Schweres Zugunglück in Frankreich: 13 Todesopfer - Falsche Weichenstellung?

Unfall ereignete sich nahe luxemburgischer Grenze Personenzug mit Güterzug zusammengestoßen

Schweres Zugunglück in Frankreich: 13 Todesopfer - Falsche Weichenstellung?

Beim Frontalzusammenstoß eines Personenzuges mit einem Güterzug im Osten Frankreichs sind bis zu 13 Menschen ums Leben gekommen. Die Präfektur in Metz bestätigte in den Abendstunden fünf Tote. Mehrere Personen seien bei dem Unfall nahe der luxemburgischen Grenze verletzt worden, teilte die Bahngesellschaft SNCF mit. Neben "etwa zehn" Passagieren dürften auch die beiden Lokführer und ein Gleisarbeiter unter den Toten sein.

Der Unfall hatte sich um 11.45 Uhr an der luxemburgischen Grenze im französischen Department Moselle. Der doppelstöckige Personenzug war aus Luxemburg gekommen und nahe der Station Zoufftgen in einem Waldgebiet frontal in den Güterzug gerast, teilte SNCF mit. Die beiden Züge seien auf demselben Gleis gefahren, weil eine benachbarte Strecke wegen Bauarbeiten gesperrt gewesen war. Der Güterzug sei erst losgefahren, nachdem er ein grünes Signal bekommen habe. Warum sich auch der Personenzug auf dem Gleis befand, müsse noch geklärt werden. Durch die Wucht des Aufpralls wurde einer der Güterwaggons gegen einen Waggon des Passagierzugs geschleudert.

Rund hundert Rettungskräfte aus Frankreich und Luxemburg versuchten am Abend weiterhin fieberhaft, mit Schweißgeräten aus dem Wrack eingeklemmte Passagiere zu befreien. Wie viele Menschen sich zu diesem Zeitpunkt noch in dem Unglückszug befanden, war unklar. Frankreichs Ministerpräsident Dominique de Villepin brach einen Flug in die Karibik ab und kehrte nach Frankreich zurück, um sich - ebenso wie der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker - an Ort und Stelle ein Bild vom Ausmaß des Unglücks zu machen.

Die französischen Behörden leiteten umgehend eine Untersuchung ein, um die Hintergründe des Unfalls zu klären. Auch SNCF berief eine Kommission zur Aufklärung der Unglücksursache ein. Zeugen beschrieben "apokalyptische Szenen". Die Züge seien nur noch ein "Riesenhaufen aus ineinander geschobenem Metall", berichtete der Vizepräsident des lothringischen Regionalparlaments, Bertrand Mertz. Er schloss einen Fehler bei der Weichenstellung durch Bahnbedienstete in Luxemburg nicht aus. Ein Sprecher der luxemburgischen Bahngesellschaft CFL sagte dazu, bisher habe er "keinerlei Erkenntnisse" über die Unfallursachen. Die Angaben über eine möglicherweise falsche Weichenstellung könne er "weder bestätigen noch dementieren".

Mehrere schwer verletzte Personen wurden am Abend in umliegenden Krankenhäusern behandelt. Andere Überlebende standen unter Schock und wurden von Psychologen betreut. Bei den Passagieren handelte es sich größtenteils um französische Berufspendler. Fest steht, dass der französische Güterzug freie Fahrt gehabt hat. Sowohl die Lok des Güterzugs als auch der Regionalzug waren neu und funktechnisch gut ausgerüstet.

(apa/red)