Schweizer Manager cashen trotz Krise ab:
Saftige Gehaltserhöhung scharf kritisiert

Novartis-Chef mit 42 Mio. Franken an der Spitze Ethos-Direktor: Boni-Exzesse müssen aufhören

Schweizer Manager cashen trotz Krise ab:
Saftige Gehaltserhöhung scharf kritisiert © Bild: APA/Jaeger

Schweizer Manager im Kreuzfeuer der Kritik: Trotz der Wirtschaftskrise haben Schweizer Spitzenmanager im letzten Jahr eine kräftige Lohnerhöhung erhalten. Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder der 49 größten börsenotierten Unternehmen verdienten ein Fünftel mehr als im Jahr davor. Insgesamt kassierten die 763 Top-Manager 1,27 Mrd. Franken (949 Mio. Euro), wie die Anlagestiftung Ethos in ihrer fünften Studie über die Managerlöhne bekannt gab.

Besonders groß sei der Aufschlag im Finanzsektor, sagte Ethos-Direktor Dominique Biedermann vor den Medien in Zürich.

Nach den Einbußen in den beiden Vorjahren hätten die Spitzenleute der 13 größten Banken und Versicherungen wieder 73 Prozent mehr bekommen als 2008. Damit hätten die durchschnittlichen Vergütungen in der Finanzwelt wieder das Niveau von vor der Krise erreicht. Dagegen seien die Vergütungen in den 36 Unternehmen aus der übrigen Wirtschaft lediglich um 2 Prozent gestiegen. Der Anstieg sei übertrieben, sagte Biedermann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA: "Der Hebeleffekt von vielen langfristigen Beteiligungsplänen ist viel zu hoch."

Drei Mio. Franken pro Jahr abkassiert
Ein Geschäftsleitungsmitglied erhielt für das Jahr 2009 im Durchschnitt 3 Mio. Franken. Das ist ein Viertel mehr als 2008. Verwaltungsratspräsidenten verdienten 2009 durchschnittlich 1,9 Mio. Franken und die anderen Verwaltungsratsmitglieder 300.000 Franken. Am meisten kassierte erneut Daniel Vasella, der neben dem Verwaltungsratspräsidium im vergangenen Jahr auch noch die Konzernleitung des Pharmakonzerns Novartis inne hatte. Vasella, der das Amt des Konzernchefs mittlerweile abgegeben hat, erhielt 42,2 Mio. Franken. Dies sei der Marktwert von Vasellas Lohn, sagte Biedermann. Novartis gebe im Geschäftsbericht indes nur den Steuerwert an und komme somit lediglich auf 20,5 Mio. Franken Entschädigung.

Die Nummer zwei der Top-Verdiener ist Credit-Suisse-Chef Brady Dougan mit einer Gesamtvergütung von 19,2 Mio. Franken. Nicht in der Studie enthalten seien die gut 70 Mio. Franken, die Dougan im vergangenen März bekam. Denn diese stammten aus einem Bonusprogramm für das Jahr 2004 und seien in der damaligen Ethos-Studie aufgeführt.

Ethos-Direktor fordert Gesetzesänderungen
Um die Boni-Exzesse zu stoppen, fordere der Ethos-Direktor Gesetzesänderungen. Die Aktionäre müssten über die Lohnsysteme nicht nur konsultativ, sondern verbindlich abstimmen können. Die Selbstregulierung der Lohnpolitik habe bei der Mehrheit der Unternehmen versagt.

(apa/red)

Kommentare

waffenindustrie Es ist eine Schande wie eine Industrie an den Kriegen verdient.Hier sollte ein Riegel vorgeschoben werden.

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