Schwere Unwetter in Steiermark: "So etwas hat noch kein Ureinwohner erlebt"

Helfer wurden auf Einsatzfahrt selbst eingeschlossen

"Das ganze Gebiet ist verwüstet", schilderte Einsatzleiter Johann Mesicek von der Freiwilligen Feuerwehr Hausmannstätten. Die Gemeinde war neben Gössendorf die am stärksten betroffene Ortschaft im Bezirk Graz-Umgebung. "So etwas hat noch kein Hausmannstättener Ureinwohner je erlebt", berichtete Mesicek von der vergangenen Unwetter-Nacht.

"Der Sturm hat die Häuser abgedeckt, wir sind gerade dabei, sie wieder zuzudecken. Etwa 20 haben wir in der Nacht bereits geschafft", erklärte der Einsatzleiter. "70 bis 80 Bäume sind umgefallen und liegen kreuz und quer herum." Die Bundesstraße sei völlig gesperrt gewesen, Strom- und Telefonleitungen seien gekappt worden und die Menschen "völlig geschockt" von den Ereignissen der vergangenen Nacht. "Ich bin seit 46 Jahren Feuerwehrmann - noch nie hab ich so etwas erlebt", so Mesicek.

110 Einsätze hat die Berufsfeuerwehr Graz verzeichnet, 370 Notrufe hat es allein in der Zeit von 21.00 und 23.00 Uhr gegeben. Dabei sei es nur in Einzelfällen zu Überflutungen gekommen. Problem sei der Sturm gewesen, erklärte Wolfgang Hübel von der Abteilung Katastrophenschutz und Feuerwehr der Stadt Graz. Die meisten Einsätze hätten umgestürzte Bäume, Plakatwände, Baustellenabsicherungen und beschädigte Gebäude betroffen.

Helfer selbst eingeschlossen
Besonders dramatisch war ein Einsatz der Berufsfeuerwehr in Graz-Straßgang: Die Helfer waren kurzfristig selbst eingeschlossen, als rund 30 Bäume vor und hinter den Fahrzeugen über die Straße stürzten. Die Florianijünger mussten sich ihren Weg - übrigens ausgerechnet in der Florianibergstraße - durch das Geäst schneiden. "Alles, was wir haben, war unterwegs", so Hübel resümierend. "Es ist arg, weil wir so heftige Stürme bei uns nicht gewohnt sind." Die "kleinräumigen, kurzfristigen Unwetter" würden keine Vorwarnzeit geben. "In den vergangenen zwei, drei Jahren haben wir so etwas nicht erlebt", meinte der Sprecher.

Am Flughafen Graz-Thalerhof waren die Aufräumarbeiten gerade im Gange. "Der Sturm hatte einige Privatmaschinen umgeworfen - eine lag am Dach - , und die Dächer einiger Hanger zum Teil abgedeckt", bilanzierte Gerhard Widmann, Direktor des Flughafens. Widmann beschrieb die Situation am Grazer Flughafen als "die prekärste" seit langem. Tatsächlich wurden in diesem Gebiet südlich von Graz mit Böen bis 120 km/h auch die höchsten Windgeschwindigkeiten gemessen. (apa/red)