Schokotiger müssen bittere Pille schlucken:
Preis für Schokolade wird deutlich anziehen

Hersteller schieben Schuld auf Kakao-Spekulanten Leidenschaft für süße Waren ist aber ungebrochen

Schokotiger müssen bittere Pille schlucken:
Preis für Schokolade wird deutlich anziehen © Bild: APA/dpa/Kneffel

Den Schokotiger darf man wohl bald zu den gefährdeten Spezies zählen: Die Grundlage seiner Ernährung wird in diesem Jahr deutlich kostspieliger. Die Hersteller suchen die Schuld für die zu erwartenden Preisanstiege bei Glücksrittern: "Die Spekulanten haben ein neues Spielfeld gesucht und den Kakao entdeckt", sagte Bahlsen-Manager Sönke Renk. Der Grundstoff für Schokolade hat sich seit 2007 fast verdoppelt und den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreicht.

Schenkt man den Schokoladeherstellern Glauben schenken, investieren Banker derzeit statt in Öl oder Gold rund um den Globus neuerdings in Kakao. "Das ist für unsere Branche eine dramatische Situation", so Renk.
"Wenn das über einen langen Zeitraum so bleibt, werden die Hersteller nicht umhin kommen, die Preise zu erhöhen", pflichtet Hans Strohmaier, Geschäftsführer des Süßwarenhandelsverbandes Sweets Global Network, bei.

Im vergangenen Jahr waren die Schokoladenpreise vor allem dank des Preiskampfs im Lebensmittelhandel stabil geblieben. 2008 allerdings hatten die Hersteller die Preise - ebenfalls mit Verweis auf die gestiegenen Rohstoffkosten - kräftig erhöht und damit das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen. Die Ermittler verdächtigten mehrere große Konzerne der illegalen Preisabsprachen und durchsuchten zahlreiche Süßwarenfirmen. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen, sagte eine Sprecherin der Behörde. Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, drohen den Herstellern hohe Strafen.

Schoko-Genuss ungebrochen
Schokolade bleibt ungeachtet dessen auch in Krisenzeiten ein Renner. Ob Vollmilch, Nuss oder exotische Neuheiten wie Pfeffer-Chilli: Im Durchschnitt isst jeder Mensch in Deutschland 90 Tafeln oder rund 9 Kilo pro Jahr. Schokotiger lassen sich also weder von den Kalorienangaben noch durch Kurzarbeit den Appetit auf Süßes verderben. Zumindest, solange sie sich ihre Leidenschaft leisten können.
(apa/red)