Schöne neue Welt: Busfahren und Kinder-abholen nur mehr mit Hilfe von Biometrie

Experten zerbrechen sich den Kopf über Entwicklungen Bei allen Vorteilen muss man auch auf Probleme achten

In rund zehn Jahren könnten biometrische Merkmale, also digital abgespeicherte Körpereigenschaften - von Fingerabdrücken über die Iris bis zur Gesichtserkennung - im Alltag integriert sein. Um in die Kantine zu kommen, müsste ein Schüler einen Fingerabdruck liefern, statt der Jahreskarte würde seine Großmutter im Bus ihr Gesicht in einen Scanner halten, so ein Szenario von EU-Experten für das Jahr 2015.

Wenn Großmutter allerdings Pech hat, dann verweigert ihr das Sicherheitssystem des Kindergartens den Zutritt, sodass sie die kleine Enkelin nicht oder nur mit viel Mühe abholen kann. Mutters Auto steht bei Regen nicht zur Verfügung, da es nur mit ihrem Fingerabdruck gestartet werden kann.

Aber die Anwendungen im Privatleben könnten sich auch auf Spielzeug erstrecken, das nur mit Stimmerkennung in Betrieb zu nehmen ist. Unterdessen verhindert ein Handerkennungssystem am Wasserkocher, dass sich die Kleine zu Hause verbrüht. Der Zugang zum Eigenheim läuft ohnehin nur über die Iriserkennung.

Zahlen per Fingerabdruck
So ganz aus der Luft gegriffen dürften die Vorstellungen nicht sein, bedenkt man, dass der deutsche Einzelhandelsriese Edeka bereits in einer Filiale das Zahlen per Fingerabdruck ausprobiert.

Wenn sich die Menschen dank elektronischer Grenzkontrollen an die neue Technologie gewöhnt haben, wird sich deren Verbindung mit "Kriminalität" legen und die Anwendung ausbreiten, so die Erwartung laut einer Studie. Der EU-Bericht verschweigt aber keineswegs die möglichen Probleme.

Fehleranfälligkeit
Biometrische Erkennung sei ebenso wenig perfekt wie biometrische Sicherheit. Es werde falsche Abweisungen geben (also etwa Reisende mit gültigen Dokumenten, die vom System abgelehnt werden), wie auch falsche "positive" Bewertungen. Wenn man erst einmal Bargeld nur über einen Fingerabdruck bekommt, könnten Kriminelle wohl auch Gewalt anwenden, um einen Fingerabdruck an Stelle der Kreditkarte zu erhalten.

Grundsätzlich seien biometrische Merkmale zwar bequem, weil man sie immer bei sich habe. Wenn aber das System letzlich nicht schneller funktionieren sollte als die jetzt üblichen, dann verliere sich der Nutzen rasch, heißt es in dem Bericht. Außerdem müsse man an jene Menschen denken, deren biometrischen Daten "Fehleranfällig" seien, und das "kann ein signifikanter Prozentsatz der Bevölkerung sein". (apa)