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Gesamtschule nur "Frage der Zeit"

Schmied setzt auf "Westachse der ÖVP" - neue Matura soll ab 2015 kommen

MINISTERRAT: SCHMIED © Bild: APA/Schlager

Die Umstellung auf eine gemeinsame Schule der Zehn-bis 14-Jährigen ist für Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) "nur eine Frage der Zeit". Mit Vorarlberg, Tirol und Salzburg gebe es nun eine "Westachse der ÖVP-Landeshauptleute", die sich - neben dem Wirtschaftsflügel der Partei - für eine gemeinsame Schule einsetzen, meinte Schmied kurz vor Schulbeginn (2. September).

Wenn man diese Entwicklung gemeinsam mit der Reform der Lehrerausbildung und des Lehrerdienstrechts betrachte, die einen flexibel einsetzbaren Sekundarstufenlehrer, einen Masterabschluss bzw. eine gleichwertige Bezahlung für alle Pädagogen vorsehen, "da stelle ich fest, dass wir als Sozialdemokratie die gemeinsame Schule seit 90 Jahren theoretisch diskutieren und fordern, ihr jetzt aber praktisch schon sehr nahe gekommen sind", betonte die Ministerin.

Neue Mittelschule als "Etappenziel"

Die Neue Mittelschule (NMS) sieht Schmied daher nur als "Etappenziel". Diese habe vor allem eine Umstellung auf eine neue Lehr- und Lernkultur gebracht. An den NMS seien Lehrerteams im Einsatz, es würden offene Lernformen erprobt und auf unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten der Kinder eingegangen. Wenn man dies mit der Umstellung des Kindergartens auf einen "Bildungsgarten" kopple, wobei sich Schmied durchaus auch ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr vorstellen kann, der Intensivierung der Volksschule mit einer Verbesserung der Ausbildung auf Masterabschluss plus der mit Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) ausgearbeiteten Sprachförderung an den Schulstandorten, "dann ist das sicher ein Gesamtpaket, das man in der nächsten Legislaturperiode umsetzen sollte".

Neue Matura ab 2015

Unverrückbar ist für Schmied der Starttermin der neuen Matura mit 2015 an den allgemeinbildenden (AHS) und 2016 an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS). Natürlich habe es hier Widerstände gegeben: "Schule ist ein System, das einen hohen Wert in der Stabilität sieht, wenn man es jetzt positiv formuliert, und wo Veränderungen immer Haltegriff brauchen." Erst wenn diese Änderungen erfolgreich seien, würde alles wieder gewohnt stabil laufen.

Deswegen sei es auch so entscheidend, dass es zur Zentralmatura zahlreiche Schulversuche gebe, so Schmied. Mittlerweile erproben mehr als 90 Prozent der AHS die neue Reifeprüfung in mindestens einem Fach. Besonders wichtig seien vor allem jene zwei Pilotschulen (Stiftsgymnasium St. Paul im Lavanttal, Liese Prokop Privatschule für Hochleistungssportler in der Südstadt), die per Schulversuch bereits 2014 die komplette neue Reifeprüfung mit vorwissenschaftlicher Arbeit, zentralem schriftlichem Teil und mündlicher Matura durchführen. "Ich glaube, dass diese Eisbrecherfunktion ganz zentral ist."

Gemeinsam mit den angebotenen Fortbildungsmaßnahmen für Lehrer werde das Gelingen der neuen Matura an diesen Schulen den Beteiligten die Angst nehmen, meinte Schmied. "Siehe Bildungsstandards: Groß war da die Sorge, dass wir uns jetzt über Rankings und Schulranglisten unterhalten, aber nichts davon ist eingetroffen." Stattdessen fänden Feedback-Prozesse zu den Ergebnissen statt, mithilfe der neugestalteten Schulaufsicht würde die Schulentwicklung vor Ort gelingen. Die Bildungsstandards sieht Schmied gemeinsam mit der ebenfalls in diesem Schuljahr an den ersten Standorten beginnenden Umstellung auf ein Modulsystem in der Oberstufe und der neuen Matura als "Qualitätssicherungspaket".

Baldiges neues Dienstrecht wichtig

Die neue Lehrerausbildung wird laut Schmied "sicher nicht an allen Standorten gleichzeitig starten". Vom Potenzial her könnten 2014/15 die ersten Angebote beginnen, "realistischerweise in größerer Zahl dann 2015/16". Deshalb sei auch die baldige Verabschiedung des neuen Dienstrechts so wichtig, damit die Studienanfänger 2014/15 bereits wissen, welche Bedingungen sie an den Schulen vorfinden.

Zufrieden zeigte sich Schmied mit ihrer "Zwischenbilanz": Man habe die Sprachförderung an den Schulen neu verankert, die Senkung der Klassenschülerzahlen geschafft und im Zuge der Bildungsstandards erstmals österreichweite Tests an jedem Standort eingeführt. Darüber hinaus laufe die Ausbauoffensive für die ganztägigen Schulformen - bis 2019 sollen 200.000 Plätze zur Verfügung stehen.

Bei der Schulverwaltungsreform habe sie darüber hinaus "Verländerungstendenzen verhindert", meinte Schmied. "Es gab ja Strömungen, dass alle Lehrer Landeslehrer werden sollen." Außerdem habe man mit dem Bezirksschulrat eine Behördenebene abgeschafft, künftig könne außerdem ein Direktor mehrere Schulen leiten.

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