Fakten von

Schwere Unwetter
in Teilen Österreichs

Zahlreichen Einsätze: Steiermark, Kärnten und Burgenland betroffen

Überschwemmungen in der Steiermark © Bild: APA/BFVMZ

Die Feuerwehren haben am Mittwoch aufgrund von Unwettern in einigen Teilen Österreichs zu zahlreichen Einsätzen ausrücken müssen. Im Burgenland war der Bezirk Oberwart am stärksten betroffen, teilte ein Sprecher der Landessicherheitszentrale Burgenland mit. Bereits am Nachmittag hatten schwere Gewitter eingesetzt. Bäume stürzten auf Straßen, Keller wurden überflutet.

Im Bezirk Oberwart waren u.a. die Gemeinden Oberdorf, Buchschachen und Siget aber auch die Bezirkshauptstadt selbst betroffen. Die Stadtfeuerwehr stand ab etwa 14.20 Uhr bis in die Abendstunden im Einsatz. Auch heute, Donnerstag, früh waren die Feuerwehrmitglieder in Oberwart und in Forchtenstein (Bezirk Mattersburg) mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Überschwemmungen nach Unwettern im Raum Oberwart
© APA/FF OBERWART Überflutungen im Raum Oberwart

Die Österreichische Hagelversicherung berichtete in einer Aussendung über 400.000 Euro Schaden in der Landwirtschaft im Bezirk Oberwart. Etwa 4.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche wurden beschädigt, Getreide, Mais, Wein, Raps sowie Soja seien betroffen.

Auch bei der Opernpremiere im Römersteinbruch in St. Margarethen (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) bekamen die Besucher das nasse Wetter zu spüren. Sie mussten etwa eine Stunde im Regen ausharren, die Opernaufführung von Giacomo Puccinis "Tosca" startete nicht wie geplant um 21.00, sondern gegen 22.00 Uhr.

Dächer in Steiermark abgedeckt

Die Hitze der vergangenen Tage ist am Mittwoch auch in der Steiermark mit Unwettern, Sturm und Hagel zu Ende gegangen. Besonders im obersteirischen Raum Bruck sowie in den Bezirken Liezen und Weiz, aber auch in Graz sorgte Starkregen für überflutete Keller und Straßen. Bäume mussten von Fahrbahnen weggezogen werden. Bis zum Abend waren in der Steiermark mehr als 1.000 Feuerwehrleute im Einsatz.

Die Gewitterzellen zogen von der westlichen Obersteiermark über die Alpenausläufer bis ins Grazer Becken und weiter in die West-, Süd- und Oststeiermark. Bis zum Abend waren die Helfer an mehr als 155 Einsatzorten gefordert. Dächer wurden - wie etwa in Leoben - teilweise abgedeckt.

Unwetter im Raum Steiermark
© APA/THOMAS ZEILER Aufräumarbeiten im Raum Seckau

Die Asfinag musste Teile der S6, Semmering Schnellstraße, sowie der S36, Brucker Schnellstraße sperren, weil Bäume auf die Fahrbahn gefallen waren. Außerdem hatten Autofahrer in den Tunneln Schutz vor Hagel gesucht. Um Unwetter abzuwarten, rät die Autobahngesellschaft, einen Rast- oder Parkplatz anzusteuern. Auf Autobahnen, im Tunnel oder unter Brücken zu halten, ist in der Regel nicht erlaubt, "sondern nur bei extremen Ausnahmesituationen, wenn man sozusagen um Leib und Leben und nicht nur um den Autolack fürchten muss", hieß es in einer Aussendung der Asfinag.

Bei Aufräumarbeiten nach den Unwettern sind in der Steiermark rund 1.500 Feuerwehrleute im Einsatz gestanden, wie der Landesverband am Donnerstag mitteilte. Haupteinsatzraum war der Raum Bruck/Mur. Laut Hagelversicherung wurden in der Steiermark rund 3.500 Hektar Agrarfläche in Mitleidenschaft gezogen. Der Schaden beläuft sich auf rund 1,4 Millionen Euro.

Besonders stark wurde der Großraum im Bereich des Mur- und Mürztals in Mitleidenschaft gezogen, wo sich auch am Nachmittag die erste große Gewitterzelle gebildet hatte. Feuerwehren aus Bruck-Mürzzuschlag, Murtal, Murau und Leoben und Liezen waren hier mit Auspump- und Aufräumarbeiten beschäftigt. "Ein Hotspot war der Großraum Bruck/Mur mit insgesamt 99 Einsätzen", so Feuerwehrsprecher Thomas Meier. Aber auch in den Bereichen der Bezirke Leibnitz, Voitsberg, Deutschlandsberg, Fürstenfeld-Hartberg, Graz-Umgebung und Weiz gab es Dutzende Einsätze.

1.200 Feuerwehrleute in Kärnten im Einsatz

Zwei Unwetterfronten mit Starkregen, Sturm und Hagel sind am Mittwochnachmittag und -abend über Kärnten hinweggezogen. Insbesondere der Hagel hat massive Schäden angerichtet, Passanten wurden mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht. Betroffen war ganz Kärnten, vor allem aber der Raum Villach, sowie die Bezirke Klagenfurt-Land, Hermagor und Feldkirchen. 1.200 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Überschwemmungen in Villach
© APA/DANIEL RAUNIG In Villach wurde die Eisenbahnunterführung Ossiacher Zeile überflutet.

Die erste Unwetterwelle ließ einige Bäume umstürzen, Straßen wurden blockiert und Stromleitungen abgerissen. In der Gemeinde Arriach kam es durch eine herabgefallene Stromleitung zu einem Brand in einem kleinen Waldstück. Pkw und Häuser wurden beschädigt. Bis 16.00 Uhr verzeichnete die Landesalarm- und Warnzentrale jedoch nicht mehr als 20 Einsätze. "Es schien, als ob Kärnten noch einmal glimpflich davon gekommen wäre", sagte Hermann Maier vom Landesfeuerwehrverband in einer Aussendung.

Zahlreiche Notrufe eingegangen

Ab 17.30 Uhr zog dann eine zweite Gewitter- und Hagelzelle über Kärnten. Hagelkörner, so groß wie Tennisbälle, verletzten in Villach mehrere Personen, unzählige Dächer und Fahrzeuge wurden beschädigt. Das Rote Kreuz verzeichnete zahlreiche Notrufe, die Verletzten wurden ins Landeskrankenhaus gebracht. Auf den Verkehrswegen gab es massive Behinderungen: In Unterführungen stand teilweise das Wasser, Keller wurden überflutet, Bäume und Muren verlegten die Straßen, Stromausfälle gab es ebenfalls. Menschen mussten aus stehengebliebenen Aufzügen befreit werden.

Das durch den Hagel herabgerissene Laub verstopfte viele Abflüsse und Kanäle. In Hermagor gab es einen Waldbrand infolge von Blitzschlag. Ein mit 28 Fahrgästen besetzter Zug fuhr bei St. Stefan im Gailtal gegen einen auf die Gleise gestürzten Baum. Die Bahnstrecke musste gesperrt werden, verletzt wurde niemand. Auch am Ossiacher See wurde die Bahnverbindung wegen umgestürzter Bäume vorübergehend eingestellt. Am See selbst war die Wasserrettung im Einsatz. Drei Boote waren während des Sturms in Seenot geraten.

Laut Rotem Kreuz musste in Villach ein Pflegeheim teilweise evakuiert werden, weil das Gebäude vom Hagel stark beschädigt war. In der Mediathek der Arbeiterkammer in Villach gab es einen Wassereinbruch, Hunderte Bücher und Medien wurden durchnässt. In Klagenfurt fällte der Sturm ein Naturdenkmal: eine 400 Jahre alte Linde. Die Asylwerber im Zeltlager Kumpendorf wurden laut Polizei während des Gewitters in einen ausgeräumten Besprechungsraum der Polizeikaserne gebracht.

Am Donnerstag waren die Aufräumarbeiten in vollem Gange. In Villach wurden ein Krisenstab und eine Hotline für Betroffene von Schäden eingerichtet. Außerdem wurden die Parkgebühren für infolge des Hagels fahruntüchtige Autos ausgesetzt.

Bis zu fünf Zentimeter große Hagelkörner

In vielen Teilen Kärntens wurden laut Polizei bei den Unwettern Bäume vom Sturm entwurzelt und umgerissen oder umgeknickt. Im Straßenverkehr kam es auch abseits der Hauptverbindungen zu zahlreichen Behinderungen. In Nötsch und Feistritz im Gailtal (Bezirk Villach-Land) gingen Hagelschauer mit bis zu fünf Zentimeter großen Hagelkörnern nieder.

Hagelkörner nach einem Unwetter in Kärnten
© APA/ÖHV Riesige Hagelkörner sind in Kärnten niedergegangen.

Kommentare