Wie die Zeit vergeht ... von

Was wurde aus Schüssel,
Strasser, Grasser und Co.?

Die Minister der schwarz-blauen Koalition von 2000 bis 2006

Schwarz-Blau © Bild: APA/HARALD SCHNEIDER

Die Minister der schwarz-blauen Koalition von 2000 bis 2006 - das machen die Politiker von damals heute.

Die nächste schwarz-blaue Regierung steht. Grund genug, einen Blick zurückzuwerfen. Was machen die Minister der damaligen ÖVP-FPÖ-Regierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel heute?

Wolfgang Schüssel (ÖVP-Bundeskanzler)

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Wolfgang Schüssel wurde am 4. Februar 2000 als Bundeskanzler angelobt und blieb das auch die folgenden, teilweise sehr turbulenten sechs Jahre. Und davor? Von 1989 bis 2005 war er Wirtschaftsminister der Republik in SPÖ-ÖVP-Koalitionen, dann Vizekanzler und Außenminister. Sein Markenkennzeichen in den frühen Jahren war das "Mascherl".


© APA/Barbara Gindl Wolfgang Schüssel mit Viktor Klima

Schüssel blieb bis 2011 einfacher Abgeordneter im Nationalrat. Aufgrund der Telekom-Affäre legte er sein Mandat nieder. Später war er Kuratoriumsmitglied der Bertelsmann Stiftung, Aufsichtsratmitglied des deutschen Energiekonzerns RWE, Vorsitzender des Kuratoriums der Konrad-Adenauer-Stiftung und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Außenpolitik und die Vereinten Nationen. Nun soll er in den Aufsichtsrat des größten russischen Mobilfunkers MTS (Mobile TeleSystems) einziehen.

Ernst Strasser (ÖVP-Innenminister)

Ernst Strasser
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Nach Wien kam Straßburg. Ernst Strasser kandidierte bei der Europawahl 2009 als Spitzenkandidat der ÖVP und wurde deren Delegationsleiter im Europäischen Parlament. Von Straßburg ins Gefängnis Wien-Simmering. Strasser wurde 2013 zu vier Jahren Haft wegen Bestechlichkeit verurteilt, die später auf drei Jahre gekürzt wurde.

Ab November 2014 saß er für knapp sieben Monate in Haft, bevor er im Mai 2015 eine Fußfessel bekam und die weitere Strafe in überwachtem Hausarrest absitzen sollte. Im September 2016 war Strasser dann fußfesselfrei. Seit 2015 ist Strasser für eine Beratungsfirma in Wien tätig.

Michael Krüger (FPÖ-Justizminister)

Michael Krüger
© APA/Robert Jaeger Michael Krüger 2000

Allzu lange hat Michael Krüger nicht auf der Regierungsbank gesessen. Der damalige Justizminister weilte 25 Tage im Amt. Am 29. Februar 2000 trat er wegen eines "Überlastungssyndroms" ab.
Fünf Jahre später trat Krüger aus der FPÖ aus. Er begründete seinen Schritt mit dem „starken Rechtsruck“ der Partei, einen Kurs, den er nicht mittragen wollte.

2012 war Krüger als Anwalt und Rechtsberater des Team Stronach tätig. Eine neue politische Heimat scheint der heute 61-Jährige wohl in der ÖVP unter Sebastian Kurz gefunden zu haben. Die Liste Kurz unterstütze er im Wahlkampf mit einer Spende von 5000 Euro.
Michael Krüger ist Rechtsanwalt und leitet eine Kanzlei, die sich auf Medien-Angelegenheiten spezialisiert hat. Auf seiner Homepage betont er "keine Zugehörigkeit zu politischen Interessenvertretungen oder Parteien" zu unterhalten.

Dieter Böhmdorfer (FPÖ-Justizminister)

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Auf Krüger folgte Dieter Böhmdorfer. Bis 2004 hatte Böhmdorfer das Amt des Justizministers inne. Und dann der blitzschnelle Abgang. Die Demissionierung erfolgte schnell und überraschend. Selbst der Kanzler soll vom Rücktritt seines Regierungsmitglieds aus den Nachrichten erfahren haben.

Dieter Böhmdorfer widmete sich ab sofort wieder seiner Arbeit als Rechtsanwalt. Heute vertritt er unter anderem Jörg Haiders Erben. Zuletzt war Böhmdorfer im Zuge der Bundespräsidentenwahl in den Medien. Der Jurist war Urheber der Anfechtungsschrift.

Susanne Riess-Passer (FPÖ-Vizekanzlerin)

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Den Doppelnamen trägt sie nicht mehr, nach ihrer Scheidung heißt sie wieder Susanne Riess. Die langjährige Weggefährtin Jörg Haiders trat nach ihrem Zerwürfnis mit dem Ziehvater von allen Funktionen zurück. Bis zur neuen Regierungsbildung blieb sie provisorisch Vizekanzlerin, seit 2004 ist sie Generaldirektorin der österreichischen Wüstenrot-Gruppe und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Bundestheater Holding. Zudem ist sie im Beirat der Signa Holding und im ÖIAG-Aufsichtsrat.

Benita Ferrero-Waldner (ÖVP-Außenministerin)

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Benita Ferrero-Waldner war als Außenministerin die erste Frau in diesem Amt. Im Jahr 2004 trat sie für die ÖVP bei der Bundespräsidentwahl an, verlor jedoch gegen Heinz Fischer. Nach ihrem Ausscheiden aus der Regierung war sie mehrere Jahre lang als EU-Kommissarin tätig. Im Oktober 2017 präsentierte sie ihr Buch "Benita - Wo ein Wille, da ein Weg - Erfahrungen einer Europäerin und Kosmopolitin", in dem sie Bilanz über ihr berufliches und privates Leben zieht.

Elisabeth Sickl (FPÖ-Sozialministerin)

Elisabeth Sickl
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Am 4. Februar 2000 als Sozialministerin angelobt, musste Elisabeth Sickl ihr Amt auf Wunsch der Partei am 24. Oktober 2010 schon wieder verlassen. Danach setzte die frühere Ministerin und Kärntner Landesrätin einen Schlusspunkt unter ihre politische Karriere. Sie zog sich wieder nach Kärnten zurück, wo sie seither das Schloss Albeck bei Sirnitz leitet, das sie 1987 erworben, renoviert und zu einem Kulturzentrum ausgebaut hatte.

Herbert Haupt (Vizekanzler und FPÖ-Sozialminister)

Herbert Haupt
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Auf Elisabeth Sickl folgte Herbert Haupt. Nach den Knittelfelder Turbulenzen brachte er es zum FPÖ-Chef und kurzzeitig sogar zum Vizekanzler. Nach seiner Demontage wurde ihm 2006 der Posten des Behindertenanwaltes überantwortet, den er bis 2009 wahrnahm. Neben dieser überparteilichen Tätigkeit blieb Haupt seinen politischen Wurzeln treu. Bei der Kärntner Gemeinderatswahl 2009 kandidierte er für das Amt des Spittaler Bürgermeisters, allerdings vergeblich.

Nach Ablauf seiner Amtsperiode als Behindertenanwalt kündigte er an, in den Ruhestand zu treten. 2016 heiratete Haupt seine Lebensgefährtin Inge. Diesen September feierte er seinen 70. Geburtstag.

Wilhelm Molterer (ÖVP- Landwirtschaftsminister)

Wilhelm Molterer
© APA/Helmut Fohringer

Wilhelm Molterer war an Schüssels Seite als Landwirtschaftsminister tätig. Als Letzterer 2006 die Kanzlerschaft verlor, musste Molterer als Vizekanzler in eine Große Koalition. Anfang 2007 wurde Molterer zum geschäftsführenden ÖVP-Obmann, Finanzminister und Vizekanzler des Kabinetts Gusenbauer bestimmt. Im selben Jahr wurde er zum Bundesparteiobmann der ÖVP gewählt. 2008 kündigte er die Große Koalition mit der SPÖ mit den Worten "Es reicht" auf. Sein Poker, Neuwahlen auszurufen, ging allerdings doppelt schief.

Denn 2008 behauptete sich erst wieder die SPÖ an der Spitze, und die Sozialdemokraten waren über Molterer so vergrämt, dass sie 2009 seine Nominierung als EU-Kommissar verhinderten. Bis 2011 bekleidete Molterer den Posten eines einfachen Abgeordneten im Nationalrat. Im selben Jahr wurde er Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, womit sein Abschied aus der österreichischen Innenpolitik besiegelt war. 2015 wurde Molterer schließlich vom Europaparlament zum geschäftsführenden Direktor des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) benannt.

Herbert Scheibner (FPÖ-Verteidigungsminister)

Herbert Scheibner
© APA/HERBERT PFARRHOFER

Von der damals freiheitlichen Regierungsmannschaft findet sich noch einer im Parlament. Herbert Scheibner wurde am 4. Februar 2000 zum Verteidigungsminister angelobt, er ist für den von Thomas Klestil abgelehnten Hilmar Kabas eingesprungen. Im zweiten Kabinett unter Schüssel ging das Amt des Verteidigungsministers an die ÖVP, ab Februar 2003 war Scheibner daher wieder als Klubobmann der FPÖ tätig. Im Zuge der Spaltung der FPÖ wechselte er wie viele Abgeordnete von der FPÖ zum BZÖ. Danach wurde er stellvertretender Klubobmann beim BZÖ.

2013 zog sich Scheibner schließlich komplett aus der Politik zurück und konzentrierte sich nur noch auf seine 2007 gegründete Beratungsfirma, die sich auf den arabischen Raum spezialisiert hat.

2011 hatte er mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen: Auf Konten von Scheibner soll von rüstungsnahen Firmen Geld geflossen sein. Ermittlungstechnisch herausgekommen ist dabei aber nichts.

Michael Schmid (FPÖ-Verkehrsminister)

Ex-Infrastrukturminister Michael Schmid
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Michael Schmid war nur sehr kurzzeitig Infrastrukturminister: von Februar 2000 bis zu seinem Rücktritt im November 2000. Gleichzeitig ist er als Chef der steirischen FPÖ zurückgetreten. Nur ein Jahr später ist er nach öffentlichen Querelen um seine Ministerpension aus der FPÖ ausgetreten. Später kehrte er mit Rückenwind von Jörg Haider als BZÖler in die steirische Politik zurück. 2005 verfehlte er als steirischer Spitzenkandidat den Einzug in den Landtag klar. Zuletzt war der heute 72-Jährige als politischer Berater beim BZÖ tätig. Michael Schmid lebt mit seiner Familie in St. Stefan ob Stainz.

Monika Forstinger (FPÖ-Verkehrsministerin)

Monika Forstinger
© Stefan Seyfert

Monika Forstinger folgte Schmied im Amt nach und war bis zum 18. Februar 2002 Verkehrsministerin. Nach ihrem Rücktritt 2002 absolvierte sie ein Postgraduate-Studium in Fontainebleau, Frankreich. Danach gründete sie ihre eigene Beratungsfirma "proques" – mit Hauptsitz in ihrer oberösterreichischen Heimat Roitham. Forstinger war zudem in die Buwog-Affäre involviert, sie wurde diesbezüglich 2010 von der Justiz einvernommen.

Mathias Reichhold (FPÖ-Verkehrsminister)

Mathias Reichhold
© APA/ROLAND SCHLAGER

Mathias Reichhold folgte wiederum für ein Jahr lang Forstinger als Verkehrsminister nach. 2003 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik und auf seinen Bio-Bauernhof zurück. Der ehemalige, kurzzeitige FPÖ-Chef und Infrastrukturminister durchlebte anschließend eine illustre Karriere in der Privatwirtschaft: Manager bei Magna 2003, Vorstandsmitglied der Asfinag 2006, Aufsichtsrat der Klagenfurter Stadtwerke 2010, Aufsichtsrat beim Regionalliga-Fußballclub Austria Klagenfurt 2010 und Berater von Ex-FPÖ-Bürgermeister Christian Scheider.

Außerdem war Reichhold 2011 in die Telekom-Affäre verstrickt, allerdings wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt. Daneben – und bis heute - widmete sich Reichhold immer wieder der Zucht von landwirtschaftlichen Nutztieren, alles bio versteht sich.

Elisabeth Gehrer (ÖVP-Bildungsministerin)

Elisabeth Gehrer
© APA/HERBERT PFARRHOFER

Elisabeth Gehrer hatte insgesamt von 1995 bis 2007 das Amt der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur inne. Nachdem die ÖVP 2006 bei der Nationalratswahl massiv an Stimmen verloren hat, gab Gehrer ihren Rückzug aus der Politik bekannt und legte schließlich im Jänner 2007
alle politischen Ämter nieder. Unter ihrer Ägide wurden zahlreiche Bildungsreformen durchgeführt: Unter anderem trieb sie den Ausbau der Fachhochschulen voran, es wurden bologna-konforme Studien beziehungsweise der Bachelor eingeführt und auch die Studiengebühren. Sie ließ die Schulautonomie ausbauen, die Schulinfrastrukturen und unter ihr wurde die Zweidrittelmehrheit für Schulgesetze abgeschafft.

Im Bereich Kunst und Kultur kämpfte sie um den Verbleib der Klimt-Bilder. Das Verfahren hat Österreich 2006 verloren.

Die heute 75-Jährige genießt mittlerweile ihre politische Pension in ihrem Haus in Bregenz. Öffentliche Auftritte absolviert sie aber noch immer, wie beispielsweise im Oktober 2017 anlässlich der Feier "10 Jahre Pädagogische Hochschulen" in Wien.

Karl-Heinz Grasser (Finanzminister)

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Der Topstar aus der schwarz-blauen Regierung steht nach wie vor wohl am Präsentesten in der Öffentlichkeit – auch dieser Tage: Im April wurde die Anklage vom Oberlandesgericht Wien genehmigt, nun ist der Prozessstart (vorläufig) fixiert. Am 12. Dezember 2017 beginnt der Buwog-Strafprozess gegen den Ex-Finanzminister und 14 weitere Angeklagte. Sie müssen sich wegen des Vorwurfs der Untreue und Bestechung bei der Privatisierung der Bundeswohnungen und beim Linzer Bürogebäude Terminal Tower vor Gericht verantworten. Alle Angeklagten bestreiten die Vorwürfe.

Grasser zog sich nach der Wahl 2006 aus der Politik zurück, nachdem Schüssels Wunsch, ihn zum Vizekanzler zu machen, in der ÖVP nicht durchsetzbar war. Noch im Jahr seines Amtsaustritts stieg Grasser bei "Meinl International Power" ein. Nach der Verhaftung Julius Meinl V, verkaufte er 2009 seinen Anteil allerdings wieder. 2007 gründete er die Lobbying-Agentur "Valora", die sich ein Jahr später auflöste. Danach folgte die Gründung der Vermögensverwaltung SMW OG sowie der Immobiliengesellschaft GPS, die Grasser mit 2011 verließ. Privat ist er seit 2005 mit Fiona Swarowski verheiratet.

Martin Bartenstein (ÖVP-Wirtschaftsminister)

© APA/Helmut Fohringer

Der schwarze Querverbinder zu den Blauen war stets Martin Bartenstein, der sich immerhin bis zur letzten Wahl auch nach Schüssels Abgang als Wirtschaftsminister in der Regierung hielt. Von 2008 bis 2013 war er Abgeordneter im Nationalrat, danach nahm er einen Fulltime-Job in seinem Pharmaunternehmen G&L Pharma an. Auch agierte er als Investor und übernahm den Büromöbelhersteller Bene.