Schweiz hat nach 2:0 Lust auf noch mehr: Eidgenossen kamen ohne Gegentor weiter

Südkoreaner hadern mit Schicksal - und dem Schiri Asiaten einziges ausgeschiedenes Team mit 4 Zähler

Himmelhoch jauchzend - Zu Tode betrübt. Das erste traf auf die Schweizer Fußballer nach dem hart erkämpften, aber verdienten 2:0-Sieg durch Tore von Senderos (23.) und Frei (77.) im entscheidenden Aufstiegstreffen mit Südkorea in Hannover zu. Zweiteres auf die Asiaten, die sich als Halbfinalist 2002 von der Weltmeisterschaft in Deutschland verabschieden mussten. Als einzige der aussortierten 16 Mannschaften holten die mit dem argentinischen Schiedsrichter Horacio Elizondo hadernden Koreaner vier Punkte und müssen dennoch die Heimreise antreten.

Die Qualifikation für das Achtelfinale war das Ziel von Österreichs EM-Partner gewesen, nun schafften die Eidgenossen den Aufstieg eindrucksvoll sogar als Sieger der Gruppe G. Mit zwei Siegen (jeweils 2:0 gegen Togo und Südkorea) und dem 0:0 gegen Frankreich, den Weltmeister von 1998, der mit dem 2:0 gegen die Afrikaner am Freitag in Köln doch noch auf den Achtelfinalzug aufsprang.

Als einzige aller 32 Mannschaften kassierten die Schweizer kein einziges Verlusttor. Ein Beweis für die Qualität der Abwehr, der natürlich auch das nötige Glück zur Seite stand. Nicht zuletzt aber auch die Vorstellung von Pascal Zuberbühler, den vor der Endrunde nicht wenige kritisiert hatten, die ihn nun zum "Superbühler" kürten. Zumindest in dem Treffen mit den Südkoreanern verdiente sich der 32-jährige Basel-Keeper mit einigen glänzenden Reaktionen diese Auszeichnung. "Ich gab den Kritikern meine Antwort auf dem Platz", betonte daher auch Zuberbühler, dem der Aufstieg, aber auch seine "weiße Weste" stolz macht.

Stolz über das Erreichte ist zu recht die gesamte Mannschaft, die nach der "Pflicht" nun die Kür anpeilt. Der Achtelfinalgegner heißt am Montag in Köln (Beginn 21 Uhr) Ukraine. "Wir treffen auf einen vor allem im Angriff mit Schewtschenko starken Gegner, sind aber selbstbewusst genug, eine weitere Runde zu überstehen. Ob es reicht, weiß ich nicht. Lust dazu haben wir auf jeden Fall", sagt Teamchef Köbi Kuhn nach seinem 50. Länderspiel.

Seine Mannschaft wäre in dem intensiven Match mit vielen Torszenen gegen die laufstarken Südkoreaner sehr gut eingestellt gewesen, hätte auf Grund ihrer Erfahrung und Spielintelligenz auch nicht jeden Laufweg mitmachen müssen und auch wieder etwas Glück gehabt. "Denn es gab Momente, in denen wir leiden mussten und beim Abpfiff ist eine große Last von mir gefallen", sagte Kuhn, der lieber im Stillen feiert und von seinem Assistenten erst "genötigt" werden musste, zu seinen jubelnden Schützlingen auf das Spielfeld zu eilen.

Die Südkoreaner waren nach dem Schlusspfiff enttäuscht und auch verbittert. Sie zeigten sich vor allem über das zweite entscheidende Tor in der 77. Minute erbost, das ihrer Meinung nach aus Abseitsposition gefallen war. Der Linienrichter hatte die Fahne gehoben, als nach dem Abspiel von Margairaz der Ball zu dem tatsächlich im Abseits postierten Frei gekommen war. Der Pass war allerdings nicht steil als Vorlage für den Stürmer, sondern quer als Zuspiel für einen anderen Schweizer gedacht und erst von einem Südkoreaner zu Frei abgelenkt worden. Dieser hatte dann wenig Mühe, den Jubilar Lee Woon-Jae (100. Länderspiel) zu umkurven und einzuschießen.

"Dieses Tor hat das Match getötet", empörte sich Verteidiger Lee Young-pyo, der wie seine Kollegen nicht mehr eingegriffen hatte, wohl aber ohnehin zu spät gekommen wäre. Dick Advocaat reagierte da schon etwas zurückhaltender. "Der Schiedsrichter hat seine Meinung rasch geändert, aber fest steht, dass die Mehrzahl seiner Entscheidungen gegen uns gerichtet war", so der Niederländer, der vor allem auch auf das Handspiel von Patrick Müller vor der Pause im Strafraum ansprach, das aber wohl als angeschossen gelten sollte.

"Die Art wie wir verloren haben, ist sehr schade. Wir waren nahe dran. Andere Länder wie Mexiko und Australien sind mit vier Punkten weitergekommen. Die Schweizer waren vor der Pause besser und haben sich da auch den Sieg verdient, in der zweiten Hälfte riskierten wir alles, es hat aber nicht gereicht. Im Moment bin ich zu enttäuscht, um über meine Zukunft zu sprechen", meinte der Noch-Teamchef der Südkoreaner.

Senderos mit Schulterluxation - kein WM-Einsatz mehr
Senderos kann nicht mehr spielen. Senderos zog sich eine Schulterluxation und muss mindestens zwei Wochen pausieren. Wie Teamarzt Rudolf Roeder weiter mitteilte, sei bei der Untersuchung auch ein Bänderschaden diagnostiziert worden.

"Er wird mindestens zwei Wochen nicht spielen können. Außerdem muss er vielleicht auch operiert werden, die Chancen darauf stehen 50:50. Doch das Wichtigste ist für ihn jetzt einmal zu pausieren", sagte Roeder. Der Schweizer Teamchef Jakob "Köbi" Kuhn sprach von "einem schweren Rückschlag" für sein Team. "Doch wir haben schon gesehen, dass sein Freund Johan (Djourou, Anm.) auch ein guter Verteidiger ist. Das ist die große Stärke unseres Team, dass wir fast jeden Spieler ersetzen können, ohne entscheidend an Stärke einzubüßen."
(apa/red)