Schwere Unruhen im Krisenherd Kosovo: UNO-Polizist erliegt seinen Verletzungen

Jeremic verlangt Untersuchung der UN in Mitrovica Moskau: "Anerkennung für Eskalation verantwortlich"

Schwere Unruhen im Krisenherd Kosovo: UNO-Polizist erliegt seinen Verletzungen © Bild: Reuters/Djurica

Ein ukrainischer UNO-Polizist ist bei den gewaltsamen Ausschreitungen im Norden des Kosovo ums Leben gekommen. Der Polizist erlag seinen bei den Zusammenstößen erlittenen Verletzungen, wie die kosovarische Polizei in Pristina mitteilte. Der UNO-Polizist ist der erste Tote der schwersten Unruhen seit der Unabhängigkeit des Kosovo vor einem Monat. Bei den Ausschreitungen in der geteilten Stadt Kosovska Mitrovica waren mehr als 150 Menschen verletzt worden, darunter auch 63 Angehörige internationaler Sicherheitskräfte. Russlands Außenminister Sergej Lawrow machte die Staaten, die den Kosovo anerkennen, für die Eskalation verantwortlich.

Das ukrainische Innenministerin in Kiew erklärte, bei dem getöteten Polizisten handle es sich um einen 1982 geborenen Leutnant. Der Ukrainer sei von einer Handgranate getroffen worden und später in einem Militärkrankenhaus gestorben, erklärte ein Polizeisprecher am Dienstag. UNO-Polizisten und KFOR-Soldaten hatten am Montag ein von Demonstranten besetztes UNO-Gericht im mehrheitlich von Serben bewohnten Norden von Kosovska Mitrovica umstellt und Panzer aufgefahren. Aufgebrachte Serben bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen und Molotow-Cocktails, mehrere UNO-Fahrzeuge gingen in Flammen auf.

Nach den schweren Zusammenstößen im Nordteil Mitrovicas hat die NATO-Schutztruppe KFOR die Stadt faktisch unter Militärrecht gestellt. Die KFOR forderte nach Angaben aus Sicherheitskreisen die serbischen Polizisten in Mitrovica am Dienstag auf, ihren Dienst vorübergehend auszusetzen und ihre Streifenwagen abzustellen. Damit übernahmen die französischen, belgischen und spanischen KFOR-Soldaten die alleinige Kontrolle über den von Serben bewohnten Nordteil der Stadt. Eine offizielle Erklärung der KFOR gab es dazu nicht.

"Wir werden nach Nord-Mitrovica zurückkehren, allerdings steht ein Termin dafür noch nicht fest", sagte ein UNO-Polizeisprecher am Dienstag. Die kosovo-albanische Tageszeitung "Zeri" berichtete, dass von der UNO-Verwaltung (UNMIK) ein Vorschlag Belgrads, zusammen mit dem UNO-Personal die Kontrolle in den Serben-Enklaven im Kosovo zu übernehmen, zurückgewiesen worden sei.

"Unverhältnismäßige Gewalt"
Der serbische Außenminister Vuk Jeremic richtete an UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon einen Protest Belgrads wegen "absolut unannehmbarer und übertriebener" Gewalt der internationalen Sicherheitskräfte in Mitrovica. In einem Schreiben an den UNO-Generalsekretär verlangte er eine Untersuchung der UNO über die Zwischenfälle in der Stadt im Nordkosovo. Auch der russische NATO-Botschafter Dmitri Rogosin hatte die KFOR beschuldigt, bei dem Einsatz mit "unverhältnismäßiger Gewalt" vorgegangen zu sein.

Lawrow erinnerte die Staaten, die den unabhängigen Kosovo bereits anerkannt haben, in einem Interview mit der russischen Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" an ihre Verantwortung für die möglichen Folgen dieses "gefährlichen Prozesses". Die Unterstützung abtrünniger Tendenzen sei "unmoralisch", sagte Lawrow in dem am Dienstag veröffentlichten Interview. Die derzeitige Lage im Kosovo stelle eine "Gefahr für die internationalen Beziehungen mit unvorhersehbaren Konsequenzen" dar.

Anerkennung durch rund 30 Staaten
Rund 30 Staaten, darunter auch Österreich, haben die Unabhängigkeit des Kosovo inzwischen anerkannt. Heftiger Widerstand kommt dagegen aus Serbien und Russland. Japan hatte am Dienstag als bisher letztes Land den Kosovo formell anerkannt. "Wir hoffen, dass das Kosovo langfristig zu Stabilität in der Region beitragen wird", sagte Außenminister Masahiko Komura. Er betonte allerdings, dass Serbien und Japan traditionell freundschaftliche Beziehungen unterhielten. "Wir hoffen, dass diese freundschaftlichen Bande fortexistieren werden", fügte Komura an.

(apa/red)