Schuldspruch in Folterskandal: US-Soldatin Lynndie England zu 3 Jahren Haft verurteilt

Militärgericht spricht sie in 6 von 7 Punkten schuldig Soldatin zeigt sich reuig & entschuldigt sich für Fotos

Die US-Soldatin Lynndie England ist wegen des Folterskandals von Abu Ghraib zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Ein Militärgericht in Fort Hood im US-Staat Texas hatte die 22-Jährige in sechs von sieben Anklagepunkten schuldig gesprochen. England wird außerdem unehrenhaft aus der Armee entlassen.

Die Reservistin war auf einigen der Bilder zu sehen, mit denen der Folterskandal in der ganzen Welt für Schlagzeilen sorgte. Ihr drohten neun Jahre Haft. England hatte sich reuig gezeigt und sich für die Fotos bei den "Gefangenen, den Familien, Amerika und allen Soldaten" entschuldigt. Die Anklage hatte auf vier bis sechs Jahre Haft plädiert.

England bat die Geschworenen auch, ihr nach der Verurteilung ihr Baby zu lassen. Sie habe Angst, ihren kleinen Sohn fortgeben zu müssen, sagte England. Sie fürchte, dass ihr Sohn sie nicht als seine Mutter erkennen werde, wenn sie eines Tages aus der Haft entlassen werde.

Kindsvater ebenfalls verurteilt
Die Soldatin war durch Fotos aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad zum bekanntesten Gesicht des Skandals geworden. Auf den Fotos war etwa zu sehen, wie sie einen nackten und am Boden liegenden Häftling wie einen Hund an der Leine hält.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte England einen Sohn zur Welt gebracht, der aus der Beziehung zu ihrem ehemaligen Vorgesetzten im Abu-Ghraib-Gefängnis, Charles Graner, stammt. Graner war wegen der Misshandlungen zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Misshandlungen in Afghanistan: Fünf Monate Haft
Wegen Misshandlung eines Gefangenen in Afghanistan ist ein US-Soldat am Mittwoch von einem Militärgericht im texanischen Fort Bliss zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden. Feldwebel Joshua Claus wird zudem unehrenhaft aus den Streitkräften entlassen. Er war der sechste US-Soldat, der nach dem Tod zweier Häftlinge auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram Ende 2002 wegen Gewaltanwendung verurteilt worden ist.

Claus bekannte sich schuldig, einem Gefangenen Wasser in die Kehle geschüttet und dem Mann eine Kapuze übergestreift zu haben. Außerdem habe er einen Häftling gezwungen, sich auf dem Boden zu wälzen und ihm und einem anderen Soldaten die Stiefel zu küssen. "Es war sehr erniedrigend", sagte Claus. "Ich sagte ihm, dass er weniger wert sei als Dreck." Der Soldat, der die Häftlinge verhören sollte, gab Frustration während der Befragungen als Motiv an.

Bisher wurde vor Gericht keiner der verurteilten US-Soldaten für den Tod der beiden Gefangenen verantwortlich gemacht.

(apa/red)