Schwellenländer ringen um mehr Einfluss:
China & Co lassen sich Hilfe teuer erkaufen

Reich der Mitte an stabilem Welthandel interessiert Südamerikas regierunge geißeln Protektionismus

Der große Tag der Schwellenländer ist gekommen. Beim Weltfinanzgipfel werden Länder wie China, Indien oder auch Brasilien erstmals auf Augenhöhe mit den westlichen Industrienationen um die Rettung der Weltwirtschaft verhandeln. Die Gelegenheit, eigene Positionen unterzubringen und mehr Einfluss in den amerikanisch-europäisch dominierten internationalen Wirtschaftsinstitutionen zu erlangen, ist größer als je zuvor.

Denn viele Schwellenländer können aus einer Position der Stärke heraus in die Verhandlungen gehen. China ist in der Lage, nur mit einem Teil seiner zwei Billionen schweren Währungsreserven dem Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Liquidität zur Verfügung stellen, die ganze Volkswirtschaften retten könnte. Saudi Arabien verfügt über genauso ansehnliche Staatsfonds, die zuletzt von Großbritannien mehrfach in Anspruch genommen werden musste. Und dass die aufstrebenden Wirtschaften Lateinamerikas längst unverzichtbare Triebwerke für die globale Wirtschaft sind, ist auch den Regierungen Europas und der USA klar. Die Chance, den Einfluss auf globale wirtschaftspolitische Entscheidungsprozesse zu vergrößern, ist beim Finanzgipfel also beachtlich. Gleichzeitig muss man sich davor hüten, die Schwellenländer in einen Topf zu werfen.

China will Welthandel stabilisieren
China drängt in erster Linie auf eine Festigung und Stabilisierung des Welthandels, mit dem die chinesische Exportindustrie steht und fällt. Von der Finanzkrise wurde das Reich der Mitte weniger hart getroffen als andere Länder, weshalb China sich seine Bereitstellung von Devisenreserven mit einer Stärkung des politischen Einflusses in Weltbank und Währungsfonds abgelten lassen könnte.

Mehr Einfluss wünscht sich auch Saudi Arabien, das sich mit dem Mandat der Arabischen Liga in einem künftigen Weltfinanzsystem ein Mitspracherecht sichern will. Als Argument kann Saudi Arabien beachtliche finanzielle Ressourcen ins Treffen führen.

Die Regierungen Südamerikas und Südafrikas drängen in erster Linie auf eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte bei einem gleichzeitigen Abbau der protektionistischen Handelsbarrieren Europas und der USA - etwa im Agrarbereich.

Schwellenländer müssen mit an Bord
Die Positionen der Schwellenländer sind demnach unterschiedlich, zielen grundsätzlich jedoch auf einen größeren Einfluss in den internationalen Institutionen hin. Sofern Europa und Amerika diese Länder bei der Gestaltung einer neuen Finanzordnung mit an Bord holen wollen, müssten sie eine Beschneidung ihrer Befugnisse hinnehmen. Anzuraten wäre das in jedem Fall - denn ohne die Mithilfe der aufstrebenden Wirtschaftsmächte wird kein Staat zu machen sein.
(Stefan Meisterle)