Schmidt und das wiederholte Scheitern:
Keine Chance auf den Einzug ins Parlament

LIF-Chefin wollte es diesmal noch einmal wissen Kaum neue Botschaften für Sympathisaten-Kreis

Schmidt und das wiederholte Scheitern:
Keine Chance auf den Einzug ins Parlament © Bild: APA/Barbara Gindl

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hatte bei seiner Abschiedsveranstaltung noch gespottet: Heide Schmidt wolle nach neun Jahren halt noch einmal wissen, dass sie keiner wolle. Dass sie gar niemand mag, kann man einen Tag später nicht sagen. Sehr wohl kann man aber konstatieren, dass es nicht genug Österreicher sind, die Schmidt wieder im Parlament sitzen sehen wollen. Damit scheint das politische Ende der bald 60-Jährigen besiegelt.

Strache hatte nicht ganz unrecht. Schmidt wollte es tatsächlich noch einmal wissen. Neun Jahre, nachdem sie mit dem LIF aus dem Nationalrat geflogen war, wollte die Liberalen-Chefin Wiedergutmachung. Angesichts der Schwäche der Großen Koalition und müde wirkenden Grünen sah es so aus, als könnte es - von Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner finanzkräftig unterstützt - tatsächlich noch einmal etwas werden. Spätestens die Eurofighter-Affäre um Alexander Zach ließ aber schon in den letzten Tagen vor der Wahl die Hoffnungen dahinschmelzen.

Keine neuen Botschaften
Auch Schmidt selbst wird wohl nicht so recht gezogen haben. Zwar freuten sich viele Fans, die Liberalen-Chefin wieder in der Politik zu sehen. Allerdings verstand es Schmidt nicht, neue Botschaften glaubwürdig zu platzieren. Zudem hängt ihr die blaue Vergangenheit auch heute noch.

Einen nachhaltigen Ruf als streitbare und kompromisslose Politikerin erwarb sich Schmidt Anfang der Neunziger, als sie sich nach einer steilen Karriere in der FPÖ zunehmend mit Jörg Haider überwarf und sich schließlich mit einem Paukenschlag von den Freiheitlichen lossagte: 1993 gründete sie - von Haider als Verräterin geschmäht - das Liberale Forum, das sie sechs Jahre lang anführte. Zwei Mal schaffte sie in Folge die Vier-Prozent-Hürde im Nationalrat, bevor der Wiedereinzug 1999 scheiterte.

Genugtuung nach Spaltung
Dass es ihr zwölf Jahre später ausgerechnet Jörg Haider gleichtat und das BZÖ von den Freiheitlichen abspaltete, dürfte Schmidt Genugtuung verschafft haben. Dass ihr ehemaliger Förderer sie nun aber abhängte, wird der Ober-Liberalen wehtun, umso mehr als die beiden bis heute ein fast hasserfülltes Verhältnis verbindet.

Schmidt wurde am 27. November 1948 in Kempten im Allgäu (Bayern) geboren und lebt seit 1950 in Wien. Nach der Matura 1966 studierte sie Jus an der Universität Wien und promovierte 1971 zum Doktor der Rechte. Danach begann sie das Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule für Welthandel in Wien, welches sie 1976 mit der Sponsion abschloss. Nach dem Gerichtsjahr war Schmidt von 1972 bis 1977 im Unterrichtsministerium tätig, von 1977 bis 1987 gehörte sie der Volksanwaltschaft an, danach zog sie als erste freiheitliche Vertreterin (für Wien) in den bis dahin nur von SPÖ und ÖVP besetzten Bundesrat ein; diese Funktion hatte Schmidt bis 1990 inne.

Politische Karriere
In die FPÖ war Schmidt 1973 eingetreten und arbeitete zunächst in der Bezirksparteileitung Döbling mit. Ab 1987 gehörte sie der Wiener Landesleitung der Freiheitlichen an. Von 1988 bis 1990 war sie Generalsekretärin der FPÖ, nach der Nationalratswahl 1990 zog sie in den Nationalrat ein, wobei sie sofort zur Dritten Präsidentin gekürt wurde. 1992 kandidierte Schmidt als freiheitliche Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, was sie als LIF-Chefin im April 1998 neuerlich tat.

Im Jahr 2000 gründete sie das vom Industriellen Hans-Peter Haselsteiner finanzierte Institut für eine offene Gesellschaft, wo sie seither als Vorstandsvorsitzende fungierte. Über ihr Privatleben ist wenig bekannt. Schmidt ist geschieden und kinderlos.
(apa/red)