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Schwangere getötet: Mordprozess in Vorarlberg ging in dritte Runde

28-Jähriger soll Ex-Freundin erwürgt haben

Mit der Einvernahme von weiteren Zeugen ist am Dienstag der Mordprozess an einer schwangeren Frau am Landesgericht Feldkirch in die dritte Runde gegangen. Der 28-jährigen Kindsvater wird beschuldigt, seine hochschwangere Ex-Freundin im November 2015 in ihrer Wohnung in Frastanz (Bez. Feldkirch) im Schlaf erwürgt und danach einen Brand gelegt zu haben. Der Angeklagte streitet die Tat ab.

Am dritten Verhandlungstag standen weitere Zeugenbefragungen sowie die Aussage eines Spezialisten der Polizei auf dem Programm. Letzterer soll klären, ob und wie sicher Bewegungsdaten aus einem abgeschalteten Handy gezogen werden können. Angedacht sind für Dienstag auch die Schlussplädoyers sowie das Urteil. Beides ist wahrscheinlich, aber nicht zu 100 Prozent sicher. Sollte der Prozess in erster Instanz am Dienstag zu Ende gehen, wird auf jeden Fall nicht vor den Abendstunden mit einem Urteil gerechnet. Der Prozess gegen den 28 Jahre alten Mann aus der Dominikanischen Republik war zunächst auf zwei Tage angesetzt, wurde nach dem ersten Verhandlungstag am 22. November jedoch noch um einen Tag erweitert. Am ersten Prozesstag wurde zwölf Stunden lang verhandelt, am gestrigen Montag von 9.00 Uhr bis 20.30 Uhr.

Der Arbeitslose, der in Liechtenstein wohnt, soll laut Anklage in den frühen Morgenstunden des 4. November 2015 in die Wohnung seiner Ex-Freundin eingedrungen sein und die Schwangere mit bloßen Händen im Schlaf erwürgt haben. Dadurch starb auch das ungeborene Kind. Im Anschluss hat er laut Staatsanwalt Philipp Höfle - offenbar um die Tat zu vertuschen - mithilfe eines Brandmittels Feuer gelegt. Der Leichnam der Frau wurde von den Flammen erfasst. Der 28-Jährige steht wegen Mordes, Brandstiftung, gewaltsamen Schwangerschaftsabbruchs sowie Störung der Totenruhe vor Gericht.

Direkte Beweise gegen den Angeklagten gibt es nicht. Weder haben Zeugen die Tat beobachtet, noch wurden belastende Spuren in der Wohnung der allein lebenden Frau gefunden, die den Täter hätten überführen können. Der 28-Jährige wiederholte auch am zweiten Verhandlungstag vor Gericht, nicht schuldig zu sein. Er wurde allerdings von einer Zeugin - die im selben Haus wohnt wie der Angeklagte - schwer belastet. Am Dienstag sagte sie aus, wahrgenommen zu haben, wie er am 4. November, am Morgen nach der Tat, zwischen 5.00 und 6.00 Uhr mit dem Auto nach Hause gekommen sei. Er habe vor dem Haus geparkt, den Kofferraum geöffnet und etwas herausgenommen. Was das gewesen sein soll, hat die Frau allerdings nicht erkennen können. Sie sei aber ganz sicher, dass es sich bei dem Mann um den Angeklagten gehandelt habe.

Dass der Dominikaner nicht von der Schwangerschaft des Opfers begeistert gewesen war, bestätigten zwei Nachbarinnen der Getöteten. Eine Cousine sprach auch von einem Streit zwischen den beiden, der Angeklagte habe die werdende Mutter dazu gedrängt, das ungeborene Kind abzutreiben. Ihre Verwandte habe ihr außerdem erzählt, dass der 28-Jährige zum Ende des Jahres in die Dominikanische Republik zurückkehren wolle und das Kind ihm nun alles vermasseln würde. Der Angeklagte selbst, der zur Zeit der Schwangerschaft seiner Ex-Freundin auch noch eine Beziehung zu einer anderen Frau unterhielt, hatte am ersten Verhandlungstag behauptet, von der Nachricht schockiert gewesen zu sein. Künftige Alimente seien jedoch kein Problem gewesen, die Schwangerschaft hätte "nicht mein Leben zerstört", sagte der bisher Unbescholtene aus. Lediglich auf einen Vaterschaftstest habe er bestanden, den die Ermordete auch durchgeführt habe.

Der 28-Jährige war noch am Tag der Tat verhaftet worden, seither saß er in Untersuchungshaft. Seiner Version zufolge hat ein Bekannter die Tat begangen, um ihm eins auszuwischen. Laut Anklage gibt es dafür aber keinerlei Hinweise.

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