Schwarze Hoffnung in Lauerstellung: Josef Pröll bleibt weiter Landwirtschaftsminister

Niederösterreicher wurde vom Nobody zum Star

Schwarze Hoffnung in Lauerstellung: Josef Pröll bleibt weiter Landwirtschaftsminister

Als Josef Pröll (38) 2003 in das zweite Kabinett Schüssel einzog, war die Überraschung groß. Kabinettchef von seinem Vorgänger, Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer, war er und dann noch der Neffe des niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll. Mehr wusste kaum jemand. Aus dem unbeschriebenen Blatt ist vier Jahre später die einzig große Hoffnung der Volkspartei geworden. Geschickt vermarktet und mit Wortwitz und Charme ausgestattet hat sich der "junge Pröll" auf den Weg gemacht, als Leiter einer Art Zukunftskommission die Partei wieder in die Höhe zu führen. In der Regierung bleibt er als Landwirtschaftsminister vorerst noch in der Lauerstellung.

Nach seinem Studium an der Universität für Bodenkultur verdiente sich der gebürtige Stockerauer (14.9.1968) die ersten Sporen als Wirtschaftsreferent im Bauernbund. Pröll arbeitete als Assistent der EU-Abgeordneten Agnes Schierhuber, war dann Kabinettschef von Molterer und Direktor des Wiener Bauernbunds, ehe man ihn für höhere Weihen auserkor. Neben der hohen Politik wäre ihm auch der Weg in den Raiffeisen-Konzern offen gestanden - und tut es wahrscheinlich immer noch.

Derzeit hat sich Pröll aber der Familien-Tradition folgend lieber aufs Politisieren verlegt. Das Landwirtschaftsressort leitete er während der letzten vier Jahre souverän, wie man es von Bauernbündlern in Österreich gewohnt ist. Im Umweltbereich "quälte" ihn der ewige Streit um das AKW Temelin. Mit NGOs krachte er gern zusammen, wenn es beispielsweise um die Reform der Umweltverträglichkeitsprüfungen oder Maßnahmen gegen den Feinstaub ging.

Geschadet haben ihm solche Scharmützel nicht. Als gerne durch die Gegend radelnder Sonnenschein-Minister wuchs Pröll den Österreichern und vor allem den Medien ans Herzen. Sein Eintreten für Genussregionen und seine Abspeckkur von über 30 Kilo schafften Beachtung und Achtung. Und auch die Linke in Österreich konnte mit dem umtriebigen Landwirtschaftsminister nicht gar so schlecht. Immerhin war er der ÖVP-Politiker, der sich am Weitesten gegen ausländerfeindliche Aussagen der FPÖ herauswagte.

Nach der Wahl-Niederlage von Parteichef Wolfgang Schüssel (V) hielten viele angesichts des sich anbahnenden Führungsvakuums Prölls große Stunde für gekommen. Ins Verhandlungsteam mit der SPÖ durfte der vom Kanzler manchmal ein wenig misstrauisch beäugte Minister dann aber doch nicht, auch Fernseh-Auftritte mit hölzern vorgetragenen Parteilinien-Monologen waren für einen flotten Karrieresprung nicht dienlich.

Stattdessen bestellte man Pröll zum Leiter einer Perspektiven-Gruppe, die der Volkspartei ein neues Gesicht geben soll - für den Minister ein ideales Feld, um weitere wichtige Kontakte in der Partei zu knüpfen, sollte es ihn doch einmal ganz nach oben ziehen in der Volkspartei. Eine Voraussetzung dafür bringt Pröll jedenfalls mit, die in der ÖVP gesuchte Mischung aus Ländlichkeit und Urbanität. Er stammt zwar wie Onkel Erwin aus Radlbrunn im Weinviertel, lebt aber seit der Studienzeit in Wien. Verheiratet ist er seit vielen Jahren mit Ehefrau Gabi, das Paar hat drei Kinder.

(apa)