Schuldenkrise von

Tränen wegen Sparkurs

Ministerin Elsa Fornero weint wegen Pensionsreform. Premier verzichtet auf Gehalt.

Schuldenkrise - Tränen wegen Sparkurs © Bild: Reuters/Stringer

Blut und Tränen verlangt der italienische Premier Mario Monti von seinen Landsleuten, um Italien vor einer Staatspleite zu retten, die den ganzen Euro-Raum in den Abgrund reißen könnte. Tränen vergoss auch die strenge Arbeitsministerin Elsa Fornero bei der Vorstellung der Eckpunkte ihrer drastischen Pensionsreform, als sie den Italienern live verkünden musste, dass die meisten Pensionen in Zukunft nicht mehr an die Inflation gekoppelt seien und damit de facto sinken würden. Premier Mario Monti verzichtet aus Solidarität auf sein Gehalt.

Mitgenommen wirkte Fornero bei der Auflistung der Punkte ihrer umstrittenen Reform, die eine Anhebung des Pensionseintrittsalters vorsieht, so dass Männer und Frauen 2018 mit 66 Jahren in den Ruhestand treten werden. Als sie am Schluss dann aber noch hinzufügen wollte, dass die jährliche Anpassung an den Inflationsindex ausfallen würde, konnte sie den Gefühlsausbruch nicht mehr unterdrücken. "Wir müssen Opfer verlangen...", brachte die Ministerin noch heraus. Das Wort "Opfer" konnte sie aber praktisch kaum mehr aussprechen. Fornero schluchzte vor laufenden Kameras während die Fotografen sie gnadenlos abblitzten. Premier Monti musste die Ausführungen selbst zu Ende führen.

Die weinende Ministerin ist zum Star in den italienischen Medien und zum Symbol der Schmerzen Italiens in dieser schwierigen wirtschaftlichen und politischen Phase aufgerückt. "Auch Fachleute haben ein Herz", kommentierte die römische Tageszeitung "La Repubblica". "Das Expertenkabinett um Monti, die kühlste Regierung in der republikanischen Geschichte Italiens zeigt, dass sie Gefühle hat", analysierte das Blatt.

Monti verzichtet auf Gehalt
Italiens Premier Mario Monti verlangt von seinen Landsleuten beträchtliche Opfer zur Eindämmung der Staatsschuld, will aber mit gutem Beispiel vorangehen. Als privaten Beitrag zu den Sparbemühungen verzichtet der Regierungschef auf sein Gehalt als Ministerpräsident und Wirtschaftsminister. Die Fachleute-Minister und jene Staatssekretäre, die keine Parlamentarier sind, werden nur den Grundbetrag und die Pensionseinzahlungen für ihre Arbeit im Kabinett in Anspruch nehmen, erklärte Monti. Ob er auch auf sein Gehalt als Senator auf Lebenszeit verzichten wird, wollte Monti nicht bekanntgegeben.

"Ich wollte ursprünglich mein Gehalt einer Wohltätigkeitsorganisation zuschanzen. Ich denke aber, dass es das Beste ist, mein Gehalt den Staatskassen zufließen lassen", betonte der Premier. Er fügte hinzu, dass es allerdings nicht unmoralisch sei, dass Regierungsmitglieder für ihre Leistungen bezahlt werden. Die Regierungsmitglieder wollen volle Transparenz ihrer Einnahmen garantieren, bekundete Monti.

Kommentare

Österreich ist anders! ÖVP+SPÖ einigen sich bei den Beamten auf Kostern des Steuerzahlers und freuen sich darüber!

geronimo75 melden

Erbärmliches Schauspiel Menschen lassen sich mittels Emotionen sehr leicht kaufen. Mitgefühl ist eine grundlegende Eigenschaft der Menschheit.
Interessiert es nur einen wohlhabenden Politiker tatsächlich wie sich sein Wahlvolk über Wasser halten muss?
Letztendlich zählt für diese besondere Spezies Mensch stets nur das satte Plus am Gehaltszettel.
Um dieses höchstmöglich ausfallen lassen zu können sind mittlerweile alle Wege rechtens, auch vorgespielte Gefühlsausbrüche.
In Europa könnte man so leicht sparen - nehmen wir das Gehalt eines Sportprofis (zB. Fussballers her) - Millionen werden leichtfertig verschleudert. Kritisiert wird dieses Untreiben jedoch selten - und was ist ein simpler Fussballer im Vergleich zu einem hochrangigen Wirtschaftsboss?
In der Elite entscheidende Maßnahmen treffen.

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Re: Erbärmliches Schauspiel naja, was letztendlich wirklich zu den Tränen geführt hat, werden wir wohl nie erfahren. Aber warten wir mal ab, was die Unsrigen machen, wenn\'s dann mit dem Sozialabbau soweit ist. Zu Tränen wird\'s wohl eher nicht kommen, eher zu gegenseitigen Schuldzuweisungen.
Oder man machts wie in Kärnten, wo man Steuergeld, das man zuvor Behinderten weggenommen hat, vor der Kamera grinsend als Almosen verteilt und so tut als käme dieses Geld direkt aus der FPK-Kasse.

Da sind mir die Tränen dieser Dame noch lieber.

Österreich ist anders! 30.11.2011: Beamtenquote sogar höher als in Griechenland .... Allerdings betrug der Anteil der öffentlich Bediensteten an der Gesamtbeschäftigung laut OECD- Studie 2009 noch 12,9 Prozent – der Griechenlands 12,6 Prozent.

30.11. 2011 Club 2 im ORF: Würde Österreich jährlich 1% seiner Staatschulden zurück zahlen (davon sind wir meilenweit entfernt) dauert es 217 Jahre bis alle Schulden samt Zinsen und Zinseszinsen getilgt sind. Bei Griechenland dauert es etwa 1.500 Jahre. Bis 2015 macht die Regierung 53 Mrd. neue, noch höhere Schulden und sagt dazu "sparen"!

4.12.2011: Die Regierung macht bis 2015 53 Mrd. neue, noch höhere Schulden (Rechnungshofpräsident Moser in der ORF Pressestunde)

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