Schlecker von

Rettung durch Karstadt-Eigentümer?

Personal zittert: Zahlungsunfähiger Konzern hat eine Woche Galgenfrist bei Käufersuche

Schlecker - Rettung durch Karstadt-Eigentümer? © Bild: APA/DPA/Friso Gentsch

Tausende Schlecker-Beschäftigte hoffen auf eine Rettung in letzter Sekunde. Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen ist an der insolventen deutschen Drogeriemarktkette Schlecker interessiert. Die größten Schlecker-Gläubiger beraten unterdessen über die Zukunft des Unternehmens.

"Wir müssen bis nächsten Freitag belastbare Angebote vorliegen haben", sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Freitag nach einer Sitzung des Gläubiger-Ausschusses. Anderenfalls müsse der Betrieb eingestellt werden, der Ausverkauf werde dann im Juni beginnen, die verbliebenen Mitarbeiter im Juli entlassen. "Ich hoffe, dass es noch zu verhindern ist", sagte Geiwitz in Neu-Ulm. Die Situation bei Schlecker sei wegen der operativen Verluste "sehr ernst".

Bisher keine akzeptablen Angebote
Bisher lägen aus Sicht der Gläubiger noch keine Angebote vor, die vom Kaufpreis her akzeptabel seien. Als Insolvenzverwalter dürfe er nicht unbegrenzt für die Verluste einstehen, die Schlecker nach wie vor einfahre. Derzeit verhandle er noch mit zwei Interessenten, sagte Geiwitz. Deren Namen wollte er jedoch nicht preisgeben. Zu den Interessenten für eine Übernahme der Kette hatten zuletzt der Investor Nicolas Berggruen und Finanzinvestoren gezählt.

Nach Geiwitz Worten werden sich die Verluste von Schlecker in diesem Jahr auf 25 Millionen Euro belaufen, im vergangenen Jahr seien es noch 200 Millionen Euro gewesen. Für das kommende Jahr sei derzeit mit 20 Millionen Euro zu rechnen, sofern die Arbeitnehmer an ihren Zusagen für den Gehaltsverzicht festhielten.

Personal hofft auf Karstadt
Die Hoffnungen auf eine Rettung von Schlecker ruhen nun unter anderem auf Investor Nicolas Berggruen, der nach der Übernahme von Karstadt auch für die Schlecker-Mitarbeiter zum Retter werden könnte. "Wir stehen in Kontakt mit dem Insolvenzverwalter", sagte ein Sprecher Berggruens der Nachrichtenagentur Reuters. Neben Berggruen wird in Medienberichten auch der US-Finanzinvestor Cerberus als Interessent genannt, der zuletzt in Deutschland mehrere Immobilienpakete erworben hat. Für eine Stellungnahme war Cerberus nicht zu erreichen. Mehrere mögliche Käufer für die zusammengebrochene Kette mit zuletzt noch rund 3200 Filialen in Deutschland haben bereits einen Rückzieher gemacht, hatte es zuletzt im Umfeld des Insolvenzverwalters geheißen.

Einem Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" zufolge ist Berggruen an dem gesamten Schlecker-Konzern interessiert und bietet zwischen 100 und 150 Millionen Euro. Belastet wird die Suche nach einem Käufer für das gesamte Unternehmen aus Sicht des Insolvenzverwalters unter anderem von mehr als 4000 Kündigungsschutzklagen ehemaliger Mitarbeiter. Der Insolvenzverwalter hatte rund 10.000 Beschäftigte vor die Tür gesetzt, derzeit arbeiten noch rund 16.000 Menschen für die einst größte Drogeriekette in Deutschland.