"Schräge Vögel" & andere Persönlichkeiten:
Promis im EU-Parlament haben Tradition

In Schweden tritt die "Piratenpartei" zu Wahlen an Ex-Ralley-Weltmeister Vatanen kandidiert in Finnland

"Promis" im Europa-Parlament haben eine gewisse Tradition und auch heuer zieht es wieder "schräge Vögel" und teils skurrile Persönlichkeiten und Gruppen in die EU-Institution. So kandidiert etwa in Frankreich der schwarze Aktivist und Komiker Dieudonne M'Bala M'Bala mit einer "antizionistischen Wahlliste", in Rumänien wirbt Ex-Model und Präsidenten-Tochter Elena Basescu um Stimmen, in Schweden tritt die "Piratenpartei" und in Finnland wieder Ex-Ralley-Weltmeister Ari Vatanen an.

Die "antizionistische Wahlliste" von Dieudonne umfasst u.a. Rechtsextremisten der Front National (FN), Auschwitz-Leugner und konservative Katholiken. Dieudonne selbst hatte schon mehrmals Probleme mit der Justiz wegen antisemitischer Äußerungen. Dabei war er 1997 mit einer Anti-Rassismus-Kampagne gegen die FN von Jean-Marie Le Pen in den Wahlkampf gezogen und hatte im Jahr 2000 auch heftig gegen die Regierungsbeteiligung der FPÖ in Österreich polemisiert. Unterdessen hat sich der Sohn einer Französin und eines Kameruners der FN angenähert. Le Pen ist nicht nur sein Freund, sondern Taufpate seiner Tochter. Le Pen selbst tritt übrigens auch an. Um zu verhindern, dass der 80-Jährige nächster Alterspräsident des Europaparlaments wird, änderten die Fraktionen extra die Geschäftsordnung.

Rachida Dati will ins EU-Parlament
Ebenso in Frankreich wagt Justizministerin Rachida Dati den Sprung ins EU-Parlament. Die vor Energie strotzende Frau sorgte für Furore und löste heftige Diskussion aus, als sie Anfang dieses Jahres nur fünf Tage nach der Geburt ihrer Tochter wieder zur Arbeit erschien. Den Namen des Vaters ihrer Tochter Zohra hält sie bis heute geheim - ein gefundenes Fressen für die Klatschpresse, die ihr den hämischen Spitznamen "Unbefleckte Empfängnis" verpasste.

In Rumänien sorgt eine andere Frau für politisches Aufsehen: Elena Basescu, Tochter von Präsident Traian Basescu, tritt als unabhängige Kandidatin bei der Europawahl an. Mehr Aufsehen als ihr politisches Engagement löste bisher sicherlich ihr Auftreten auf dem Laufsteg und in Glamour-Magazinen aus.

Mit Vollgas ins Parlament
Ein "alter Bekannter" im EU-Parlament ist der finnische Ex-Ralley-Weltmeister Ari Vatanen. Bei der letzten Wahl 2004 kandidierte er noch in seiner Wahlheimat Frankreich als Kandidat der Mitterechtsfraktion UMP und zog ins Parlament ein. Jetzt ist er Kandidat der finnischen Konservativen und laut politischen Beobachtern in Skandinavien werden ihm erneut gute Chancen eingeräumt.

Piratenpartei
In Schweden tritt die "Piratenpartei" als Protestbewegung der jungen Internet-Generation bei der EU-Wahl an. Ihr werden nach Umfragen ganz gute Chancen eingeräumt. In Luxemburg steht EU-Kommissarin Viviane Reding an der Spitze der Christdemokraten. In Belgien führt EU-Kommissar Louis Michel die frankophonen Liberalen (MR) an, Ex-Premier Guy Verhofstadt die flämischen Liberalen (Open VLD).

Schon bisher war so mancher Prominente aus der Sport-, Kultur-oder Medienwelt erfolgreich: Der Südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messer etwa zog 1999 für die italienischen Grünen ins EU-Parlament. Für die irischen Konservativen schaffte dies die Abtreibungsgegnerin Rosemary Scallon, die 1970 als Schlagersängerin "Dana" den Eurovisions-Wettbewerb gewann. Die griechische Schlagersängerin Nana Mouskouri ergatterte bereits 1994 einen Parlamentssitz. Giovanni Rivera, in den 1960er Jahren italienischer Fußballstar, und der slowakische Ex-Eishockeystar Peter Stastny sind ebenso EU-Mandatare. Und in Prag schaffte Vladimir Remek, der erste Kosmonaut im All, der nicht aus den USA oder Russland stammte, den Sprung ins EU-Parlament.

Einige aus der "Promi"-Welt sind aber auch gescheitert: Die italienische Ex-Diva Gina Lollobrigida schaffte den Sprung ins Europa-Parlament ebenso wenig wie Ex-Pornostar Dolly Buster in Tschechien oder der Literaturnobelpreisträger Jose Saramago in Portugal. (apa/red)