Schweres Grubenunglück in Sibirien: 38
Tote bei Methangas-Explosion in Bergwerk

Angeblich wiederholte Warnungen in Wind geschlagen PLUS: Gasexplosion auch in China - 13 tote Arbeiter

Zwei Monate nach dem schwersten russischen Grubenunglück seit Jahrzehnten sind in derselben westsibirischen Stadt erneut Dutzende Bergleute bei einer Gasexplosion getötet worden. Bei dem Grubenunglück im Bergwerk Jubilejnaja starben 38 Arbeiter unter Tage, wie der Zivilschutz in der Stadt Nowokusnezk mitteilte.

Die Bergwerksleitung soll von der lebensgefährlich hohen Methangas-Konzentration gewusst haben. Im März kamen in einem Nachbarschacht von Nowokusnezk 110 Arbeiter ums Leben. Im Südwesten Chinas starben 13 Bergleute ebenfalls bei einer Methanexplosion.

Das sibirische Bergwerk gehört zum weit verzweigten Firmenimperium des reichsten Russen, Roman Abramowitsch. Beim jüngsten Unglück im russischen Kohlerevier Kusbass steht die Bergwerksleitung im Verdacht, trotz wiederholter Warnungen nichts zum Schutz der Arbeiter unternommen zu haben. "Wegen des erhöhten Methangehalts sollte der Abbau im betroffenen Streb eigentlich vor einer Woche unterbrochen werden", sagte ein Mitarbeiter des Bergwerks der Agentur Interfax. Aus unerklärlichen Gründen sei aber die Anweisung gekommen, weiterhin Kohle zu fördern. Zum Zeitpunkt der Explosion in 500 Metern Tiefe arbeiteten knapp 220 Bergleute unter Tage. Seit Jahresbeginn starben in Russland bereits etwa 150 Bergarbeiter.

Im vergangenen Monat habe die Methankonzentration im Jubilejnaja-Schacht den Normalwert manchmal um das Zwanzigfache übertroffen, sagte ein namentlich nicht genannter Angestellter des Bergwerks. Dagegen erklärte der Gouverneur des betroffenen Gebietes Kemerowo, Aman Tulejew, die Explosion habe sich völlig überraschend ereignet. Bis dahin seien alle Gaswerte normal gewesen.

Die Aufsichtsbehörde leitete ein Verfahren zur Aufklärung der häufigen Explosionen in Anlagen der Bergbau-Holding Juschkusbasugol ein. Es sei möglich, dass der Holding die Betreiberlizenz entzogen werde, sagte ein Ermittler. In der Schachtanlage Jubilejnaja seien bereits in der Vergangenheit schwere Verstöße gegen Sicherheitsauflagen registriert worden. Vor fünf Jahren kamen in dem Bergwerk sechs Arbeiter bei einer Explosion unter Tage ums Leben.

Im Kohlerevier Kusbass kommt es immer wieder zu schweren Methanexplosionen mit vielen Toten. Zwar wurden einige profitable Bergwerke in den vergangenen Jahren modernisiert, doch vielerorts herrschen noch immer lebensgefährliche Arbeitsbedingungen unter Tage.

Noch deutlich schlechter als in Russland sind die Schutzvorkehrungen in chinesischen Bergwerken. Bei der Gasexplosion in einem Kohlebergwerk in der Provinz Sichuan kamen 13 Kumpel ums Leben. Sieben wurden verletzt, einer von ihnen schwer, teilte die Regierung am Donnerstag mit. Bei Bergwerksunglücken in China kommen jährlich etwa 5.000 Arbeiter ums Leben.

(apa/red)