"Schweizer werden uns unterschätzen!": ÖFB-Mittelfeld-Spieler Prager im Interview

"Die Leute sollen sich denken: 'Die können es doch.'" "Kritik nicht unberechtigt, haben nicht viel gezeigt."

Beim mühevollen 2:1 des österreichischen Fußball-Nationalteams gegen Liechtenstein musste Thomas Prager bis zur 81. Minute auf der Bank schmoren, aber schon drei Minuten nach seiner Einwechslung rettete der Heerenveen-Legionär der ÖFB-Auswahl mit seinem Freistoß-Treffer den Sieg. Im Gespräch mit der APA dachte der 21-jährige Mittelfeldspieler über die Lehren aus dem Vaduz-Match und die Chancen im Spiel gegen die Schweiz in Innsbruck nach.

APA: Wie lautet die Zielsetzung gegen die Schweiz?
Prager: "Wir wollen 90 Minuten lang so einen Fußball zeigen, dass sich die Leute denken: 'Die können es doch.' Das wäre mir lieber, als schlecht zu spielen und vielleicht mit Ach und Krach ein 1:0 zu
holen, auch wenn wir natürlich gewinnen wollen. Die Schweizer sind
derzeit sicher über uns zu stellen, aber sie werden unsere Lage
kennen und uns deswegen vielleicht unterschätzen."

APA: Geht es sich noch aus, dass Österreich bei der
Heim-Europameisterschaft ein schlagkräftiges Team stellt?
Prager: "Wir haben noch viele Spiele bis zur EURO. Ich hoffe, dass uns die Fans unterstützen. Jetzt muss ganz Österreich zusammenhalten und nicht der eine gegen den anderen arbeiten."

APA: Was wäre passiert, wenn Ihnen gegen Liechtenstein nicht das Siegestor gelungen wäre?
Prager: "Da wäre sicher die Hölle los gewesen. Gegen Liechtenstein wäre es egal gewesen, ob wir verloren oder unentschieden gespielt hätten. Beides wäre eine Niederlage gewesen."

APA: Für wen war Ihr erster Länderspiel-Treffer mehr wert: Für Sie oder für die Mannschaft?
Prager: "Ganz klar für die Mannschaft. Wir haben uns in diesem Spiel
viel vorgenommen, aber konnten es leider nicht umsetzen. Doch eines
haben wir trotzdem geschafft: Wir haben gewonnen."

APA: Wie sehr hat es Sie gestört, dass Sie nicht von Beginn an
gespielt haben?
Prager: "Ich war natürlich enttäuscht, aber der Teamchef hat eben anders entschieden. Als ich eingewechselt worden bin, habe ich nur an eines gedacht: 'Wir müssen unbedingt noch gewinnen.'"

APA: War bei der Mannschaft nach dem Schlusspfiff die Erleichterung über den Sieg oder die Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung größer?
Prager: "Die Erleichterung war schon größer, aber wir wissen auch, dass wir nicht gut gespielt haben. Im Moment gelingt uns nicht viel.
Wir müssen mehr Geduld haben, die Bälle eben fünf- oder sechsmal hin
und her spielen und nicht gleich nach vorne schlagen. Das ist der
Hauptgrund, wieso wir derzeit nicht so gut Fußball spielen."

APA: Rund um das Liechtenstein-Spiel haben sich Teamspieler des Öfteren über die Medienberichterstattung beschwert. Teilen Sie diese Kritik?
Prager: "Ich will nicht beurteilen, wie andere darüber denken. Für mich persönlich ist es so rübergekommen, als ob ein paar darauf
warten, dass wir verlieren. Aber die Kritik ist sicher nicht
unberechtigt, wir haben bisher nicht viel gezeigt."

(apa/red)