Schlimmste Erwartungen von Hundstorfer übertroffen: Neuer Rekord bei ÖGB-Abgängen

BAWAG-Affäre kostete 2006 über 63.000 Mitglieder Image in Bevölkerung weiter schwer angeschlagen

Die BAWAG-Affäre hat den ÖGB 63.410 Mitglieder gekostet. Das entspricht 4,75 Prozent aller Mitglieder, der Abgang liegt sogar über dem Wert aus dem bisherigen Rekordjahr 1995/96 (-3,1 Prozent). Das geht aus der Mitgliederevidenz für das Jahr 2006 hervor, die im Bundesvorstand des Gewerkschaftsbunds vorgelegt wurde. 2005 hatten lediglich 22.500 Mitglieder den ÖGB verlassen.

Gewerkschaftspräsident Hundstorfer war erst vor kurzem davon ausgegangen, dass nur etwa 40.000 Austritte zu befürchten seien. Der Verlust im Vorjahr dürfte ganz eindeutig mit dem BAWAG-Skandal zusammenhängen. Denn in den vergangenen Jahren war der Mitglieder- Rückgang einigermaßen stabil in etwa zwischen ein und zwei Prozent gelegen. Den letzten Zuwachs verzeichnete der Gewerkschaftsbund im Jahr 1990.

Einziger Gewinner des Vorjahres sind die Beamten, die zum Jahresende 17 Mitglieder mehr aufwiesen als 2005. Dabei profitierte die GÖD freilich davon, dass sie durch die Ausgliederung niederösterreichischer Krankenanstalten etwa 2.700 Neuzugänge von den Gemeindebediensteten dazubekam. Jedenfalls sind die Autonomie- bestrebten Beamten damit hinter der GPA wieder Nummer zwei im Gewerkschaftsranking, sie ließen die Metaller hinter sich.

Den empfindlichsten Verlust musste im Vorjahr die mittlerweile in der "Vida" aufgegangene Tourismus-Gewerkschaft hinnehmen, die mehr als 13 Prozent ihrer Mitglieder nicht mehr an sich binden konnte. In absoluten Zahlen die stärksten Einbußen erlitt die Gewerkschaft Bau/Holz, die 12.454 Mitglieder verließen. Auch die "Großen" mussten Federn lassen. Sowohl Metaller als auch GPA büßten mehr als 11.000 Mitglieder ein.

Umfrage: Nur 22 Prozent mit guter Meinung über ÖGB
Das Image des ÖGB ist auch nach dem Reform-Bundeskongress im Jänner angeschlagen. Eine "Ifes"-Umfrage für den Gewerkschaftsbund hat ergeben, dass 38 Prozent der Österreicher wenig oder kein Vertrauen in die Arbeitnehmervertretung haben. Nur 22 Prozent haben eine gute Meinung. Immerhin, das Misstrauen hat sich gegenüber dem Vorjahr ein wenig gelegt. Im Sommer 2006 waren es sogar 47 Prozent, die kein Vertrauen hatten. Die "Schulnote" hat sich von 3,47 auf 3,22 verbessert.

Etwas günstigere Daten ergeben sich bei der Auswertung der Umfrage unter Gewerkschaftsmitgliedern. Hier überwiegt das Vertrauen gegenüber dem Misstrauen mit 40:23 Prozent eindeutig. Im Sommer hatten sich die Werte noch die Waage gehalten. Die Durchschnittsnote steigerte sich von 3,03 auf 2,82.

Hundstorfer erwartet Aufwärtstrend
ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer hat bestätigt, dass es sich 2006 um den größten Mitgliederverlust in der Geschichte des Gewerkschaftsbunds handelt: "Die Zahl ist so, wie sie ist." Freilich ist Hundstorfer zuversichtlich, eine Trendumkehr zu schaffen. Als Unterstützung für diese These präsentierte er 9.197 Neueintritte während der ersten beiden Monate 2007.

Wie viele Gewerkschaftsmitglieder in dieser Periode den ÖGB verlassen haben, konnte der Präsident nicht beziffern. Er könne aber mit ganz ruhigem Gewissen sagen, dass es effektive Zuwächse gebe. In absoluten Zahlen hätten Metaller, GPA und mit ein wenig Abstand die GÖD die meisten neuen Mitglieder gewonnen. Hundstorfers Schluss aus den allgemeinen Zuwächsen: "Es geht bergauf."

Bezüglich des Abfindungsangebots an die ÖGB-Pensionisten berichtete Hundstorfer, dass bis heute früh 1.135 Personen das Offert angenommen hätten. 1.260 Pensionisten sind grundsätzlich Adressaten, die Frist läuft bis etwa Ende des Monats. Hundstorfer präzisierte auch die zuletzt vollzogene Nachbesserung. Es würden neben den gestaffelten Abfertigungen nochmals fünf Prozent mit Mitte 2009 ausbezahlt, unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg des ÖGB. Der Gesamt-Aufwand für das Angebot wird vom Präsidenten mit gut 60 Millionen Euro beziffert.
(apa/red)