Schwarze Sonntag für Herrn Van der Bellen:
Erster Rückschritt für den Langzeit-Chef

Generationswechsel in der Partei wird gefordert Van der Bellen punktet mit hohen Sympathienwerten

Schwarze Sonntag für Herrn Van der Bellen:
Erster Rückschritt für den Langzeit-Chef © Bild: APA/Robert Schlager

Alexander Van der Bellen hat am Sonntag seine vierte Wahl an der Spitze der Grünen geschlagen, und es war möglicherweise seine letzte. Nachdem seine Partei nicht nur Rang drei gegen die FPÖ verlor sondern sogar noch hinter das BZÖ plumpsen dürfte, könnte ein Generationenwechsel anstehen. Eva Glawischnig steht seit Jahren bereit.

An den Sympathiewerten des Spitzenkandidaten hat es nicht gelegen, dass die Grünen wieder einmal unter ihren Erwartungen liegen. Van der Bellen mag man und das seit Jahren. Selbst FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache meinte zuletzt, wenn er mit einem seiner Gegner auf eine einsame Insel müsste, wäre das Van der Bellen. In Stimmen ummünzen konnten der Bundessprecher diese persönliche Popularität allerdings nicht. Der Vizekanzlertraum scheint ausgeträumt.

Früher Pessimismus
Schon bei der Stimmabgabe am Sonntag hatte Van der Bellen konzediert, dass es mit dem Erreichen der Wahlziele Platz drei und 15 Prozent nichts werden dürfte. Dass er beim Einwerfen des Stimmzettels gefilmt wurde, fand er albern - Zeichen für eine gewisse Verdrießlichkeit, die dem 64-Jährigen schon seit einiger Zeit nachgesagt wird. Intern umstritten war zuletzt auch sein ständiges Liebäugeln mit einer schwarz-grünen Koalition, die bei der eigenen Basis nur wenige begeistert hätte.

Van der Bellen war es in den vergangenen elf Jahren, in denen er an der Spitze der Partei stand, an sich gelungen, die früher teils stark zerstrittene Bewegung zu einen. Waren die Grünen zu Beginn ihrer politischen Aktionen noch als Chaoten verschrien, schaffte es der Wirtschaftsprofessor, die gespaltene Gruppe zu einer politisch anerkannten Kraft zu führen. Einer Kraft freilich, die schön langsam zu überaltern begann wie ihr Spitzenmann selbst.

Wahlerfolge zu Beginn
Am Anfang der Ära standen aber Wahlerfolge: Seit Van der Bellen 1997 an die Spitze kam, ging es bergauf, wenn auch in gemächlichem Tempo. Stand die Partei zu Beginn gerade einmal bei 4,8 Prozent, konnte 1999 der Stimmenanteil auf 7,4 Prozent gesteigert werden. 2002 erreichten die Van der Bellen-Grünen 9,5 Prozent. 2006 kamen sie auf 11,1 Prozent, überholten die FPÖ und wurden drittstärkste Kraft im Land. Es dürfte Van der Bellens größter Erfolg bleiben, seine vielleicht größte Niederlage war das Platzen der schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen 2002.

Innerparteilich war der humorige Wirtschaftsprofessor lange Zeit zumindest nach außen unumstritten. Schärfere Kritik muss er sich lediglich in regelmäßigem Abstand von EU-Abgeordneten Johannes Voggenhuber gefallen lassen. Dieser hatte dem Grünen-Chef unter anderem vorgeworfen, sich einen "geheimen Hofstaat mit geheimen Machtzirkeln" geschaffen zu haben. Van der Bellen stand ungeachtet dessen zu seinem Umfeld und wehrte die Angriffe eher kühl ab. Nun könnten die Karten neu gemischt werden.

Van der Bellen wurde am 18. Jänner 1944 in Wien als Sohn einer estnischen Mutter und eines russischen Vaters geboren und ist im Tiroler Kaunertal aufgewachsen. Das Volkswirtschaftsstudium absolvierte er in Innsbruck. Als Wirtschaftsprofessor unterrichtete Van der Bellen sowohl in der Tiroler Hauptstadt als auch in Wien.

Politische Karriere
Seine politische Karriere startete Van der Bellen recht spät. Entdeckt wurde der Volkswirtschaftsprofessor vom grünen Urgestein Peter Pilz. 1992 kandidierte er für die Grünen für das Amt des Rechnungshofpräsidenten, 1994 wurde er Nationalratsabgeordneter. Seither ist ein grünes Leben ohne den verheirateten Vater von zwei Söhnen kaum noch denkbar. Er ist mittlerweile schon sechs Mal als Bundessprecher wieder gewählt und führte auch seit drei Legislaturperioden den Parlamentsklub an.

Was Van der Bellen auszeichnet ist sein - für Politiker eher ungewöhnlich - offener, überlegter Stil. Seine längeren Nachdenkpausen bei Interviews sind fast schon legendär. Populär macht ihn seine Gabe, auch Andersdenkenden ernsthaft zuhören zu können und sein Humor mit Anflug von Ironie. Auch scheut sich Van der Bellen nicht, seinem Laster in der Öffentlichkeit zu frönen: Ohne Zigarette trifft man den Fußball- und Burgenland-Fan kaum einmal an.
(apa/red)