Schock im ÖFB-Camp: Torhüter Payer muss krankheitsbedingt auf EM-Start verzichten

Teilverschluss von im Bauchvenen Grund für Absage Ersetzt durch Deutschland-Legionär Ramazan Özcan

Schock im ÖFB-Camp: Torhüter Payer muss krankheitsbedingt auf EM-Start verzichten © Bild: APA/Mathis

Helge Payers Traum von einem Einsatz bei der Fußball-Heim-EM ist ausgeträumt. Beim Rapid-Goalie wurde nach mehreren Untersuchungen ein Teilverschluss von einzelnen Venen im Bauch festgestellt. Der Oberösterreicher musste das ÖFB-Camp umgehend verlassen und wurde mit einem Krankenwagen unter ärztlicher Begleitung von Graz nach Wien überstellt, körperliche Belastungen in den kommenden Tagen wurden ihm untersagt.

Für Payer wurde bereits Ramazan Özcan vom deutschen Bundesliga-Aufsteiger Hoffenheim nachnominiert, da auch der ursprünglich als vierter Keeper vorgesehene Christian Gratzei nicht fit ist. Laut ÖFB-Arzt Ernst Schopp verspürte der 28-Jährige am im Abschlusstraining für das Nigeria-Match in der Grazer UPC-Arena Schmerzen in Rücken und Bauch. "Ich habe ihn in der Kabine erstuntersucht und es wurde rasch klar, dass eine exaktere Abklärung notwendig ist", wurde der Mediziner in einer ÖFB-Aussendung zitiert.

Es folgte eine Diagnosekette unter Hilfestellung des UKH Graz. "Nach einer Ultraschall-Untersuchung und einer anschließenden Computertomographie wurde im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz eine Magnetresonanz-Tomographie und weitere Laboruntersuchungen vorgenommen. Die Kombination dieser Untersuchungen ergab ein klare Diagnose: Ein Teilverschluss von einzelnen Venen im Bauch. Damit war klar, dass eine sofort zu beginnende Therapie für Helge Payer erforderlich ist und weitere sportliche Belastungen für die nächste Zeit nicht möglich sind", erklärte Schopp.

"Passiert einmal in 1.000 Jahren"
"So etwas passiert einmal in 1.000 Jahren", betont Schopp. Das Problem war laut Schopp, dass diese Art der Erkrankung besonders schwierig zu diagnostizieren sei, deshalb sei er froh, dass ihm dies gemeinsam mit anderen Ärzten gelungen ist.

Eine falsche Diagnose hätte für Payer fatale Folgen haben können. "Verschließt sich so etwas weiter, wäre es sogar lebensbedrohend", meinte Schopp, der sich über die Ursachen nicht im Klaren ist. "Ich kann weder sagen, woher es gekommen ist noch, wie lange er pausieren muss." Ein langdienender Radiologe hätte ihm sogar versichert, "dass er so etwas in seiner gesamten Laufbahn erst zweimal gesehen hat", sagte Schopp.

Therapie im Wiener Wilhelminenspital
Der ÖFB-Arzt nahm bereits Kontakt zur medizinischen Abteilung von Rapid auf. Gemeinsam wurde beschlossen, die Therapie im Wiener Wilhelminenspital auf der Gefäßchirurgischen Abteilung fortzusetzen. Noch vor der Fahrt mit einem vom ÖAMTC organisierten Krankentransport wurden der Therapiebeginn und die Transportart mit den verantwortlichen Ärzten in Wien abgeklärt. Payer ließ kurz vor seinem Transport verlauten: "Für mich persönlich war die Diagnose im ersten Moment ein Schock, da es aber frühzeitig erkannt worden ist und es entsprechend behandelt werden kann, bin ich erleichtert."

Der verpassten EURO-Teilnahme trauerte der Torhüter freilich nach. "Natürlich war es mein großes Ziel, bei der EURO als Nummer eins im Tor zu stehen, allerdings ist die eigene Gesundheit doch das kostbarste Gut. Deshalb bin ich einerseits ein wenig traurig, weil ich mir diesen Wunsch nicht erfüllen kann, andererseits sehr froh, rechtzeitig beim Arzt gewesen zu sein", sagte der Oberösterreicher, der das Turnier nach eigenen Angaben vom Krankenbett aus verfolgen muss und im Hinblick auf die anstehende Champions-League-Qualifikation mit Rapid so schnell wie möglich wieder fit werden will.

Ramazan Özcan nachnominiert
Seinen Kollegen wünschte er "alles Gute und eine verletzungsfreie EURO 08". Für Payer rückt Özcan ins Teamcamp in Graz ein. Der 23-Jährige war mit der Hoffenheimer Mannschaft (außer seinem Club- und nun ÖFB-Kollegen Andreas Ibertsberger) nach Ibiza geflogen, um mehrere Tage lang den Aufstieg zu feiern.

Chance auf die Nummer eins hat Özcan freilich keine, das Rennen um den Platz in der Anfangsformation gegen Kroatien machen sich nun Jürgen Macho und Alexander Manninger untereinander aus.

(apa/red)

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