LEITARTIKEL von

Schule made in Austria

Es gibt kaum ein besseres Beispiel dafür, wie falsch verstandener Föderalismus unsere Zukunft gefährdet

LEITARTIKEL - Schule made in Austria © Bild: News

Was sich in Österreichs Schulen abspielt, quittieren ausländische Beobachter höchstens mit einem Schmunzeln. So ein kleines Land, so große Schwierigkeiten, sich ein adäquates Bildungssystem zu verpassen. Wie kann es sein, dass vor lauter Schulversuchen ein Dschungel entsteht, den nicht einmal mehr Eltern und Lehrer, geschweige denn andere Mitbürger verstehen? Generell heißt es bloß: Die Jungen können nicht mehr schreiben und rechnen; die Unternehmen suchen Lehrlinge - viele aber schaffen kaum die Fachausbildung. Das ist landläufige Meinung und hat leider einen wahren Kern. Wahr ist aber auch, dass unzählige Schüler ausgezeichnete Bildung genießen. Und ebenso, dass ein Kind schon mit sechs Jahren de facto auf das Abstellgleis gerät, wenn es in der falschen Schule sitzt - und nicht in das lohnende und teure Privatschulsystem gelangt, das sich gut situierte Eltern leisten können. Das ist die Realität in unserem Schulsystem im Jahr 2017.

Schuld an der Misere sind die Langzeitregierungspartner SPÖ und ÖVP, die sich seit Jahrzehnten einen Kampf um Ideologien liefern und sich zu wenig um das eigentlich Wesentliche, eine gute Schulbildung, kümmern. Ganztags-oder Gesamtschulen oder wie immer die Modelle lauten: Das ist doch nicht das alleinige Thema. Gerade weil immer mehr Menschen aus anderen Ländern zuziehen, können wir doch nicht wegschauen, wenn Schulen mit einem Anteil von teilweise 80 Prozent Kindern nichtdeutscher Muttersprache in der Großstadt zur Normalität werden. Reagiert die Politik darauf nicht, wird allen Kindern, die in eine solche Schule gehen, die Zukunft schwerer gemacht. Das nennt man klassisches Systemversagen.

Es braucht mehr öffentliches Geld - für kleinere Klassen, für mehr männliche Lehrer insbesondere in der Volksschule, für eine vernünftige Entlohnung bei ganztägiger Arbeit und dem Verzicht auf extralange Urlaube. Der Berufsstand muss neu gelebt werden. Nicht zuletzt muss das System klar aufgesetzt werden. Sprich: föderale Zugriffe einschränken und dem Bund radikal mehr Zuständigkeiten geben. Da jammern viele über die Zentralmatura. Was sonst soll zu einer Vergleichbarkeit der Auszubildenden führen? Benchmark nennt man das in der Wirtschaft. Transparenz im System würde zu besseren schulischen Erfolgen führen.

In Österreich kann das Schulniveau außergewöhnlich hoch und genauso abenteuerlich tief sein, je nachdem, in welcher Einrichtung sich ein junger Mensch befindet. Ein Hohn für Lehrer, Schüler und Eltern. Die Gesellschaft muss sich fragen, wie wichtig ihr die Ausbildung der Kinder ist. Wenn wir nichts in sie investieren, werden sie nichts mehr lernen und sich in diesen ohnehin rauen Zeiten nicht zurechtfinden im Leben.

Die ältere Generation ist es der folgenden schuldig, sie zu unterstützen, bis sie auf eigenen Beinen stehen kann. Der Generationenvertrag ist im Bereich Schule längst ausgehebelt. Das muss in Österreich schnellstmöglich wieder rückgängig gemacht werden. Sonst werden wir uns bald noch über sehr viel wundern. Mehr, als uns lieb ist. Ein Blick in die Vororte von Paris mit zu vielen schlecht ausgebildeten Menschen nordafrikanischer Abstammung genügt. Sie haben keine Jobs, keine Perspektive und geraten leichter auf die schiefe Bahn - mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesellschaft.