"Schwergewicht" verlässt Parkett: BA-CA wird schon bald von der Wiener Börse genommen!

Wegen Umstrukturierung der UniCredit-Eigentümer Delisting voraussichtlich im ersten Halbjahr 2007

Allen Beteuerungen der Mutter UniCredit zum Trotz und auch entgegen der Aussage von Bank Austria-Chef Erich Hampel noch Mitte November, wonach die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) auch weiter mit dem Streubesitz an Wiens Börse notiert bleiben werde, wurde für die größte Bank Österreichs der Abschied vom Börseparkett eingeläutet. UniCredit will den immer geringer werden Streubesitz auskaufen. Damit verliert die Wiener Börse ein Schwergewicht. Die Bank Austria bringt aktuell immerhin einen Marktwert von 18 Mrd. Euro auf die Waage.

Voraussichtlich im ersten Halbjahr 2007 wird die BA-CA von den Börsen genommen. Wiens Börse verliert damit ein Schwergewicht. Kritische Kleinaktionäre hatten angesichts des laufend sinkenden Free-float bereits Abfindungen eingemahnt.

Die BA-CA Mutter UniCredit plant ein Pflichtangebot für den Streubesitz der BA-CA. Dies könnte nach APA-Informationen in den nächsten drei Monaten der Fall sein.

Die Höhe des Pflichtofferts wird von einem externen Gutachter ermittelt. Zur Zeit sind 5,02 Prozent im Streubesitz, das sind knapp 7,4 Millionen Aktien. Bewertet mit dem heutigen Schlusskurs (125,65 Euro) müsste UniCredit dafür rund 900 Mio. Euro aufwenden. Weil mit der Einbringung der Osttöchter der UniCredit in die BA-CA aber schon eine Kapitalerhöhung (Sacheinlage) verbunden ist, reduziert sich in nächster Zeit der Streubesitz ohnedies auf rund 3,6 Prozent.

In der BA-CA in Wien ist von einem "logischen Schritt" in der Neuordnung der UniCredit-Gruppe die Rede. Dies werde an der Rolle der BA-CA im Konzern nichts ändern, hieß es aus der BA-CA zur APA. Das hebt auch UniCredit-Chef Alessandro Profumo hervor.

Nicht betroffen vom Squeeze-out sind die 10.100 Namensaktien (Golden Shares) von Betriebsratsfonds und AVZ-Stiftung. Laut Profumo bleiben deren Rechte durch den adaptierten Bank der Regionen-Vertrag gewährleistet.

Finale Beschlüsse für den Auskauf der Kleinaktionäre werden rund um den 3. Mai - da ist Hauptversammlung - erwartet.

Es ist gar nicht so lange her, dass die BA-CA - freilich noch unter ihrer alten Eigentümerin und nunmehrigen "Schwester" im UniCredit-Konzern, der bayerischen HypoVereinsbank (HVB), an der Börse wieder eingeführt worden war. Im Juli 2003 war es die größte Neuemission in Wien im damaligen Jahresverlauf. Mit "Welcome back home" hatte der seinerzeitige Börsevorstand damals am 9. Juli 2003 die BA-CA nach zweieinhalb Jahren Marktabsenz an der Wiener Börse zurück begrüßt. Die jahrelang Verluste schreibende HypoVereinsbank hatte 2003 knapp 25 Prozent der BA-CA-Anteile über eine Kapitalerhöhung im Börsepublikum platziereren müssen, um ihre Kapitalbasis zu stärken - als "Notverkauf mit Pfiff" war die Transaktion vom Markt bewertet worden. Der Brutto-Erlös der HVB aus dem Börsengang ihrer für Österreich und Osteuropa zuständigen Tochter machte damals 1,1 Mrd. Euro aus.

Inzwischen wurde die HVB mitsamt ihrer Tochter BA-CA an die Italiener verkauft. Mit der jetzigen Übertragung der BA-CA-Anteile der HVB direkt auf die UniCredit ist die Mailänder Grßbank für die BA-CA von der "Großmutter" zur "Mutter" geworden. UniCredit übertrug bzw. überträgt ihre Ost-Operationen auf die Wiener Tochter. Die Bank Austria hat im UniCredit-Konzern die Osteuropa-Hoheit (außer Polen) erhalten. Dazu kamen die Länder Russland und Türkei. Die Bank soll auch in weitere Ostländer expandieren. Die Aufstellung gilt zunächst für die kommenden fünf Jahre. Um das Jahr 2012 wird - so lautete jedenfalls der Plan im heurigen Frühjahr - das österreichische Bankgeschäft der Bank Austria wohl in eine eigene "Österreich-Bank" abgespalten.

Durch die mit den Ostbanken-Einbringungen verbunde Kapitalerhöhung durch UniCredit via Übernahme von 55 Mio. neuen BA-CA-Aktien erhöht sich UniCredits Anteil an der BA-CA von zur Zeit 94,98 Prozent auf ohnedies 96,35 Prozent. Weil der Streubesitz immer weiter sinkt, haben kritische Kleinaktionäre bereits Bedenken geäußert und Abfindungen gefordert.
(APA/red)