Schumacher zeigt Nerven: Fehlerhaftes Rennen in der Türkei macht Alonso stark

Aufholjagd abrupt gestoppt - Massas Sieg geht unter Klien wehrt sich gegen Cockpit in Champ-Car-Serie

Bei seiner Aufholjagd auf Weltmeister Fernando Alonso überrascht Michael Schumacher mit einer hohen Fehlerquote. Das Rätselraten um seine Zukunft und ein ebenbürtiger Gegner im Titelkampf zehren offensichtlich an den Nerven des siebenmaligen Weltmeisters. Der mitverschuldete dritte Platz beim Großen Preis der Türkei hinter dem "falschen" Ferrari-Sieger Felipe Massa und seinem WM-Rivalen Alonso im unterlegenen Renault war für den 37-Jährigen eine weitere bittere Niederlage.

"Wie kann ein Pilot von der Klasse eines Schumacher zwei Fehler in Budapest machen, in Istanbul wieder schwere Fehler begehen und sich damit die von allen erwartete Aufholjagd selbst so schwer machen?", fragte die italienische "La Gazzetta dello Sport" und vermutet: "Vielleicht ist er der Gefangene seines eigenen Geheimnisses geworden. In seinem Inneren akzeptiert er seinen Rücktritt nicht, den er in zwei Wochen in Monza verkünden wird." Für "La Repubblica" schien "es bei seinem Anblick so, als habe sein Abstieg begonnen".

Schumacher blieben am Bosporus nur Durchhalteparolen: "Wir werden alles versuchen. Aufgegeben wird nach dem letzten Rennen, wenn die Zielflagge unten ist." In Istanbul wollte er den Rückstand auf seinen zwölf Jahre jüngeren Konkurrenten verkürzen. Stattdessen baute der Spanier (108 Punkte) seine Führung auf 12 Zähler gegenüber Schumacher (96) aus.

Fehler über Fehler
Schon im WM-Lauf in Budapest hatte Schumacher gepatzt. In Istanbul vergab er in der Qualifikation die Pole Position durch zwei Fahrfehler. Im Rennen kam Schumacher einmal - auch bedingt durch schlechte Reifen - von der Piste ab, verlor vier Sekunden, die ihm fehlten, um nach dem letzten Boxenstopp vor Alonso auf die Strecke zurückzukehren. "Wir werden weiterhin Druck machen und wir werden weiterhin Risiken eingehen, denn das ist die einzig mögliche Taktik", versprach er dennoch.

Zudem tat Ferrari seinem Chefpiloten nicht den Gefallen, in der frühen Safety-Car-Phase ihn und nicht seinen in Führung liegenden Teamkollegen Massa in der Box zuerst zu bedienen. Von einem Fehler wollte Teamchef Jean Todt aber ebenso nichts wissen wie vom "fixen" Rücktritt Schumachers, den in Istanbul sogar Formel 1-Boss Bernie Ecclestone bereits verkündet hatte. "Ich weiß eine Menge von dem, was bei Ferrari hinter den Kulissen abgeht. Wenn der Tag gekommen ist, werden wir es bekannt geben", sagte Todt.

Wirft Schumi das Handtuch?
Die bevorstehende Entscheidung über seine Zukunft scheint Schumacher mehr zu belasten als gedacht. Auch in Istanbul verfolgte ihn die Frage nach dem Ende oder der Fortsetzung seiner einmaligen Laufbahn. "Ich hoffe, dass ihn die Journalisten endlich in Ruhe lassen. Er soll sich auf sein Rennen konzentrieren und nicht auf die Entscheidung, was er tun wird", sagte sein Manager Willi Weber. Ruhe wird es aber erst geben, wenn beim Ferrari-Heimrennen in Monza am 10. September die Scuderia das Geheimnis um das Fahrerduo 2007 lüftet.

Alonso kann der Wirbel um Schumachers Pläne nur recht sein. Im Vorjahr war ein Duell mit Schumacher ausgefallen, weil dessen Ferrari zu schwach war. In Istanbul kam es zu einem Showdown, als Alonso 15 Runden lang die Angriffe seines Konkurrenten im unterlegenen Renault abwehrte und am Ende 0,081 Sekunden vorn war. "Fernando fuhr wie ein Weltmeister", lobte Teamchef Flavio Briatore. Alonso weiß allerdings auch, dass Ferrari derzeit das stärkere Autos hat als Renault. "Wir müssen besser werden", forderte er.

Red Bull geht die Energie aus
Ein weiteres Wochenende zum Vergessen erlebten die beiden Red-Bull-Teams. Der per Saisonende aussortierte Christian Klien war als 11. bester RB-Pilot, das sagte alles. Der Vorarlberger sträubt sich aber, den angebotenen Vertrag für die nordamerikanische Champ-Car-Serie zu unterschreiben.

Bis Monza kann der Hohenemser noch Ja sagen, sonst bekommt Toro-Rosso-Ersatzpilot Neel Jani (SUI) 2007 sein Cockpit. Klien will aber offensichtlich unbedingt in der Formel 1 bleiben, deshalb wird er bereits mit einigen Nachzügler-Teams in Verbindung gebracht. Ein Platz als Red-Bull-Testfahrer dürfte angesichts der Dissonanzen zum Mateschitz-Chefberater Helmut Marko die unwahrscheinlichste Lösung sein.

(apa/red)