Schloss Wilhelminenberg von

"Heimkinder sind nichts wert"

Opfer sprechen: Kinder nicht nur vergewaltigt, sondern auch verprügelt und gequält

Schloss Wilhelminenberg - "Heimkinder sind nichts wert" © Bild: APA/Pfarrhofer

Hinter der Fassade des Schlosses Wilhelminenberg in Wien spielten sich unfassbare Horror-Szenen ab: Im ehemaligen Kinderheim wurden die Schützlinge sexuell missbraucht, von sadistischen Erzieherinnen gequält, verprügelt, mussten Erbrochenes essen, wie die Opfer heute schildern.

Gegenüber der "ZIB" hat Eva L., 49, ihr Schweigen gebrochen: "Im Heim ist uns immer gesagt worden, dass Heimkinder niemand will. Heimkinder sind nichts wert auf der Welt." Eva L. war damals acht Jahre alt, ihre Schwester Julia K., 47, sechs, als die beiden ins Kinderheim Wilhelminenberg gebracht wurden. Die Mädchen wurden vom Heimpersonal und fremden Männern regelmäßig vergewaltigt, dafür steckte das Heim offenbar sogar Geld ein. Doch damit nicht genug. Die Kinder wurden von sadistischen Erzieherinnen brutal geschlagen und gedemütigt. Die 49-Jährige spricht in der "ZIB" auch von möglichen Todesfällen. Einige Kinder, die mit der Rettung abtransportiert wurden, seien nicht mehr ins Heim zurückgekommen.

Sadistische Erzieherinnen
Im Interview mit dem "Kurier" schildern Eva L. und Juli K. wie brutal sie von den Schwestern misshandelt wurden. "Linda (eine Erzieherin, Anm. der Red.) hat mich an den Haaren in den Waschraum gezerrt, hat mich aufs Brutalste in die Ecke geschlagen oder mit dem Kopf ins volle Waschbecken getaucht. Sie hat ein Handtuch genommen, einen Knoten reingemacht, hat ihn nass gemacht und auf mich eingeschlagen", erzählt die heute 49-Jährige. Wie oft sie geschlagen wurde, könne sie nicht mehr zählen. Unzählige Male seien Kinder vom Heim ins Spital gebracht worden, gemeldet haben die Ärzte nie etwas, so die Opfer. "Die haben sich gesagt: 'Das sind die Heimkinder'", erzählt Julia K. gegenüber dem "Kurier". Aber nicht nur durch Schläge wurden die Heimkinder gequält, sie litten oft auch Durst und Hunger, sagen die Schwestern. In ihrer Not haben sie auch das Wasser aus der Toilette getrunken.

Besonders grausam: Im Alter von sieben und neun Jahren wurden Eva L. und Juli K. Ausschnitte aus einem Film über Konzentrationslager gezeigt. Die Kinder mussten zusehen, wie andere Menschen ermordet wurden. Die Erzieherin habe anschließend zu den Kindern gesagt, "ob wir jetzt endlich verstehen, dass wir dort auch hingehören und dass wir nicht das Recht haben, zu leben", erzählt Eva L.

Unterdessen äußert eine ehemalige Erzieherin, die in den frühen 1970er Jahren im Heim im Schloss Wilhelminenberg tätig war, Zweifel an den Vorwürfen der beiden ehemaligen Zöglinge . "Was die beiden erzählen ist auch akustisch nicht möglich", erklärt die 72-Jährige gegenüber der APA.

Externe Kommission soll Vorwürfe prüfen
Die schweren Vorwürfe haben nun dazu geführt, dass eine unabhängige Historikerkommission die Geschehnisse prüfen wird. "Die Stadt Wien ist um eine lückenlose Aufklärung der Geschehnisse in Wiener Städtischen Heimen bemüht", erklärt SP-Gemeinderat Heinz Vettermann. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen bereits aufgenommen, die interne Revision überprüft derzeit die Vorfälle. Auch der Leiter des Wiener Jugendamts (MA 11), Johannes Köhler, hat in einer Pressekonferenz angekündigt, die Missbrauchsvorwürfe gegen die Erzieher der Anstalt von einer externen Kommission untersuchen zu lassen. Ein pensionierter Richter oder Staatsanwalt solle als Leiter der Kommission eingesetzt werden, so Köhler.

Anwalt fordert Entschädigung von Stadt Wien
Bekannt sind die Vorwürfe gegen das Heim schon seit 2010. Durch die Opferhilfsorganisation der Stadt Wien erhielten Eva L. und ihre Schwester bisher 41.000 Euro. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch nicht die ganze Tragweite der Erlebnisse bekannt. "Das (die Entschädigung, Anm. der Red.) wird dem was sie erlitten haben, in keiner Art und Weise gerecht", sagt Johannes Öhlböck, der Rechtsanwalt der Schwestern. Er fordert von der Stadt Wien Schadenersatz und die Übernahme von Therapiekosten.

Weiterführende Links:
"ZIB"-Video
"Kurier"-Interview

Kommentare

Verjährung Wer hat diese irrsinnigen Gesetze hinsichtlich Verjährung gemacht? Na, unsere lieben Gutmenschen! Wieso? Weil sie alle damals, als sie an die Macht gekommen sind, schon gewusst haben, dass sie beim reich werden, ja nicht unschuldig bleiben werden! Sie haben, Intellektuelle, wie sie nun einmal waren, brav voraus gedacht! Heute wissen wir ja schon, dass sie alle viel Dreck am Stecken haben, siehe all die Skandale!
Aber sie waren ja als Intis intelligent! Sie haben sich also gesagt, unser Giergehabe wird schon eine Zeit lang gut gehen! Und wenn man doch darauf kommen sollte, nun ja, EU! Dann zieht der Paragraf für Verjährung! Und unser Volk, ja, das ganze Volk von Mutter Erde, ist ja eh vertrottelt, und wenn wir sie im Gutmensch-Sinn erziehen???? Hehe! Strafe gibt es dann für auch keine!?

Sadisten mit \"NULL\" Herzensbildung!! ich finde dass diese Erzieher(innen) für den Rest in ein Gefängnis gehören! Es gibt da keine Entschuldigung,und vorallem könnte man die Pensionsgelder von diesen sadisten als Entschädigung hernehmen.Die haben dann ja eh alles im Gefängnis.Wasser und Brot wäre meines Erachtens genug.Was sie den armen,unschuldigen Kindern angetan haben können die nie mehr gut machen!Für mich sind diese Leute keine Menschen!!!!!

ERZIEHER/IN AUFPASSEN!!!!! Erzieher/in, bald komme ich nach Österreich um euch zu demütigen, zu misshandeln, zu quälen......
geh lieber in Gefägniss, meine Strafe wird viel, viel schlimmer sein als die Hölle die unschuldige Kinder durchgemacht haben. Also, Ihr seid avisiert.....versteckt euch nicht, ich werde euch finden. Nur in Gefägnis seid ihr halwegs sicher....

Es fehlen die Worte .. ob dieser Brutalität. Es gibt aber sicher noch Aufzeichnungen der Spitäler über Kinder die behandlet werden mußten - und darüber welche Ärzte hier eine Aufdeckung verhindert haben, indem keine Anzeigen erstattet wurden. Ebenso wird es noch die Namen derjenigen geben, die zum untersuchten Zeitraum dort tätig waren und von jenen, die für die Kontrolle des Heimes und des Personals verantwortlich waren. Jeder dieser Personen sofern noch am Leben hat angeklagt zu werden. Verjährungen sind in solchen Fällen nicht tragbar.

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Unglaublich 1/2
Ich hoffe das in diesem Extremfall alles lückenlos aufgeklärt wird, nur wird das nicht funktionieren. Immerhin ist das ganze 40 Jahre her, viele der Täter sind sicher bereits tot oder können niemals ausfindig gemacht werden. Da fragt man sich während man liest, das den Kindern mit 7 Jahren Filme über Konzentrationslager gezeigt werden (und ihnen dann noch gesagt wird sie seien es nicht wert zu leben) was Menschen zu sowas treibt. Ich frage mich was die Erzieherinnen selbst für eine Geschichte haben, normal kann die niemals sein. Es übersteigt meine Vorstellungskraft, dass sich Sadismus so stark im Menschen ausbreiten kann dass man Kinder zu Tode misshandelt. Das ist nur mehr heftig.

wintersun melden

Re: Unglaublich Egal wie man die Verantwortlichen bestrafen wird, den geschädigten Opfern kann man niemals das zurück geben was ihnen auf brutalste Weise genommen wurde, das elementarste und schönste im Leben eines Menschen, die Kindheit. Schande über jeden der meint er wäre mehr wert als ein anderes Lebewesen, ihr selbst seit der wahre Dreck!

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