Rassismus von

Brasilien: Anbieter von
"Schwarzen" war 15-Jähriger

Schaltete Anzeige auf Online-Marktplatz aus Wut über eine Quotenregelung für Schwarze

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Der brasilianische Internetnutzer, der im größten Online-Marktplatz Lateinamerikas "Schwarze" zum Verkauf angeboten und mit seiner Anzeige für einen Sturm der Entrüstung gesorgt hatte, ist erst 15 Jahre alt. Wie die Polizei von Rio de Janeiro am Donnerstag mitteilte, hatte der Bursche die Anzeige aus Wut über eine Quotenregelung für Schwarze geschaltet.

Er hatte demnach keinen Platz in einem Computerkurs bekommen und dies auf Quoten für schwarze Studierende zurückgeführt. Die Anzeige "Schwarze für einen Real" (0,28 Cents) war am Sonntag vorvergangener Woche auf der Plattform MercadoLivre aufgetaucht. Unter einem Foto von zwei dunkelhäutigen Kindern hieß es, Schwarze könnten gut "als Tischler, Maurer, Köche, Türsteher, Hausmeister, Müllarbeiter oder Haushälter" eingesetzt werden.

"Beleidigung der ganzen Gesellschaft"

Nur wenige Stunden nach der Freischaltung der Anzeige hatten 1.700 brasilianische Internetnutzer wütende Kommentare dazu abgegeben. Das Internet-Portal löschte die Anzeige und verurteilte sie als rassistisch. Der Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, Carlos Alberto Silva Junior, sprach von einer "Beleidigung der ganzen Gesellschaft".

Wie der Polizeikommissar Gilson Perdigao der Zeitung "O Dia" sagte, wurde der Jugendliche nach einer zweistündigen Vernehmung wieder freigelassen. Der Bursche, der von Beamten der Abteilung für Computerkriminalität in einem Armenviertel im Norden von Rio aufgespürt wurde, sei bisher nicht auffällig geworden. Es gebe auch keine Hinweise auf Rassismus.

Junge bedauert seine Tat

"Er bedauert, was er getan hat", versicherte die Mutter des 15-Jährigen. "Mein Sohn ist kein Rassist und bittet die Farbigen um Entschuldigung." Er sei zuletzt durch mehrere Prüfungen gefallen und habe "nicht durchdacht" gehandelt, sagte die 43-jährige Lehrerin.

Nach 13 Jahren Debatte hatte Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff im August 2012 ein Gesetz in Kraft gesetzt, das die Hälfte der Studienplätze für Maturanten öffentlicher Schulen reserviert. Schwarze, Mestizen und Nachkommen der Ureinwohner werden dabei bevorzugt behandelt.

Mehr als die Hälfte der 200 Millionen Brasilianer haben afrikanische Wurzeln. In den armen Gesellschaftsschichten ist der Anteil der dunkelhäutigen Bevölkerung noch immer besonders hoch. Als eines der letzten Länder hatte Brasilien 1888 die Sklaverei abgeschafft.

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