(K)ein Kreuz für... von

Bier, Männer und Co.:
Die schrägsten Parteien

Satire, Aktionismus und Spaß machen auch vor der Politik nicht Halt: Die schrillsten Wahlbündnisse

(K)ein Kreuz für... - Bier, Männer und Co.:
Die schrägsten Parteien

Vor kurzem hat das Sammeln der Unterstützungserklärungen der kleineren Parteien für die Nationalratswahl am 29. September begonnen. Dies förderte wieder einmal eine nicht ganz so seriöse Partei zutage: Die Bier-Partei. Doch das ist natürlich nicht das erste Mal, dass es eine skurrile Partei auf die Wahlzettel schaffen möchte. Hier eine Auswahl der schrägsten Parteien in Österreich.

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2.600 Unterschriften braucht in Österreich eine Partei, um auf dem Wahlzettel für Bundeswahlen zu stehen (in den Bundesländern sind es andere Zahlen: 500 etwa braucht es in Wien, 100 in Vorarlberg). Dieses Jahr müssen diese Unterschriften bis zum 2. August eingeholt worden sein. Inhaltlich gibt es nur ein Kriterium: Das Verbotsgesetz. Dagegen darf keine wahlwerbende Gruppierung verstoßen.

Bier-Partei

Die Auflagen sind also nicht besonders hoch, was natürlich immer wieder schräge bis skurrile oder obskure Wahlgruppierungen hervorruft, wie eben dieses Jahr die Bier-Partei mit ihrem Vorsitzenden Marco Pogo (Sänger der Rockband Turbobier). „Es sei demokratiepolitisch höchst brisant, dass in der Vergangenheit besoffene Geschichten von offensichtlich unfähigen Politikern übernommen wurden. Hier müssen die Profis der BPÖ ran“, so Pogo, der als „Wahlziel“ angibt mit 5,2 Prozent oder 1,5 Promille in den Nationalrat einzuziehen.

Liste Gilt!

Auch Roland Düringers Liste Gilt! Ist dieses Jahr wieder am Start und sammelt derzeit Unterstützungserklärungen. Schon bei der Nationalratswahl 2017 wollte er mit dem radikalen Konzept der "offenen Demokratie" zum Durchbruch verhelfen, der Nationalrat sollte nur noch ausführendes Element von nach dem Losverfahren besetzten Bürgerparlamenten sein. Zum Wahlkampfabschluss entlud er eine Fuhre Mist vor dem Parlament. "Wenn schon Schmutzkübelkampagne, dann aber richtig", kommentierte er. Immerhin: 48.233 Wähler machten ihr Kreuz bei „Gilt!“. Düringer selbst bezeichnete die Liste als „Kunstprojekt“ und „Aktionismus“, um „eine Botschaft zu hinterlassen.“

Gilt
© APA/Punz Düringer lud vor dem Parlament Mist ab

Männerpartei

Weniger schräg-skurril im Sinne der Bier-Partei als eher zum Stirnrunzeln und Kopfschütteln ist wohl die Männerpartei. Sie stand 2013 in Vorarlberg zur Wahl des Nationalrats sowie 2014 für die Vorarlberger Landtagswahl am Stimmzettel. Ihr Spitzenkandidat Hannes Hausbichler begründete die Partei mit der „Täglichen Herabwürdigung von Männern“ – angefangen in TV-Serien wie etwa „Sex and the City“. Die Gesellschaft sei aufgrund von Studien, wie etwa, dass Frauen weniger Autounfälle verursachen würden oder Lieder wie „Männer sind Schweine“ bis zum Gleichbehandlungsgesetz „zutiefst männerfeindlich.“

Die Partei

Die Satirepartei schlechthin, „Die Partei“ von Ex-„Titanic“-Chefredakteur Martin Sonneborn gründete 2014 auch einen Österreich-Ableger. Mit großem Klamauk wurde bei der Parteigründung in Deutschland etwa der Kabarettist Serdar Somuncu im August als Kanzlerkandidat präsentiert. Plakate mit Aufschriften wie "Mehr Glatze als Schulz" und "Mehr Hitler als Erdogan" oder "Warum nicht mal ein Türke" warben für ihn als Kançler mit türkischem C. Der Medienwissenschaftler Benedikt Porzelt bescheinigt den Satirikern "ein gewisses Potenzial als Protestpartei" - vor allem für Linksalternative, die sonst vielleicht gar nicht wählen würden. "Die Partei macht viel Blödsinn, aber sie bezieht sich auf aktuelle Probleme", sagt Porzelt. "Damit ihre Scherze zünden, muss es auch eine Schieflage in der Gesellschaft geben."

Sonneborn
© APA/DPA/Stache Martin Sonneborn von der Partei "Die Partei"

Xenopankratische Partei Österreichs

Kennen Sie die Xenopankratische Partei Österreichs, kurz XPÖ genannt? Nein? Macht wahrscheinlich auch nichts. Sie hat weder jemals Unterstützungserklärungen gesammelt, noch ist sie jemals auf einem Wahlzettel erschienen. Dennoch ist sie seit 2004 im Innenministerium als politische Partei gelistet. Die Erklärung der Xenopankraten: „Die Xenopankratische Partei Österreichs ist die offizielle politische Vertretung der Xenopankraten.“ Der Name sei ein „ironisch zu verstehendes Kompositum aus ‚Xénos‘' − der ‚Fremde‘, der ‚Gast‘ und Pantokrator – ‚Allherrscher‘, ‚Weltenherrscher‘“. Die eigentliche Parteilinie sei es, „alles Fremde, Eigenartige und Deviante zu unterstützen und zu fördern.“

Österreichische Alternative (VOLG)

„Christlich. Monarchistisch. Satirisch.“ So lautet der Leitspruch der „Österreichischen Alternative“ vormals „Obdachlose in der Politik ODP“. Auch diese Partei ist derzeit auf Unterstützungserklärungs-Fang für die Nationalratswahl 2019. Oder auch nicht. Denn auf ihrer Website ist zu lesen: „Die Österreichische Alternative will in die Geschichte als Partei eingehen, welche die wenigsten Unterstützungserklärungen bei Nationalratswahlen aller Zeiten gesammelt hat! Am Besten nicht eine!“ Kämpfen will die Alternative damit für ein „faires Wahlrecht“, denn es werde nicht eingesehen, dass „die Parteien die früher kamen als wir, nunmehr bevorzugt sind“, denn sie (die im Parlament vertretenen Parteien) würden im Gegensatz nur 3 Unterschriften ihrer eigenen Abgeordneten brauchen. Darum trete man eben zum Vorwahlkampf an, um dabei bewusst KEINE Unterschriften zu sammeln um auf diese Ungleichheit beim Wahlrecht hinzuweisen.

Kommentare

Und hier unsere echte Meinung: https://jachwe.com/2019/07/20/oesterreichische-alternative-verhetzung-im-wahlkampf/

Ein Dankeschön an NEWS. https://jachwe.com/2019/07/19/oesterreichische-alternative-unser-standpunkt-zu-news/

Eigentlich finde ich es schade, wenn die NEWS die Behauptung aufstellt, wir hätten von eigenen Abgeordneten gesprochen. Wir reden von der Liste Peter Pilz, die nunmehr zum zweiten Mal OHNE eigene Unterstützungserklärungen antritt. https://jachwe.com/2019/07/18/oesterreichische-alternative-ein-offener-brief-an-bundeskanzlerin-brigitte-bierlein/

Auch wenn ich mich darüber freue, dass News endlich auf unsere Seite geschaut hat und festgestellt hat, dass wir KEINE Unterstützungserklärungen sammeln, so ist die Begründung doch nicht genau in unserem Sinne ausgefallen. Also: Hier ein Link auf einen Artikel, wo wir unsere Anschauungen noch einmal genauer beschreiben. https://jachwe.com/2019/07/17/oesterreichische-alternative-wir-sammeln-keine-u

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