Schwerwiegendes Erbe der US-Wirtschaft:
Bush hinterlässt Vielzahl von Problemen

Wirtschaftliche Eckdaten markieren deutlich Tiefpunkt Konjunktur und Arbeitsmarkt als Herausforderungen

Schwerwiegendes Erbe der US-Wirtschaft:
Bush hinterlässt Vielzahl von Problemen © Bild: APA/EPA/Chip Somodevilla

Die größte Volkswirtschaft der Welt steckt zum Amtsantritt des neuen Präsidenten in einer tiefen Krise: George W. Bush hinterlässt Barack Obama ein schweres Erbe. Die wirtschaftlichen Eckdaten der USA markieren einen Tiefpunkt, und die Lage könnte sich noch verschlimmern, warnte Obama bereits. Die Arbeitslosenrate lag mit 7,2 Prozent im Dezember 2008 am höchsten Stand seit 16 Jahren, offiziell gibt es 11,1 Millionen Arbeitslose. Die "Gesamtarbeitslosenrate" liegt mit 13,5 Prozent aber fast doppelt so hoch: Hier werden auch Teilzeitkräfte, die eigentlich lieber Vollzeit arbeiten wollen, sowie Arbeitslose, die die Arbeitssuche schon aufgegeben haben, einbezogen.

Die Industrieproduktion der USA sank im Jahr 2008 um 1,8 Prozent. Im Jahr davor war sie noch um 1,7 Prozent gewachsen. Die Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten ist im dritten Quartal 2008 um 0,5 Prozent im Jahresvergleich geschrumpft. Für das Jahr 2009 sagt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner Prognose vom November einen Rückgang um 0,7 Prozent voraus, in den jüngsten Prognosen von Experten wird jedoch für die ersten zwei Quartale 2009 ein weit schlimmerer Einbruch erwartet.

Verzweifelte Schritte der Notenbank
Die US-Notenbank hat in einer Serie von Zinssenkungen versucht, der Wirtschaft billiges Geld zu verschaffen. Zuletzt wurden die Leitzinsen auf die Spanne zwischen 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Damit ist die Geldpolitik der Fed im wesentlichen ausgereizt, tiefer als Null kann sie ja nicht gehen. Der fallende Ölpreis und der sinkende Konsum haben auch die Preissteigerung gedämpft: die Inflationsrate sank im Dezember 2008 auf 0,1 Prozent im Jahresvergleich, gegenüber November gingen die Preise sogar um 0,7 Prozent zurück.

Sowohl die öffentlichen Haushalte als auch die privaten Budgets der Konsumenten geraten immer mehr unter Druck. Das Budgetdefizit der USA wird für das Fiskaljahr 2008/09 (ab 1. Oktober) auf 1,2 Billionen Dollar (910 Mrd. Euro) geschätzt, das sind 8,3 Prozent des BIP. Die milliardenschweren Hilfs- und Konjunkturprogramme sind da noch gar nicht einberechnet. Die Sparquote der amerikanischen Haushalte beläuft sich nur auf 1,2 Prozent - viele Amerikaner haben keine Reserven, um die Krise durchzutauchen und fallen bei Arbeitslosigkeit schnell in den finanziellen Ruin.

Kapital vernichtet
Der Absturz an den Börsen hinterließ auch tiefe Spuren in den Geldbörsen: Schwere Einschnitte mussten viele Amerikaner bei ihrem an den Finanzmärkten angesparten Kapital hinnehmen. Die Ersparnisse für die eigene Pension und die Ausbildung der Kinder schmolzen in den vergangenen Monaten dahin. Alleine die Vermögen in Pensionsfonds haben im Vorjahr rund ein Drittel ihres Wertes verloren, 2,8 Billionen Dollar wurden durch die Kursstürze vernichtet. Zahlreiche Amerikaner können sich nicht mehr leisten, wie geplant in Pension zu gehen: In der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen arbeiten noch 36 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frauen - vor zehn Jahren waren nur 26 bzw. 17 Prozent in dieser Altersgruppe erwerbstätig.

Die Autobranche, ein Herzstück der amerikanischen Wirtschaft, zeigt den Absturz der US-Ökonomie besonders deutlich: 18 Prozent weniger Autos kauften die Amerikaner im Jahr 2008, insgesamt rund 13,2 Millionen nach 16,2 Millionen im Jahr 2007. Im Dezember stürzte der Absatz aller Marken zusammen sogar doppelt so schnell ab um 36 Prozent. Der Immobilienmarkt, der als erster Sektor in die Krise gestürzt war, befindet sich weiter am Boden. Mehr als 2,3 Millionen Häuser wurden im Vorjahr zwangsversteigert, weil die Hausbesitzer die Kreditraten nicht mehr zahlen konnten - ein Anstieg um 81 Prozent gegenüber dem Jahr 2007. Das schlimmste kommt aber wohl noch, denn die Amerikaner werden auch im Jahr 2009 weiter mit Kündigungswellen, schrumpfenden Vermögen und fallenden Häuserpreisen rechnen müssen.
(Von Edith Grünwald, APA)