Schulsystem soll vereinheitlicht werden: Statt drei künftig nur mehr ein Schulerhalter

Gesetzgebung der Schule soll Sache des Bundes sein Fragen der Verwaltung in die Hände der Länder legen

Schulsystem soll vereinheitlicht werden: Statt drei künftig nur mehr ein Schulerhalter © Bild: APA/Fohringer

Eine Vereinheitlichung des Systems der Schulverwaltung fordert die Expertenkommission "Zukunft der Schule". So soll es künftig nur einen Schulerhalter statt drei (Bund, Länder, Gemeinden, Anm.) geben, für die Schul-Gesetzgebung soll nur der Bund, für die Verwaltung die Länder zuständig sein. Im Lehrerbereich will die Kommission ein einheitliches Dienst- und Besoldungsrecht ohne Pragmatisierung.

Kommissions-Vorsitzender Bernd Schilcher ortete bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in der derzeitigen Kompetenzlage eine "enorme Parallele zur Gesundheitspolitik". Es gebe Doppelverwaltungen mit 200 bis 250 Leuten in den Ländern, wo die Hälfte genügen würde. Eine einheitliche Bundesgesetzgebung sei schon aufgrund der Größe Österreichs sinnvoll - "Österreich ist zu klein, um sich diesen Kleingartenzirkus leisten zu können", so Schilcher. Vorarlberg sei so groß wie der Bezirk Liezen, habe aber eine eigene Schulgesetzgebung. Gleiches gelte beim Dienstrecht: Er könne sich nicht vorstellen, dass die Identifikation mit einem gewissen Bundesland über das Lehrerdienstrecht erfolge - "das wäre exotisch". Im Dienstrecht müssten allerdings Spielräume für die Ausgestaltung an den einzelnen Schulen enthalten sein.

Die Schulautonomie soll forciert werden: So soll sich der jeweilige Direktor seine Lehrer aussuchen - nur dann würde er auch voll hinter ihnen stehen. Der Schule soll außerdem überlassen werden, wie die Zeiteinteilung im Unterricht aussieht, wie lange einzelne Lernphasen dauern und welche Abfolge von Stillarbeit, Projektarbeit und Facharbeit es geben soll. Auch die Anwesenheitszeit der Lehrer könne autonom geregelt werden.

Unterrichtsministerin Schmied sieht sich in ihrer bisherigen Arbeit durch den zweiten Zwischenbericht der Expertenkommission bestätigt. Viele der Vorschläge ließen sich aber nicht von heute auf morgen realisieren, so Schmied in einer Aussendung.

Pflicht-"Startschuljahr" für alle
Unter anderem fordert die Kommission auch ein verpflichtendes, kostenfreies "Startschuljahr" für alle Kinder. Der Bildungsstart mit sechs Jahren erfolge derzeit zu spät, so Bernd Schilcher. Auch der muttersprachliche Unterricht für Migrantenkinder setze zu spät ein - er müsse bereits mit drei, vier oder fünf Jahren beginnen. Generell gelte, dass die rund 300.000 Schüler mit Migrationshintergrund derzeit schlecht behandelt würden.

Verändern will die Kommission außerdem den Unterricht und das Angebot an Schulen. An den Pflichtschulen gebe es kaum Werkstätten für entsprechend begabte Kinder, generell sei das Kultur-Angebot etwa für Theater, Literatur, Musik oder Tanzen zu gering - es werde vielfach nur als unverbindliche Übung behandelt und bei Kürzungen als erstes gestrichen, so Schilcher.

Im Unterricht selbst wiederum würden hauptsächlich Antworten auf Fragen gegeben, die im Leben sonst nur in der "Millionenshow" gestellt würden ("Wer hat 'Tu felix austria nube' gesagt?"). Nach Ansicht Schilchers leide Österreich nach wie vor unter der "preußisch-habsburgischen Militärschule", deren Klassengröße von anfangs 120 durch die Kompaniestärke vorgegeben wurde. Relikte wie das Habt-Acht-Stehen zu Beginn des Unterrichts, die 50-Minuten-Unterrichtseinheit ("eine Stunde Exerzieren minus zehn Minuten Austreten und Pfeiferauchen") oder das reine Fehler-Suchen bei Prüfungen als einzige Beurteilungschance bei 120 Schülern würden noch nachwirken.

Expertenpapier für ÖVP "bekannte Vorschläge"
Als "Zusammenführung bekannter Vorschläge" bewertet ÖVP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer den zweiten Zwischenbericht der Expertenkommission zur "Zukunft der Schule". Er verschließe sich "gegen nichts, was der Verbesserung des Unterrichts und des Schulklimas dient", es fehlen ihm allerdings eine "Abwägung und Auflistung von Vor- und Nachteilen" bzw. Effekten der einzelnen vorgeschlagenen Maßnahmen, erklärte Neugebauer in einer Aussendung.

Von Unterrichtsministerin Claudia Schmied forderte Neugebauer, ihre politische Verantwortung wahrzunehmen. Sie müsse aus der Fülle der Vorschläge, die von verschiedensten Seiten kommen, konkrete Maßnahmenpakete identifizieren und auch umsetzen.

Österreich ist nach Ansicht des Bildungssprechers der Grünen, Dieter Brosz mittlerweile Europameister bei der Erstellung von Veränderungsvorschlägen für das Schulsystem. Es wäre schön langsam an der Zeit, dass endlich etwas umgesetzt wird, anstatt "tonnenweise geduldiges Papier zu produzieren", meinte Brosz in einer Aussendung. Von Schmied fordert er, konkrete Maßnahmen noch in dieser Legislaturperiode zu setzen. Denn "Zehnjahrespläne sind unter einem Bundeskanzler Gusenbauer eher eine Idee für politisches Kabarett als für eine wirksame Bildungspolitik", so Brosz. (APA/red)