Schuldenkrise von

Griechenland soll Rechnung zahlen

Die EU fordert Griechenland auf, offene Rechnungen zu bezahlen

Schuldenkrise - Griechenland soll Rechnung zahlen © Bild: APA/DPA/Berg

Zum Bezahlen offener Rechnungen hat die Troika aus EZB, EU-Kommission und IWF Griechenland aufgefordert. "Es wäre ein erster Schritt, die angehäuften Außenstände zu begleichen", sagte der deutsche Chef der EU-Mission, Horst Reichenbach, am Dienstag in Athen. Die Experten der drei Institutionen wollen sich vor Ort über Reformfortschritte informieren und darüber entscheiden, ob das pleitebedrohte Euro-Land die nächste Kredittranche erhalten kann.

Die Schuldenkrise hat dazu geführt, dass die von den internationalen Finanzmärkten abgeschnittenen Banken nur noch zögerlich Kredite vergeben und der klamme Staat Rechnungen lange liegen lässt, um bei Kasse zu bleiben. Dieses Problem behindere alle Reformfortschritte, sagte Reichenbach.

Rechnungen in Milliardenhöhe
Lieferanten in der Industrie sitzen auf einem Berg offener Rechnungen von rund 6,5 Mrd. Euro. Die Forderungen reichen von Arzneimittellieferungen der Pharmabranche für Krankenhäuser bis hin zu teuren Bauleistungen für den griechischen Staat. Die Regierung kündigte an, die Zulieferer - wenn möglich - noch in diesem Jahr zu bezahlen. Zudem wolle sie die Rüstungsausgaben senken und den Umbau der Staatsunternehmen vorantreiben, teilte das Finanzministerium mit. Ziel sei es, das Haushaltsdefizit abzubauen und zugleich die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Die Euro-Länder sind nach den Worten des niederländischen Europaministers Ben Knapen zwar auf ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone eingerichtet, gehen aber vom Verbleib des Landes im Währungsraum aus. "Technisch sind wir auf alles vorbereitet, aber wir gehen auch heute davon aus, dass die Griechen die Abmachungen einhalten werden", sagte Knapen im Deutschlandfunk.

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Markus Kerber, sagte dem "Handelsblatt", ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro wäre auch für Deutschland fatal. "Diese wechselseitige Verwundbarkeit ist vielen gar nicht bewusst", warnte er. Der bayerische Finanzminister Markus Söder hält die Rettungsbemühungen für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone allerdings für gescheitert. "Griechenland kann und will es wohl nicht schaffen", sagte der CSU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen". Man müsse ein Ausstiegsszenario für Griechenland vorbereiten. Das Land sei wirtschaftlich kaputt und könne mit dem Euro keinen Neuanfang bewältigen.