konkreten Anhaltspunkte.

Am frühen Mittwochmorgen begannen Fahnder im Regionalexpress zwischen Aachen und Dortmund mit der Suche nach Zeugen, die Verdächtige mit dem Koffer gesehen haben könnten. Einzige Hilfsmittel sind Fotos des Koffers und der Gasflasche. Die Ermittlungskommission erhofft sich Hinweise von Fahrgästen, die am Montag zwischen 4.40 und 14.40 Uhr den Zug genutzt hatten. "Wir hoffen, dass sich vielleicht doch jemand an die Person erinnern kann, die den Koffer im Zug abgestellt hat", sagt Kommissarin Silke Hallemeyer.

Verwertbare Erkenntnisse erhoffen sich die Fahnder auch von einer Hotline, die bei der Polizei in Dortmund eingerichtet wurde. Am Mittwochmorgen waren dort allerdings erst neun Anrufe eingegangen. Am Nachmittag dann durfte auf Anweisung der Bundesanwaltschaft dann keine Auskunft erteilt werden - weder zur Anzahl noch zur Verwertbarkeit der Informationen.

Verstärkte Kontrollen in Bahnhöfen und Zügen
Die Bundespolizei hat ihre Streifen in Bahnhöfen und Zügen verstärkt. "Dabei ermuntern wir die Bürger, auf Gepäckstücke der Mitreisenden zu achten", sagte der Sprecher der Bundespolizei Essen, Jürgen Karlisch, am Mittwoch. "So ist es für die Zugbegleiter einfacher, ein Gepäckstück zuzuordnen, wenn ein Reisender nur mal auf der Toilette ist."

Beide Sprengsätze waren am Montag aufgetaucht. Ein Koffer wurde in einem Regionalzug zwischen Aachen und Hamm gefunden und in der Fundstelle des Dortmunder Hauptbahnhofs abgegeben. Das zweite, erst am Dienstag im Bahnhof von Koblenz in Rheinland-Pfalz geöffnete Gepäckstück hatten Unbekannte im Regionalexpress zwischen Mönchengladbach und Koblenz abgestellt.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen unbekannt wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Unklar ist nach wie vor, ob mit den Bomben ein Terroranschlag oder eine Erpressung der Bahn geplant war.

Ungeklärt war auch am Mittwoch noch, ob es sich um scharfe Sprengsätze gehandelt hat. Die Vorrichtung in dem Dortmunder Koffer sei irgendwie zusammengesetzt gewesen, aber ob sie funktioniert hätte, sei offen, sagte der Sprecher. Erschwert werde die kriminaltechnische Untersuchung dadurch, dass die Konstruktion bei der Entschärfung beschädigt worden sei.

Der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Ullrich Schultheis, machte deutlich, dass der Anfangsverdacht auf einen terroristischen Hintergrund der Vorfälle nach wie vor nur auf der auffälligen "Parallelität" der beiden Funde beruhe. Weitere Erkenntnisse in diese Richtung gebe es bisher nicht. Nach den gesetzlichen Zuständigkeitsregelungen müsste die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen voraussichtlich an die örtlichen Staatsanwaltschaften abgeben, sollte sich die Version eines Erpressungsversuchs erhärten.

Die Deutsche Bahn rief ihre Mitarbeiter zu erhöhter Wachsamkeit auf. Ein Bahnsprecher erinnerte daran, dass nach dem versuchten Anschlag im Dresdner Hauptbahnhof 2003 eine Vielzahl von unbeaufsichtigten Koffern gemeldet wurde. Als Folge mussten mehrmals Bahnhöfe gesperrt werden.

(apa/red)