Schweres Zugunglück in Niederösterreich:
Vier Schwerverletzte bei Zusammenstoß

Neun Leichtverletzte - Rettungskräfte im Großeinsatz BILDER: Güter- & Personenzug zusammengestoßen

Schweres Zugunglück in Niederösterreich:
Vier Schwerverletzte bei Zusammenstoß

Das Nichtbeachten eines Halt-Signals könnte nach Angaben der ÖBB die Ursache für den schweren Eisenbahnunfall sein, der sich Dienstagmittag im Bereich des Bahnhofes Gramatneusiedl (Bezirk Wien-Umgebung) ereignet hat. Die - relativ glimpfliche - Bilanz der Kollision eines Güter- und eines Personenzuges: vier Schwer- und neun Leichtverletzte, 29 Personen blieben unversehrt.

Als Unfallzeitpunkt nannten die ÖBB in einer Aussendung 11.26 Uhr. Der Eilzug E 2618 von Pamhagen nach Wien-Süd hatte zuvor einen planmäßigen Aufenthalt in Gramatneusiedl. Der Güterzug war vom Zentralverschiebebahnhof Kledering nach Bruck a. d. Leitha unterwegs. Als diese Garnitur im Bahnhofsbereich einen "planmäßigen Gleiswechsel" vollzog, kam es zum Zusammenprall. Drei der vier Reisewagen stürzten um - der Triebwagen, der in einen Oberleitungsmast gedrückt wurde, und ein weiterer Waggon zur Gänze -, ebenso vier Waggons des Güterzuges.

Die Erhebungen der Unfallkommission wurden noch am Dienstag aufgenommen. "Es wird in alle Richtungen ermittelt", teilten die ÖBB am frühen Abend mit. "Derzeit deutet alles darauf hin, dass ein Halt zeigendes Signal vom Eilzug überfahren wurde. Wie es dazu kommen konnte, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch Inhalt der Untersuchungen." Die Ostbahn wird laut ÖBB vermutlich bis Mittwochabend unterbrochen bleiben. Fernreisezüge von und nach Budapest sowie die Eilzüge von und nach Preßburg (Bratislava) werden umgeleitet. Für den Nahverkehr wurde im Abschnitt Himberg - Götzendorf ein Schienenersatzverkehr mit Autobussen eingerichtet.

Um 12.22 Uhr waren Bergungsmaßnahmen beendet
Karl Blaha, Einsatzleiter der FF Gramatneusiedl, am Unglücksort zur APA: "Wir wurden um 11.34 alarmiert." Feuerwehr - 86 Mann mit 18 Fahrzeugen - und Rotes Kreuz - 120 Mitarbeiter mit 37 Rettungsautos und Sonderfahrzeugen - rückten mit Großaufgeboten an Helfern aus. Auch der Arbeiter-Samariter-Bund (ASBÖ) war an der Unfallstelle. Um 12.22 Uhr waren die Bergungsmaßnahmen abgeschlossen, so Blaha. Einige Opfer mussten von der Feuerwehr aus dem Personenzug geschnitten werden, sagte Josef Schmoll, Einsatzleiter des Roten Kreuzes.

Die vier Schwerverletzten wurden mit Hubschraubern ins AKH Wien ("Christophorus 9"), Wilhelminenspital ("Christophorus 2"), Hanusch-Krankenhaus ("Christophorus 3") und ins KH Eisenstadt ("Robin 5") geflogen. Unter den neun Leichtverletzten, die mit fünf Notarztwagen abtransportiert wurden, waren auch der Lokführer und der Zugbegleiter des E 2618, so ÖBB-Sprecher Gary Pippan. Von den Rettungsautos wurden auch die Krankenhäuser Baden, Mödling, Wiener Neustadt und Hainburg angefahren. Der für Katastrophenschutz zuständige Landesrat Josef Plank (V) strich an der Unfallstelle das rasche Handeln der Einsatzkräfte heraus.

Kostenlose Hotline für Angehörige
Der Güterzug setzte sich u.a. aus Kesselwaggons zusammen, die laut Blaha leer waren. "Es bestand nie Gefahr für die Umwelt." Die Feuerwehr stellte dennoch eine Brandsicherheitswache, so Jörg Würzelberger vom Landeskommando. Nach dem Unglück wurde unter der kostenlosen Rufnummer 0800/234-144 eine Angehörigen-Hotline eingerichtet.

In der LEBIG-Rettungsleitstelle war laut Pressesprecher Stefan Spielbichler um 11.32 Uhr der erste Notruf eingegangen. Auf Grund der Meldung "Zug entgleist" wurde sofort Großalarm für die Bezirke Baden und Bruck a.d. Leitha ausgelöst. Spielbichler: "Bereits sieben Minuten nach Alarmierung traf der erste Rettungswagen am Unfallort ein, nach weiteren fünf Minuten der erste Notarzthubschrauber." (apa/red)