Schluss mit faulen Geldprodukten und wilden Börse-Zockereien

Die weltweite Wirtschaftskrise hat längst auch Österreich erreicht. Vom Sparer bis zum kleinen Aktionär sorgen sich alle um ihre Investments, ihre Arbeitsplätze, ihre Pensionsvorsorge, also schlicht um ihre Zukunft. Und die Politik ist derzeit nicht in der Lage, das verloren gegangene Vertrauen der Anleger in Finanzmärkte und Geldinstitute wieder herzustellen. Im Gegenteil, da werden sinnlos Hunderte Millionen Euro in die Stützung der Märkte gepulvert, die sich binnen eines einzigen Börsetages in Rauch auflösen. Ansonsten fällt den verantwortlichen Finanzministern und Regierungschefs zwischen Washington und dem Wiener Ballhausplatz reichlich wenig ein.

Was mich nervt ist die Tatsache, dass sich bislang kein einziger Politiker gefunden hat, der für ein Verbot jener hochriskanten, mehr an Glückspiel denn an Wirtschaft erinnernden Finanzprodukte plädiert, welche die Spirale der stürzenden Börsekurse sich nur noch schneller drehen lässt. Solange man mit einer Milliardenwette auf sinkende Kurse Geld an der Börse verdienen kann, werden sich Finanzjongleure finden, die das auch zu nutzen verstehen. Solange es sich lohnt, durch wilde Spekulation ganze Währungssysteme, wie aktuell jenes von Island, mutwillig zum Zusammenbruch zu führen, wird es Spekulanten geben, denen die dabei als Kollateralschaden ebenfalls zugrunde gerichtete Volkswirtschaft des betroffenen Landes völlig egal ist, Hauptsache sie haben ihren Schnitt gemacht.

Die Staatengemeinschaft hätte durchaus die Möglichkeit, derartige Produkte zu verbieten oder die Möglichkeiten, solche Geschäfte durchzuführen, eng zu begrenzen. Dass dies bislang noch nicht geschehen ist, zeigt, dass die verantwortlichen Politiker hier immer noch einem völlig falschen Idealbild einer völlig freien Marktwirtschaft nachhängen, welche es eigentlich so seit 1929 nicht mehr gibt. Jeder Staat muss hier schleunigst Regulative schaffen, damit seine eigene Existenz und die Existenz seiner Bürger nicht gefährdet werden. Hochspekulative Finanzprodukte, denen keine erwirtschafteten Werte, also keine Produktion, gegenüber stehen, sind wie ein Pyramidenspiel. Der Handel mit ihnen geht eine Zeit lang gut, es wird sehr viel Geld von sehr wenigen verdient – und dann kommt wie jetzt der große Crash. Und solange man ausgerechnet am Crash als jener Spekulant, der auf sinkende Kurse gesetzt hat, am meisten von allen verdienen kann, wird das auch passieren. Hier gehören schleunigst neue Spielregeln für einen gesunden weltweiten Finanzmarkt geschaffen, auf dem Zocker nichts mehr zu suchen haben.