Schmiergeldskandal bei BMW: Ermittlungen gegen Magna-Tochter Itier offiziell bestätigt

Verdacht auf bis zu 200.000 Euro Schmiergeldzahlung Einzelaktion vermutet: BMW-Manager sitzt in U-Haft

Die deutsche Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen die Münchner Niederlassung des Automobilzulieferers Magna bestätigt. Es geht dabei um das Unternehmen Itier, eine Tochter von Magna International. Die Ermittlung richteten sich gegen eine Schmiergeldzahlung von 100.000 bis 200.000 Euro an BMW. Der Verdächtige BMW-Manager, der Schmiergeldzahlungen auch von weiteren Zulieferern erhalten haben soll, sitzt dem Vernehmen nach bereits in Untersuchungshaft.

Magna habe den Behörden in Deutschland "volle Kooperation" zu Teil werden lassen, sagte Magna-Kommunikationschef Daniel Witzani zu den "Salzburger Nachrichten". Der Fall, betonte er im Gespräch mit der APA, liege schon zehn Monate zurück und sei bereits zu Jahresbeginn einmal in Medien kolportiert worden. Von besagtem Mitarbeiter hat sich Magna laut Witzani sofort nach Bekanntwerden der Affäre getrennt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bei Magna seien in der Zwischenzeit abgeschlossen worden. Mit einem finanziellen Schaden aus dem Verfahren rechnet er nicht.

Zuvor hatte Witzani eine Verwicklung des Konzerns in deutsche Schmiergeldaffäre noch dementiert. Dieses Dementi habe sich jedoch nur auf neue Korruptionsermittlungen rund um VW und Audi, nicht aber auf BMW bezogen, erklärte der Magna-Sprecher in den "SN".

Einzelaktion vermutet
Witzani sprach von einem Einzelfall. Dass es System haben könnte, dass sich Zulieferer bei Autokonzernen über Schmiergeldzahlungen eine bessere Ausgangsposition verschaffen könnten und sich Geschäfte so erkaufen, schließt er aus. In der Branche setze sich der durch, der bessere Produkte zum besseren Preis anbiete. "Wir haben weder Kenntnis oder Signale über weitere Fälle in unserem Unternehmen erhalten. Noch hat es weitere Ermittlungen gegeben", sagte Witzani.

Auch dem Obmann des Fachverbandes der Fahrzeugindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich, Bruno Krainz, zufolge haben Schmiergeldzahlungen an deutsche Automobilkonzerne in der Zulieferindustrie nicht Methode. "Ich sehe hier keine Gefahr dass die Automobilindustrie in ein Licht gerät, dass sizilianische Verhältnisse herrschen", sagte er im "Ö1-Mittagsjournal". Die Automobilindustrie sei "sicherlich nicht mehr oder weniger gefährdet wie andere Industriezweige auch. Man kann wahrscheinlich davon ausgehen, dass hier Einzelne versucht haben, einen unkorrekten Weg zu gehen. Gott sei Dank ist man dem auch auf der Spur und wird das sicherlich bereinigen", so Krainz.

Ermittlungen gegen elf Automobilzulieferer
Die deutsche Staatsanwaltschaft ermittelt zur Zeit gegen elf Automobilzulieferer aus mehreren Ländern. Autozulieferer sollen sich von Managern bei VW, Audi, BMW und womöglich noch weiteren Autokonzerne Aufträge erkauft haben. Auslöser für die neue Ermittlungswelle waren Schmiergeldzahlungen der PSA Peugeot Citroen-Tochter Faurecia. Faurecia soll spätestens seit 1998 Schmiergelder von zuletzt 600.000 bis 800.000 Euro jährlich an Einkäufer deutscher Autokonzerne gezahlt haben.

Der Verdacht liege nahe, dass Schmiergeldzahlungen für die Vergabe von Aufträgen ähnlich wie in der Bauindustrie "an der Tagesordnung sind und stillschweigend geduldet werden", sagte Staatsanwältin Sibylle Gottwald, die Ermittlungen leitet, vergangenen Freitag in Frankfurt.

(apa/red)